Wie der Heilbronner Jazzclub Cave 61 für 2021 plant

Heilbronn  Der Jazzclub Cave 61 feiert 2021 ein Jubiläum, seinen 60. Geburtstag. Doch wie geht es weiter in einem Jahr, das wohl auch noch durch die Corona-Pandemie bestimmt ist? Wir haben beim Clubvorstand Axel Lauser nachgefragt.

Von Michaela Adick
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Die Reihe "Jazz trotz(t) Corona", hier mit der Band Vein, im Theatergarten war 2020 ein Erfolg.

Foto: Archiv/Mario Berger

Du hast keine Chance, also nutze sie. Der alte Spontispruch mag einem in den Sinn kommen, wenn man an die Situation des Heilbronner Jazzclubs Cave 61 denkt. Der Traditionsverein feiert 2021 ein Jubiläum. Doch was tun, wenn niemand weiß, was dieses Jahr bringen wird? Weder ist absehbar wie und wann das reguläre Programm im Alten Theater in Sontheim aufgenommen werden kann, das pandemiebedingt seit Wochen zum Erliegen gekommen ist. Geschweige denn wie der 60. Geburtstag des Clubs, der sich dem Modern Jazz verpflichtet sieht, standesgemäß begangen werden kann.

Ein Anruf beim Clubvorstand Axel Lauser, der seit vierzig Jahren die Geschicke des bundesweit renommierten Jazzclubs in Händen hat. Leise erklingt im Hintergrund die Posaune des schwedischen Jazzers Nils Landgren, wenn man Axel Lauser am Telefon erreicht. Wehmütig erinnert er sich an das große Festival zum 50. Geburtstag des Jazzclubs, als Weltstars wie etwa Chick Coreas Return to Forever oder der Hammondvirtuose Brian Auger im Audi-Forum in Neckarsulm, respektive auf der Neckarbühne, zu erleben waren.

Wie schnell die Zeit vergangen ist. In der Zwischenzeit hat der Jazzclub, oft als Wanderzirkus belächelt, wieder sein Domizil gewechselt und im Alten Theater in Sontheim eine Heimat gefunden. Was sich in der Coronazeiten als Glücksfall erwiesen hat, als der Jazzclub in den Sommermonaten im Theatergarten des Alten Theaters seine ausverkaufte Reihe "Jazz trotz(t) Corona" aufgelegt hat.

Die Programmplanung ist in Pandemiezeiten schwierig

1961 wurde der Jazzclub Cave 61 in Heilbronn begründet. Nach Stationen unter anderem in einem Luftschutzkeller in der Uhlandstraße, Kellern in der Kaiserstraße und der Wilhelmstraße, einem charmanten Domizil in einer Baracke in der Hafenstraße und Clubräumen in der Ebene 3 im K3 ist der Club nun im Alten Theater in Sontheim beheimatet.

Doch die Fördergelder sind aufgebraucht, das Ministerium für Forschung, Wissenschaft und Kultur in Stuttgart hat die vom Club angefragte Veranstaltungsreihe "togetherJazz" als nicht förderungswürdig eingestuft. Wie es weitergeht? Axel Lauser, ganz der Pragmatiker, der den Jazzclub im Laufe der Jahrzehnte durch viele Höhen und Tiefen geführt hat, beschwichtigt. "Es gibt für uns noch vier oder fünf weitere Fördertöpfe, die eventuell infrage kommen könnten." Das Problem? Liegt im Detail, wie so oft. "Für jeden Topf gelten andere Voraussetzungen", seufzt Lauser. Klar ist: Ohne eine ergänzende Förderung, die Stadt subventioniert den Club mit rund 30 000 Euro im Jahr, ist eine Programmgestaltung in Pandemiezeiten nicht seriös planbar.

Die Musiker scharren derweil mit den Füßen. Da mögen in Pandemiezeiten die Anfragen von Musikern zurückgegangen sein, früher waren es schon einmal zwanzig oder dreißig am Tag. Doch: "Heute sind es immer noch fünf, oft zehn Angebote, die ich am Tag in meinem Postfach vorfinde", so Lauser. "Viele Amis planen derzeit ihre Europatour." Doch er muss sie vertrösten. "Wenn ich nicht weiß, wann es weiter geht, unter welchen Konditionen und Zugangsbeschränkungen, kann ich auch nicht glaubwürdig kalkulieren", so der Kaufmann, der auch im Jazzliebhaber und Amateur-Schlagzeuger steckt.

Für 2021 plant der Jazzclub erste Streamingkonzerte

Apropos Kalkulation. Nach normalen Maßstäben, aber was war 2020 schon normal, hätte das Festivalprogramm zum 60. Geburtstag längst in trockenen Tüchern sein müssen. Einige Namen lässt der ehemalige Spediteur jetzt fallen, unter der Hand selbstredend, Musiker mit Rang und Namen sind darunter, Musiker, die die Geschichte des Clubs begleitet haben. Kostenpunkt: Eine Abendgage, die im unteren fünfstelligen Bereich angesiedelt ist. Eine Hausnummer, die Veranstaltern im Pop/Rockbereich ein Lächeln auf die Lippen zaubern würde, im Jazz aber kaum zu refinanzieren ist. "Wir gehen Schritt für Schritt vor", so Axel Lauser.

Er hofft auf eine Sommersaison im Theatergarten, einen regulären Spielbetrieb in der Herbstsaison. Und als Sahnehäubchen gewissermaßen ein kleines Geburtstagsfestival, ob es nun ensuite stattfinden wird, an einem Wochenende, oder als Highlight-Konzerte im regulären Programm. Erst einmal tüftelt Lauser mit seinen Vorstandskollegen daran, dass der Club sichtbar bleibt. Gelder aus dem Fördertopf des Jazzverbands Baden-Württemberg ermöglichen dem Club eine Ausstattung mit hochwertigen Aufnahmegeräten. In diesem Jahr sind erste Streamingkonzerte geplant.

 


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