Wie Bühnen in der Region den Einsatz von Waffen in Kampfszenen absichern

Region  Nach dem tödlichen Unfall am Filmset des Hollywood-Western "Rust" mit Alec Baldwin: Wie sieht es am Theater Heilbronn und bei den Burgfestspielen Jagsthausen mit der Sicherheit von Bühnenwaffen aus? Wir haben bei den Verantwortlichen nachgefragt.

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Kann ein dramatischer Unfall, wie er jüngst auf einem Filmset des Hollywood-Western "Rust" passiert ist, auch auf den Bühnen der Region geschehen? Der US-Schauspieler Alec Baldwin hatte in der vergangenen Woche bei den Dreharbeiten in Santa Fe eine Kamerafrau mit einer Requisitenwaffe tödlich verletzt. Welche Waffenarten werden bei Opern- und Theaterproduktionen in Heilbronn und Jagsthausen eingesetzt? Wie sind diese gelagert und welche Sicherheitsvorschriften sind zu beachten?

Ann-Kathrin Halter von den Burgfestspielen Jagsthausen erklärt die verschiedenen Bühnenwaffen, die bei den Inszenierungen im Burghof eine Rolle spielen. Während Dekowaffen als Teil des Kostüms nicht zum Fechten verwendet werden könnten, seien Schaukampfwaffen "zwar für Kampfszenen einsetzbar, aber haben abgestumpfte Schneiden und Spitzen", so die Pressesprecherin. Aufbewahrt würden die Waffen in Waffenschränken in abgeschlossenen Räumen, ausgehändigt nur vom Requisiteur oder Pyrotechniker.

 

Ausreichend häufige Proben sind unabdingbar

"Für jede brennende Zigarette in einer Produktion gibt es eine Gefährdungsbeurteilung", sagt Chefrequisiteurin Carmen Riehl über die Sicherheitsvorkehrungen am Heilbronner Stadttheater. Das sichere und ausreichend häufige Proben bei feuergefährlichen Handlungen auf der Bühne sei unabdingbar. "Damit muss man sehr verantwortungsvoll umgehen", sagt Riehl.

Das Spektrum an Handfeuerwaffen gestaltet sich am Heilbronner Theater breiter als man es vielleicht erwarten würde. "Grundsätzlich besitzen wir keine einzige scharfe Waffe. Was wir haben, sind Anscheinswaffen, Dekowaffen und Schreckschusswaffen", so Carmen Riehl. Anscheinswaffen und Dekowaffen dienen nur dem Spiel, haben aber bewegliche Teile.

Sollen Schüsse mit Knall oder Mündungsfeuer dargestellt werden, legt Carmen Riehl oft selbst Hand an: "Meine Kolleginnen oder ich schießen von der Seitenbühne mit einer Schreckschusswaffe und der Darsteller spielt einen Rückstoß." Diese schussfähigen Waffen könnten jedoch nur mit Kartuschenmunition - landläufig Platzpatronen - geladen werden.

Mit Waffen auf Menschen zu zielen ist strikt untersagt

"Eine mit Platzpatronen geladene Schreckschusswaffe behandeln wir jedoch generell wie eine scharfe geladene Waffe", sagt Carmen Riehl. Ebenfalls zur Bühnenpyrotechnikerin ausgebildet, berichtet sie von einem - zur reinen Schreckschusswaffe umgebauten - oft genutzten britischen Revolver. Das Requisit habe bei der letzten "Faust"-Inszenierung im Jahr 2019 einen größeren Auftritt gehabt, als der Darsteller des Universalgelehrten die ganze Trommel in die Luft abfeuerte.

Jeder Schauspieler, der eine Schreckschusswaffe auf offener Szene betätige, würde geschult und eingewiesen, was schriftlich festgehalten werde. Dies fließe "in die Gefährdungsbeurteilung ein, die die Technische Direktion anfertigt", so Riehl. Auf Menschen zu zielen oder Schüsse auf kurze Distanz seien strikt untersagt. Es könne aber immer passieren, dass von der Kartuschenmunition beim Abfeuern ein Stückchen abplatze. Dieses würde wie ein Geschoss ausgeschleudert und könne ernsthafte Verletzungen verursachen, so die Chefrequisiteurin.


Philip-Simon Klein

Philip-Simon Klein

Volontär

Philip-Simon Klein arbeitet seit Oktober 2021 als Volontär bei der Heilbronner Stimme.

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