Wie wollen wir in Zukunft leben? Urkunden für beispielhaftes Bauen in Heilbronn übergeben

Heilbronn  Nach mehrfacher, coronabedingter Verschiebung wurden jetzt die Urkunden und Plaketten des Auszeichnungsverfahrens "Beispielhaftes Bauen. Stadt und Landkreis Heilbronn 2015-2020" an 18 Objekte und deren Architekten und Bauträger im Obstgarten verliehen.

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Übergaben Urkunden und Plaketten: Carmen Mundorff, Architektenkammer Baden-Württemberg, Christoph Herzog, Vorsitzender Kammergruppe Heilbronn.

Foto: Seidel

Eigentlich hätten die Urkunden und Plaketten vergangenen Herbst übergeben werden sollen. Dann Anfang des Jahres, schließlich auf der Landesgartenschau in Eppingen. Mit Corona ist alles anders - und bevor komplett Gras über den Wettbewerb wächst, lud Carmen Mundorff, Geschäftsführerin der Architektenkammer Stuttgart, die Preisträger des Auszeichnungsverfahrens "Beispielhaftes Bauen. Stadt und Landkreis Heilbronn 2015-2020" nun zum kleinen Festakt in den Botanischen Obstgarten ein: eine Art Familientreffen von Architekten und Bauträgern - was man sich wie eine weit verzweigte Großfamilie vorstellen darf.

Der niederländische Architekt Jacobus Johannes Pieter Oud gilt als ein Hauptvertreter des Funktionalismus der 1920er Jahre - und wird gerne zitiert, wenn es um die Definition von guter Architektur geht. Sein Diktum "Ein gut gebautes Haus ist besser als ein (nur) schön gebautes Haus" ist der Broschüre der Architektenkammer vorangestellt, die die 18 Auszeichnungen dokumentiert.

Die soziale Dimension des Bauens

Um den öffentlichen Blick auf Baukultur im Alltag zu schärfen, für Nachhaltigkeit, Funktionalität und die soziale Dimension des Bauens, führt die Architektenkammer in regelmäßigen Abständen Auswahlverfahren in ganz Baden-Württemberg durch. So auch im Juli 2020 in Stadt und Landkreis Heilbronn.

Eine siebenköpfige Jury hatte aus 67 eingereichten Arbeiten 28 in die engere Wahl genommen für eine Ortsbesichtigung - nach der Maxime, natürliche und bebaute Umwelt bilden den Lebensraum einer Gesellschaft. Wie wollen wir in Zukunft leben, war ein Leitgedanke.

Das Gros der eingereichten Objekte: Wohnbauten, aber auch öffentliche Bauten, Industrie- und Gewerbebauten, Sanierungen und Umbauten von Altbeständen, städtebauliche Arbeiten, Garten- und Landschaftsanlagen, Innenraumgestaltungen. Die prämierten Arbeiten zeugen von der Vielfalt der Baukultur in der Region und stehen hoffentlich für das Bewusstsein, nicht nur gleichförmig zu bauen an seelenlosen Ortsrändern.

Neckarbogen, Probenzentrum, Campus, alte Bausubstanz, neues Schießzentrum

Als solch beispielhafte Bauten wurden nun offiziell ausgezeichnet: erster Bauabschnitt Stadtquartier Neckarbogen als Ganzes sowie die Bauten Grüne Ecke, Holz-Hybridgebäude Haus 7, Wohn- und Geschäftshaus Apollo 19, Skaio, Deutschlands erstes Holzhochhaus, Kita "Kinja (alle Neckarbogen), Kindergarten Blumenstraße (Böckingen), Büro- und Werkstattgebäude HNVG, Probenzentrum Theater Heilbronn, Umnutzung und Sanierung einer denkmalgeschützten Kapelle in Sontheim, Bildungscampus Heilbronn und Campusbrücke, Neubau Zentrum für Schieß- und Einsatztraining, Polizeipräsidium Heilbronn, Kindertagesstätte Anne Frank (Sontheim), Erweiterung Weingut Albrecht-Kiesling (Heilbronn).

Im Landkreis: Sanierung und Erweiterung Mehrzweckhalle Massenbachhausen, Einfamilienhaus am Hang (Ittlingen), Sanierung Hölderlinhaus und Anbau (Lauffen), denkmalgerechte Wiederherstellung Alter Bahnhof Eppingen.

Prämierte Objekte

Infos zu den ausgezeichneten Bauten sowie ihrer Architekten und Bauherren gibt es als Broschüre, finden sich in der App Architekturführer Baden-Württemberg sowie auf der Online Datenbank Beispielhaftes Bauen: www.akbw.de.


Claudia Ihlefeld

Claudia Ihlefeld

Autorin

Seit ihrem Volontariat bei der Heilbronner Stimme 1991 schreibt Claudia Ihlefeld überwiegend über regionale Kultur und Kulturpolitik, aber auch über nationale und internationale Kulturereignisse.

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