Was Kurzarbeit für die Schauspieler am Heilbronner Theater bedeutet

Heilbronn  Ein neuer Tarifvertrag regelt die gestaffelte Aufstockung auf bis zu 100 Prozent der Nettogagen. Heilbronns Intendant Axel Vornam spricht im Stimme-Interview über berufliche und finanzielle Konsequenzen der Corona-Pandemie für die künstlerisch Beschäftigten an seinem Theater.

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Axel Vornam

Foto: Archiv/Mugler

Was bedeutet Kurzarbeit für die Schauspieler am Heilbronner Stadttheater? Und für alle anderen künstlerisch Beschäftigten am Berliner Platz? Über berufliche und finanzielle Konsequenzen der Corona-Pandemie, die den Vorstellungsbetrieb bis zum Ende dieser Spielzeit lahmlegt, haben wir uns mit Intendant Axel Vornam unterhalten.

 

Theater in Kurzarbeit: Was heißt das?

Axel Vornam: Konkret bedeutet das, dass die Schauspieler nicht auf die Bühne dürfen und vorerst auch nicht proben. Allerdings sind die Schauspieler nicht zu 100 Prozent in Kurzarbeit, sondern zu 80 Prozent. Das geht auf einen neuen Tarifvertrag zurück, der vergangene Woche abgeschlossen wurde. Das heißt, 20 Prozent der Arbeitszeit bleiben erhalten, etwa für Sprecherziehung, zur Vorbereitung neuer Rollen für die kommende Spielzeit, aber auch für unsere wechselnden online-Auftritte "Heimspiel".

 

Was regelt der neue Tarifvertrag noch, wer sind die Tarifpartner?

Vornam: Der Vertrag wurde abgeschlossen zwischen dem Deutschen Bühnenverein und der Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger. Und regelt die gestaffelte Aufstockung auf bis zu 100 Prozent der Nettogagen, statt der sonst üblichen 60 oder 67 Prozent.

 

Was bedeutet das für die bescheidenen Gehälter an einem Stadttheater?

Vornam: Die Kollegen, die in Kurzarbeit sind, erhalten eine Aufstockung von 100 Prozent, wenn ihre monatliche Gage unter 2757 Euro brutto liegt. Mindestens 95 Prozent seiner Gage erhält, wer monatlich zwischen 2757 und 4990 verdient. Auf mindestens 90 Prozent aufgestockt wird, wenn die Gage 4990 Euro und mehr beträgt. Aber das dürfte kaum jemanden betreffen.

 

Geht der Intendant in Kurzarbeit?

Vornam: Ich habe zu tun. Durch die komplizierte Situation haben wir eine Menge an Problemen, die gelöst sein wollen. Wir haben den Spielplan neu zu disponieren, Gastspiele abzusagen oder zu verschieben, Inszenierungsteams über die Entscheidungen zu informieren und, und, und. Dazu gehört natürlich, ein Hygienekonzept zu entwickeln, um den Probenbetrieb Ende Juni wieder aufnehmen zu können.

 

Und Sie dürften verschiedene Modelle durchspielen, wie es Ende September weitergeht, wenn die neue Spielzeit hoffentlich startet.

Vornam: Wir müssen sehen, was dann gilt. Wir brauchen Regeln und Richtlinien, ich stehe im Kontakt mit anderen Intendanten. Es kann ja sein, dass die strengen Abstandsregeln im September aufgehoben oder Immunitätspässe eingeführt werden. Da ist Vieles im vagen, ich hoffe, das klärt sich in den nächsten Wochen. Wir vermissen das Publikum, den Austausch.

 

Ab Ende Mai soll die Bundesliga wieder spielen, ist Ähnliches unter Auflagen für die Bühnen denkbar?

Vornam: Abgesehen davon, dass Theater von der Kommunikation lebt, also eine kollektive Kunstform ist: Beim Fußball geht es um Geld, um das Geschäft.

 

Apropos Geld. Der Einnahmeverlust von 1,3 Millionen Euro bis zum Spielzeitende: Wie wirkt der sich auf die kommende Theatersaison aus?

Vornam: Im Moment noch gar nicht. Wir versuchen, zu kompensieren, mit Kurzarbeit, aber auch mit abgesagten Gastspielen. Damit sparen wir Sachkosten. In drei bis vier Wochen kann ich sagen, wie groß die Differenz ist zwischen Einnahmeverlusten und Einsparungen.

 


Claudia Ihlefeld

Claudia Ihlefeld

Autorin

Seit ihrem Volontariat bei der Heilbronner Stimme 1991 schreibt Claudia Ihlefeld überwiegend über regionale Kultur und Kulturpolitik, aber auch über nationale und internationale Kulturereignisse.

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