Von der Welt der Designermode ans Heilbronner Theater

Heilbronn  Manuel-Roy Schweikart war einst Designassistent von Wolfgang Joop in Berlin, arbeitete für Guido Maria Kretschmer und ist als Life und Business Coach tätig. Was ihn dazu gebracht hat von der Modewelt ans Theater zu wechseln, erzählt Schweikart im Gespräch.

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"Schnelligkeit ist hier alles": Manuel-Roy Schweikart hat im Theater Heilbronn Schnittprogramme am Computer eingeführt.

Foto: Mario Berger

Psychologie oder Mode? Manuel-Roy Schweikart konnte sich nie etwas anderes als Beruf vorstellen. Früh wurde die Mode daraus. Und seit einigen Jahren spielt auch die Psychologie verstärkt eine Rolle im Leben dieses Mannes, dessen Biografie so komplex und schillernd ist wie die Stoffe, mit denen er arbeitet.

Seit 2018 leitet Schweikart die Kostümabteilung des Heilbronner Theaters. Zuvor hat er zehn Jahre maßgeblich die Prêt-à-Porter-Kollektionen für Wolfgang Joops Label Wunderkind entwickelt: anfangs als Modellmacher, dann als Produktionsleiter, schließlich als Designassistent von Joop, zuerst in Potsdam, dann in Berlin.

Was hat Manuel-Roy Schweikart dazu gebracht, von der Modewelt ans Theater zu wechseln? Und wie kommt der 38-Jährige dazu, sein Atelier in Berlin-Mitte mit einem Arbeitsplatz in Heilbronn - immerhin am Berliner Platz - zu tauschen? "Es war kein aktiver Tausch", sagt der gebürtige Süddeutsche aus Memmingen. "Ich habe meinen ersten Wohnsitz noch in Berlin."

Die Liebe hat Manuel-Roy Schweikart in die Region verschlagen

Seit zwei Jahren aber ist sein beruflicher Lebensmittelpunkt die Kostümabteilung des Theaters. Und sein privater Weissach im Tal, wo er mit seinem Mann lebt. "Ich wollte wieder Wurzeln schlagen."

Die private Liebe und die Liebe zum Handwerk haben Manuel-Roy Schweikart in die Region verschlagen. Und die Erkenntnis, dass er nicht mehr in der schnelllebigen Modebranche arbeiten wollte, bei aller Faszination. Neben seiner Tätigkeit als Kostümchef ist Schweikart zudem zertifizierter Coach und Trainer. "Die wenigsten Menschen haben klare Ziele. Und schon gar keine Visionen", hat er erfahren - auch an sich selbst. "Ich brannte für meine Arbeit. Bis zu 24 Stunden am Tag. Ich habe an nichts anderes gedacht."

Zurück zu den Wurzeln

Dass er die glamouröse Welt der Mode aufgegeben hat, die damit einhergehenden Privilegien und die Anerkennung, können nicht alle verstehen. "Diese Form von Eitelkeit hatte ihren Preis." Nichtsdestotrotz stellt Schweikart klar, dass er die Zeit nicht missen möchte. Trifft ein Film wie "Der Teufel trägt Prada" die Ellenbogenmentalität der Modewelt? Manuel-Roy Schweikart lächelt, möchte aber nicht "eine ganze Branche über einen Kamm scheren". "Ich habe viel gelernt." Die harte Schule Modebranche hat ihn "Routine, aber auch eine gewisse Gelassenheit" gelehrt, "die ich am Theater gut gebrauchen kann".

"Der Output ist enorm", umreißt er sein Tätigkeitsfeld als Kostümchef. "An dem Ort, an dem ich bin, bin ich zu 100 Prozent." Und: "Ich habe hier am Haus so tolle Mitarbeiter." Im Grunde ist Schweikart zu seinen Wurzeln zurückgekehrt. Am Theater Augsburg wurde er einst nach der Mittleren Reife zum Kostümschneider ausgebildet, bevor er an die Staatsoper "Unter den Linden" in Berlin wechselte. Woher die Liebe zur Schneiderei?

"Ich habe mich als Kind schon mit Mode auseinandergesetzt." Zuerst hat er mit den Barbiepuppen seiner Cousine gespielt. "Dann hatte ich eine eigene." Die Klamotten für Partys hat er sich selbst geschneidert. "Glamour und Theater, das lag für mich nahe." Dabei kannte er Theater außer den Besuchen des jährlichen Weihnachtsmärchens nicht wirklich. "Ich wollte unbedingt eine Schneiderlehre machen, und die gab es am Theater Augsburg."

Schweikart hat für Wolfgang Joop und Guido Maria Kretschmer gearbeitet

Bei der Abschlussprüfung 2001 wird Schweikart als Deutschlands bester Damenmaßschneider ausgezeichnet. Später studiert er Modellistik, also Schnitttechnik, an der Meisterschule für Mode in München. Mit seinen ersten Kollektionen gewinnt er den Designpreis der Firma Bogner und den Burda.com Award. Nach einem Aufbaustudium Fachtechnik und Betriebspsychologie erhält er erneut den Staatspreis der bayerischen Landesregierung - und wechselt dann als 24-Jähriger zu Wunderkind nach Potsdam.

Dort findet Manuel-Roy Schweikart seine Profession. "Drapieren mit viel Stoff, das entspricht meiner Formensprache." Er macht Abendkleider und auch Jacken sowie Mäntel. "Bei Wolfgang muss man alles können", sagt er. "Joop ist ein Künstler durch und durch."

Praxis für Life und Business Coaching

Und doch ist Schweikart erleichtert, als er im Zuge der Restrukturierung der Firma Wunderkind nach zehn Jahren geht. Er hat einen Ruf in der Branche, es folgt ein Auftrag für die Ski-Weltmeisterschaft in Garmisch-Partenkirchen: die Ausstattung für das Schlussbild "Rosenkavalier" bei der Eröffnungsfeier. Er arbeitet als Modellmacher für Adidas, Guido Maria Kretschmer, für die Lufthansa. Nebenbei lässt er sich zum Trainer ausbilden, nachdem er selbst ein Coaching durchlaufen hatte. "Ich war nicht mehr glücklich. Dieses ständige Auf-Vollgas-Fahren kann ich heute wieder, aber ich mache es spielerisch."

Vor zwei Jahren hat Schweikart seine Praxis für Life und Business Coaching eröffnet. "Jeder ist Regisseur seines Lebens, ob Drama oder Erfüllung, hängt von der eigenen Regie ab", steht auf seiner Visitenkarte. Psychologie oder Mode? Heute bestimmt beides Schweikarts Leben. "Ich sehe mich als Unternehmer. So führe ich hier im Theater meine Abteilung. Und mich selbst."


Claudia Ihlefeld

Claudia Ihlefeld

Autorin

Seit ihrem Volontariat bei der Heilbronner Stimme 1991 schreibt Claudia Ihlefeld überwiegend über regionale Kultur und Kulturpolitik, aber auch über nationale und internationale Kulturereignisse.

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