Zur Wiederkehr von "Friends": Zehn Stimme-Redakteure über ihre persönliche Nostalgie-Serie

TV  Für Fans und Darsteller ein emotionaler Moment: Nach 17 Jahren gibt es nun ein Wiedersehen mit Ross, Rachel, Monica, Phoebe, Joey und Chandler. Keine Frage, "Friends" ist Kult. Doch welche Serien blieben noch in Erinnerung? Zehn Stimme Redakteure blicken zurück.

Von unserer Redaktion
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Sechs Freunde in New York gewähren Einblick in ihren chaotischen Alltag: Zehn Staffeln lang fesselte die US-Sitcom "Friends" ein Millionenpublikum und wurde zur Kultserie. 17 Jahre nach Ausstrahlung der letzten Folge kommt es nun im Rahmen eines TV-Specials, das in Deutschland bei Sky abrufbar ist, zu einem Wiedersehen mit Rachel, Ross, Chandler, Monica, Joey und Phoebe. "Friends - The Reunion" ist die Gelegenheit für Figuren wie Fans des Sextetts, in Erinnerungen zu schwelgen - und für zehn Stimme-Redakteurinnen und -Redakteure, auf prägende Serien mit hohem Nostalgie-Faktor zurückzublicken.

"Fury"

Bettina Hachenberg, 64

"Fury", ruft Joey. Der schwarze Hengst hört seine Rufe, galoppiert wiehernd einen steilen Abhang hinab und bleibt vor dem Jungen stehen, der seinen Kopf tätschelt. Dann fragt ihn Joey: "Na Fury, wie wär's mit einem kleinen Ausritt? Hast Du Lust?" Das prächtige Pferd geht vor ihm auf die Knie, damit er sich auf seinen Rücken schwingen kann. Und dann galoppieren sie ohne Sattel und Trense ihrem nächsten Abenteuer entgegen. Und ich saß als sechsjähriges, damals schon total pferdebegeistertes Mädchen nachmittags fasziniert vor dem Schwarz-Weiß-Standfernseher, in dem das Erste Deutsche Fernsehen die amerikanische Serie ausstrahlte. Keine Folge wurde verpasst. "Fury" ist mir bis heute unvergesslich.

"Die kleinen Strolche"

Claudia Ihlefeld, 58

Damals wusste ich nicht, dass "Our Gang" der Originaltitel dieser US-amerikanischen Kultserie war. Ich hätte "Die kleinen Strolche" noch mehr geliebt: So eine Bande hätte ich gerne angeführt. In den Episoden herrschte Anarchie. Die Abenteuer der zusammengewürfelten Kinderschar wurden zwischen 1922 und 1944 von Hal Roach fürs Kino produziert. Als Kurzfilme kamen sie 1967 ins deutsche Fernsehen: mehrere Folgen zu einer Nachmittagssendung montiert. Elektrisiert saß ich zur schnarrenden Erkennungsmelodie vor dem Schwarz-Weiß-Bildschirm. Dass hier in einer Serie erstmals Mädchen und Jungen, Schwarze und Weiße unter Gleichen agierten, macht mir die Gang im Nachhinein noch sympathischer.

"Raumpatrouille Orion"

Alexander Bertok, 59

"Was heute noch wie ein Märchen klingt, kann morgen Wirklichkeit sein. Hier ist ein Märchen von übermorgen", so der Vorspann-Text der Schwarz-Weiß-Serie "Raumpatrouille, die fantastischen Abenteuer des Raumschiffes Orion". Kultiger geht nicht! Die Premiere 1966 habe ich verpasst, war bei der ersten Wiederholung in den 70ern dabei. Jahre später erschlossen sich mir die Ironie der Geschichten um Commander Cliff Allister McLane (Dietmar Schönherr) und Leutnant Mario de Monti (Wolfgang Völz) im Kampf gegen die "Frogs" sowie die aberwitzigen Details im Kommandostand der Orion. Die "Overkillanlage" besteht aus einem Bügeleisen und Nähgarnrollen-Behältern. Über Youtube bin ich immer mal wieder auf der Orion.

"Alf"

Christine Tantschinez, 43

Er stürzte eines Abends aus heiterem Himmel in das Garagendach der Familie Tanner: Gordon Shumway, haariger Außerirdischer vom Planeten Melmac, gesegnet mit acht Mägen und einer sehr großen Klappe. Ich war damals, 1988, elf Jahre alt und jeden Dienstag versammelte sich die ganze Familie vor dem Fernseher für eine neue Folge von "Alf". Wir Kinder waren fasziniert vom anarchistischen Selbstverständnis, die Eltern amüsiert von Familienvater Willies Bemühungen, irgendwie das orangefarbene Chaos bändigen zu wollen. Natürlich vergebens. Alfs Sprüche, in der deutschen Fassung unverwechselbar intoniert von Tommy Piper, prägten jahrelang meine Schulhof-Sprache: Von "Null Problemo!" bis "Ich lach mich tot!".

