Wie das Popbüro zum Sprachrohr für die alternative Kulturszene wurde

Heilbronn  Poetry Slams, Konzerte und Open-Air-Festivals: Das Popbüro Heilbronn-Franken gibt es seit knapp zehn Jahren. In dieser Zeit ist einiges passiert. Popbüro-Leiter Daniel Schütt blickt zurück auf die Anfänge und erklärt die Philosophie der Einrichtung.

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Zehn Jahre Popbüro Heilbronn-Franken: Sprachrohr für die alternative Kulturszene

Poetry Slam früher: 2009 veranstaltete das Popbüro im Café Wilhelm in der Schützenstraße 16 seinen ersten Poetry Slam.

Foto: Popbüro

Auf das zehnjährige Jubiläum angesprochen, muss Daniel Schütt lachen. "Eigentlich gibt es uns ja schon seit 2007, also zwölf Jahre. Das Label Popbüro Heilbronn-Franken wurde aber das erste Mal 2009 verwendet", sagt der 35-Jährige, der vor (knapp) zehn Jahren die Anlaufstelle für junge Kultur in Heilbronn ins Leben gerufen hat.

Das Popbüro bietet jungen Künstlern Beratung und Vermittlung: Interessierte können Aufnahmen im Tonstudio machen, Musikvideos produzieren, Proberäume nutzen, sich in Workshops weiterbilden, Equipment und Transportmittel ausleihen oder an Projekten und Veranstaltungen teilnehmen.

"Es geht um Strukturentwicklung, darum, das Netzwerk weiter auszubauen, Menschen untereinander in Kontakt zu bringen, Vermittler zu sein zwischen Verwaltung, Politik und der Kunstszene. Wir können Gehör verschaffen und werden zum Sprachrohr", erklärt Schütt die Philosophie des Popbüros, das im Wilhelm-Waiblinger-Haus in der Schützenstraße 16 seinen Sitz hat.

Das Popbüro hat sich in den letzten zehn Jahren stetig entwickelt

Zehn Jahre, eine lange Zeit, in der sich einiges entwickelt hat: "2009 haben wir den ersten Poetry Slam mit 30 Leuten im Café Wilhelm veranstaltet, 2019 gab es den Poetry Slam auf der Buga mit 1300 Besuchern", beschreibt Schütt eine veränderte öffentliche Wirkung. "Und beide waren geil", ergänzt er lachend. Hervorgegangen ist das Popbüro aus dem Kulturverein "Kulturwerk Orange", den Schütt in Schwaigern mitgegründet hat, und der bis heute besteht. "Es war damals hobbymäßig, wir haben alle nebenher studiert und erste Open-Air-Festivals organisiert. Der Bedarf war damals schon da", sagt der 35-Jährige, der schon während der Schulzeit in Eppingen Organisationstalent zeigt und erste Konzerte organisiert.

Zehn Jahre Popbüro Heilbronn-Franken: Sprachrohr für die alternative Kulturszene

Vermittler zwischen Verwaltung, Politik und der Kunstszene: Daniel Schütt (rechts) und das Team vom Popbüro im Wilhelm-Waiblinger-Haus.

Foto: Dennis Mugler

Als dualer Student der DHBW Stuttgart kommt Schütt zum Stadt- und Kreisjugendring Heilbronn, der als Träger die Basis für die Gründung des Popbüros bildet. "Wir haben offene Türen eingerannt, weil der Jugendring schon immer kulturelle Wurzeln hatte." Erfolgreich gelingen erste Veranstaltungen wie das "Big Muff", ein Do-it-Yourself-Projekt, welches sich an Bands richtet, die gerne eigene Konzert organisieren möchten. "Es hat als studentisches Projekt angefangen, mit viel ehrenamtlichem Engagement ist das alles über die Jahre gewachsen", erklärt Schütt.

Das Popbüro wollte keine top-down Kulturangebote machen

Besetzt ist das Popbüro mittlerweile mit vier Halbtagsstellen und einer dualen Studentin, dazu kommt ein Pool von rund 100 Ehrenamtlichen. 5000 Euro Fördergeld fließen vom Land Baden-Württemberg (2019 waren es 10.000), dazu kommen 10.000 Euro von der Stadt. "Die Förderung alternativer Kultur kostet die öffentliche Hand genauso Geld wie die Kulturangebote der Stadt. Diesen Gedanken ins öffentliche Bewusstsein zu implementieren, das geht nicht von heute auf morgen. Aber wir haben nicht locker gelassen."

Zehn Jahre Popbüro Heilbronn-Franken: Sprachrohr für die alternative Kulturszene
Poetry Slam heute: Mittlerweile füllt das Popbüro Heilbronn-Franken mit seinen Veranstaltungen auch die Kreissparkasse. Foto: Popbüro

Wichtig ist Daniel Schütt vor allem, dass das Popbüro nicht "top-down irgendwelche Kulturangebote anbietet", sondern sich die Kultur "von unten natürlich entwickelt". Bands aus der Region soll so beispielsweise Know-how an die Hand gegeben werden, welche Fähigkeiten und Aufgabenbereiche bei der Ausrichtung einer eigenen Veranstaltung wichtig sind.

2020 ist das Soziokulturelle Zentrum das große Thema des Popbüros

Die Aushängeschilder des Popbüros waren seit der Gründung die elf Ausgaben des Viel & Draußen-Festivals im Innenhof des Wilhelm-Waiblinger-Hauses und die Poetry Slams im Café Wilhelm, in der Kreissparkasse und der Boxx. "Wir sind in Heilbronn noch nicht am Ziel der Entwicklung", blickt Schütt in die Zukunft. 2020 richtet sich der Fokus der Einrichtung dann auf das neue geplante Soziokulturelle Zentrum in der Heilbronner Bahnhofsvorstadt (Olgastraße).

Die Trägerschaft wird im Frühjahr ein neu zu gründender Verein namens "Freies Kulturzentrum Maschinenfabrik e. V." übernehmen. Geplant im neuen Zentrum sind unter anderem Konzerte, Festivals, Seminare, Gastronomie, Comedy, Workshops, Proberäume, Poetry Slams, Tonstudios, Lesungen, Ausstellungen, Ateliers, Theater, Tanz und Vorträge.

 

Ranjo Döring

Ranjo Doering

Autor

Ranjo Doering arbeitet seit 2015 bei der Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als Redakteur bei der Hohenloher Zeitung ist er seit 2018 im Kulturressort tätig. Seine Schwerpunkte sind Musik, Film, Theater und Kabarett.

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