Vielversprechender Auftakt der Reihe "Heilbronn ist Kult"

Heilbronn  Das Robert-Giegling-Quintett macht den Anfang bei "Heilbronn ist Kult". Im Deutschhof hören die Besucher ein relaxtes, grooviges Konzert des Heilbronner Jazztrompeters und seiner Combo. Nur mit dem Mitsingen tun sich die Besucher noch schwer.

Von Michaela Adick
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Musik an einem Sommerabend: Das Robert Giegling Quintett (mit Giegling an der Trompete) sorgte für einen gelungenen Auftakt von "Heilbronn ist Kult" im Deutschhof.

Foto: Ekkehart Nupnau

So sieht sie also aus, die neue Realität im Deutschhof: Hier ein Klappstühlchen, dort zwei Klappstühlchen. Und dazwischen? Viele, viele Meter Abstand. Wie großzügig der Deutschhof doch ist. Auch der Abstand zur Bühne: Er ist mehr als großzügig bemessen. Man erinnere sich. Bühne, das war doch? Jawoll, eine Art Podest mit Veranstaltungstechnik, auf dem Musiker musizieren. Gelegentlich gar mit, horribile dictu: Blasinstrumenten. Das kleine Aerosol-Schreckgespenst in Coronazeiten. Mit einem erfrischenden Konzert des Robert-Giegling-Quintetts hat in Heilbronn nun die Zeit danach begonnen.

Bis Mitte September stehen nun alle Zeichen auf Kultur und eine Sommerbespielung unter dem Motto "Heilbronn ist Kult". Unter einem sommerlichen Vorzeichen steht auch das überaus relaxte Konzert des Jazztrompeters Robert Giegling, der zusammen mit seinem Quintett ein grooviges Programm aus sanftem Pop-Jazz, zeitgenössischen New-Orleans-Adaptionen und feinen, durchaus sphärischen Elektroklängen zusammengestellt hat - kurz, einen hinreißenden Melting-Pot von Jazzideen gemixt hat, der zurückverweist auf die Wurzeln des Jazz, ohne das Jetzt aus dem Auge zu verlieren.

Erleichterung nach zahlreichen Konzert-Absagen

Auch für den 37-jährigen Giegling ist die Erleichterung mit Händen zu greifen. Denn auch der Gymnasiallehrer wurde, wie so viele, im März kalt erwischt: Nicht nur durch die Schließung der Schulen. Im Stundentakt erreichten ihn immer neue Hiobsbotschaften von Konzertabsagen, der irgendwann einem Dreiklang glich. Cancelled, abgesagt, verschoben: in den kommenden Herbst, ins Jahr 2021. Auf den Sankt-Nimmerleins-Tag?

Und so ist es kein immer wieder gern von Musikern herbeigezaubertes Fishing for Compliments, wenn Giegling betont, wie schön es doch sei, endlich wieder spielen zu können. Es ist schlicht die nackte Wahrheit.

Und um Fragen der vielen musikalischen Wahrheiten, der Herkunft und Zukunft des Jazz dreht sich auch alles im Konzert des Robert-Giegling-Quintetts mit Marc Roos an der Posaune, Markus Bodenseh am E-Bass, Sam Brandt am Schlagzeug und der elfengleichen Vokalistin Elif Taskin. Da geht es um eine Recherche in New Orleans, einem der vielen Erbhöfe des Jazz, da geht es um Begrifflichkeiten wie Mood (Stimmung) und State of Mind (Seelenverfassung), da geht es auch darum, Club Sounds in ein Open-Air-Ambiente zu transferieren. Und siehe da: Dieser Transformationsprozess gelingt Robert Giegling wie nebenbei, ganz lässig und entspannt.

Das Publikum ist noch aus der Übung

Stücke von Pink Floyd und Chris Isaak gruppieren sich hier, als ob nichts gewesen wäre, um afrikanische Grooves und um funkige Stücke. Nur mit dem Mitsingen, da tut sich das 99-köpfige Publikum noch schwer, auch wenn das Quintett Schwerstarbeit leistet. Der Funk-Klassiker "I feel like talking it up" bleibt auf der Bühne, aller Ehrgeiz der Musiker hin oder her. Aber das Publikum ist ja auch aus der Übung. Das wird schon wieder.

Am Sonntag, 28. Juni, ist der Trompeter mit seinem Hardbop Quintett im Deutschhof zu erleben, am Freitag, 17. Juli, präsentiert er an gleicher Stelle sein Hip-Hop-Projekt Archie Banks. Karten sind kostenlos, müssen aber online unter Heilbronn ist Kult oder an der Tourist Information bestellt werden.

 

Zur Person

1983 in Heilbronn geboren, studierte Robert Giegling an der Musikhochschule Mannheim Jazztrompete, unter anderem spielte er mit Peter Herbolzheimer. Giegling veröffentlichte zwei viel beachtete Platten, markant ist seine Vielseitigkeit. Er ist im Modern Jazz mit all seinen Untergenres ebenso zu Hause wie in der elektronischen Musik und im Hip-Hop. Bei den Jazzopen 2018 in Stuttgart wurde er zusammen mit seiner Formation Archie Banks als Support für die Fanta 4 gebucht. 


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