"Batman"

Christoph Feil, 35

Die Hauptsendezeit, das war für uns Kinder nicht der Abend, denn da mussten wir ja ins Bett. Die Hauptsendezeit, das war für uns der Samstagmorgen. Da liefen auf den Privatsendern spannende Zeichentrickserien. Zu meinen Lieblingscartoons zählte "Batman". Wie Millionär Bruce Wayne, durch ein Verbrechen frühzeitig zum Vollwaisen geworden, als dunkler Ritter im Fledermauskostüm solch ikonische Schurken wie den Joker, den Pinguin oder den Riddler bekämpft, faszinierte mich einfach. Die düstere Atmosphäre und der ambivalente Held sprachen mich mehr an als Strahlemann Superman. Und natürlich konnte ich es kaum erwarten, bis ich alt genug war, um die Realverfilmung von Tim Burton zu schauen.

"Verbotene Liebe"

Milva-Katharina Klöppel, 43

17.55 Uhr - noch heute durchzuckt es mich kurz, wenn ich irgendwo diese Zeitangabe sehe: "Verbotene Liebe"! Wer erst um 18 Uhr den Fernseher einschaltete, hatte gefühlt schon die Hälfte der 25-minütigen Soap, die montags bis freitags in der ARD ausgestrahlt wurde, verpasst. Im Januar 1995 ging es mit Jan Brandner und Julia von Anstetten los - den bei der Geburt getrennten Zwillingen, die nichts voneinander wussten und sich dann - Peng! - ineinander verliebten. Klingt furchtbar kitschig und schnulzig? War es auch - bis zur Absetzung der Serie 20 Jahre später. Doch Charly Schneider, Tanja von Lahnstein und all die anderen gehörten zwei Jahre vor meinem Abitur sowie im Studium ganz fest zu meinem Leben dazu.

"Bonanza"

Renate Dilchert, 57

Der Wilde Westen war das Abenteuerland meiner Kindheit. Ganz sicher hatte neben Winnetou auch Little Joe seinen Anteil daran, der jüngste der Cartwrights und mein besonderer Held. Noch heute kann ich jederzeit die Erkennungsmelodie im Kopf abrufen und sehe Vater und Söhne im Vorspann durch diesen Feuerring reiten. Die Ponderosa-Ranch wurde zum fiktiven Schauplatz unserer Kinderspiele. Selten lösten die Cartwrights Konflikte mit Gewalt, sie hielten Moral und Anstand hoch, schützten die Schwachen und die Indianer. So kämpften wir wie unsere Helden für das Gute - denn immer ging es gut aus. Seltsam, dass trotzdem niemand den chinesischen Koch Hop Sing oder den dicken Hoss spielen wollte.

"Es war einmal das Leben"

Ranjo Doering, 35

Wie funktioniert der menschliche Körper? In 26 Episoden erklärte die französische Zeichentrickserie, die 1990 im deutschen Fernsehen anlief, die komplexen chemischen Vorgänge. Als Kind katapultierte das mich in einen eigenen Kosmos, in dem vermenschlichte weiße Blutkörperchen wie in einem Actionfilm gegen feindliche Bakterien kämpften. Welche Aufgabe haben die Organe, wie genau arbeitet das Gehirn? "Es war einmal das Leben" war Biounterricht in liebevoll animierter Serienform, der das Wunderwerk Mensch in spannende Abenteuergeschichten verpackte. Das eigentlich Unsichtbare wurde für den Zuschauer fast greifbar vermittelt. Die Magie ist auch heute beim erneuten Schauen auf Netflix geblieben.

"Allein gegen die Zukunft"

Katrin Draskovits, 32

Heute noch muss ich manchmal schmunzeln, wenn ich über einem Artikel für die morgige Zeitungsausgabe brüte. Denn Ende der 90er Jahre schaute ich begeistert zu, wie in der Science-Fiction-Drama-Serie "Allein gegen die Zukunft" eine Katze dem Schauspieler Kyle Chandler jeden Tag die Zukunfts-Zeitung mit den Neuigkeiten des nächsten Tages brachte. Über dem verzweifelten Versuch des Chicagoer Börsenmaklers, Verbrechen zu verhindern, Menschenleben zu retten und die Welt ein bisschen besser zu machen ohne die guten Dinge zu ändern, hing immer die Frage nach den Hintergründen. So ist es vielleicht kein Wunder, dass ich gedruckte Zeitungen bis heute mag - auch wenn sie mir nicht die Zukunft vorhersagen.

"Familie Feuerstein"

Ulrike Kübelwirth, 58

Es war wohl die erste Zeichentrickserie, die im Vorabendprogramm der 70er Jahre ganze Familien vor die Mattscheibe brachte: Wenn das Yabba Dabba Doo erklang, wollten alle mit nach Steintal, um zu sehen, was Fred und "Wilmaaa!" mit ihren besten Freunden Betty und Barney Geröllheimer so alles erleben. Es gab Steinzeitautos, ein Mammut als Geschirrspüler, eine Schildkröte als Rasenmäher, einen Reiher als Heckenschere oder einen Specht als Plattenspieler - und natürlich jede Menge Spaß mit dem chaotischen Quartett. Unvergessliche Kindheitserinnerungen! Umso schöner, dass die "Flintstones" nach 55 Jahren in der Versenkung jetzt fortgesetzt werden. Das Leben in der Steinzeit geht weiter. Yabba Dabba Doo!


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