US-Musiker David Crosby im Interview über sein neues Album "For Free"

Interview  Er war Gründungsmitglied der Byrds sowie der Supergroup Crosby, Stills and Nash (& Young) und ist auch als Solokünstler erfolgreich. Am Freitag veröffentlicht David Crosby sein neues Album "For Free". Wir haben uns mit dem US-Sänger darüber unterhalten.

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Musiker David Crosby sieht die Zukunft junger Musiker durch Streamingdienste gefährdet. Heute erscheint sein neues Studioalbum "For Free".

Foto: Anna Webber

Herr Crosby, die vergangenen beiden Jahre waren nicht einfach. Die Pandemie hat es unmöglich gemacht, auf Tour zu gehen, und Sie fürchteten, dass die Bank Ihnen Ihr Haus wegnehmen könnte.

David Crosby: Man hat als Musiker heute nur zwei Möglichkeiten, Geld zu verdienen: mit dem Verkauf von Platten und mit Tourneen. Die Pandemie hat mir die Möglichkeit genommen, live zu spielen. CDs verkauft man nicht mehr, und die Streamingdienste bezahlen einem heute so gut wie nichts mehr. Das ist eine erschreckende Entwicklung.

 

Wie andere große Künstler haben Sie Ihre Musik- und Verlagsrechte verkauft und sind auch einen Deal für Ihre Soloarbeiten sowie Ihre Arbeiten mit den Byrds und von Crosby, Stills and Nash (& Young) eingegangen.

Crosby: Das ist ein Schritt, den man als Musiker nicht gehen möchte. Auch das liegt an der minimalen Bezahlung der Streamingdienste. Besonders schlimm ist das Ganze aber für junge Musiker, die Zukunft der Musik ist dadurch gefährdet.

"For Free" ist nicht nur der Titel Ihres neuen Albums, sondern auch der eines Songs von Joni Mitchell, den Sie auf dem Album gecovert haben. Welchen Einfluss hat sie auf Ihre Arbeit?

Crosby: Joni Mitchell ist die beste lebende Singer-Songwriterin der Welt. Ich verehre sie als Mensch und als Musikerin. Ich habe den Song bereits zum dritten Mal aufgenommen, unter anderem im Jahr 1973 mit den Byrds. Ich mag die Aussage des Songs, es geht um einen Straßenmusikanten. Es kann gut sein, dass ich mich in Zukunft auch noch an weitere Lieder von Joni wage. Und zum Album: Das steckt voller positiver Energie.

 

Sie und Joni Mitchell waren auch ein Paar. Stimmt die Geschichte, dass sie ein Lied geschrieben hat, um mit Ihnen Schluss zu machen?

Crosby: Das ist richtig (lacht). Das war auf einer Party von Peter Tork (Bassist der Pop-Rock-Gruppe The Monkees, Anmerkung der Redaktion). Sie kam dazu, wirkte etwas verändert und begann, uns einen neuen Song vorzusingen. Sie schaute mich an und sagte: Verstehst du, dass ich gerade mit dir Schluss mache? Sie hat ihn dann noch einmal gesungen, nur um sicherzugehen (lacht).

Im Lied "River Rise" reflektieren Sie über die verbleibenden Jahre und ein mögliches Ende des Lebens. Haben Sie Angst vor dem Tod?

Crosby: Ich denke nicht über den Tod nach, sondern konzentriere mich auf die Momente, in denen ich am Leben bin. Man weiß ja nicht, wie viel Zeit einem noch bleibt. Ich lebe im Hier und Jetzt, hier geht es mir gut, hier mache ich Musik, hier habe ich Spaß. Warum sollte ich mir da Sorgen um den Tod machen?

 

Sie waren schon immer ein politischer Mensch, jemand, der sagt, was er denkt und auch schwierige Themen anspricht. Nach den für die USA sehr schwierigen Jahren unter Donald Trump: Wohin denken Sie steuert Amerika unter Präsident Joe Biden?

Crosby: Joe Biden ist ein aufrichtiger Mann. Er meint die Dinge, die er sagt, und er kümmert sich um die Menschen. Das steht im kompletten Gegensatz zu Trump, der das Land ins Chaos geführt hat. Biden versucht das Beste, um die USA wieder in Richtung Vernunft zu verschieben. Was auch heißt, dass wir uns mit der Erderwärmung und dem Klimawandel auseinandersetzen müssen. Sie leben in Deutschland, oder?

 

Ja.

Crosby: Sie hatten und haben in Deutschland gute Regierungen und mit Angela Merkel eine gute Kanzlerin. Deutschland geht in die richtige Richtung, was Themen wie erneuerbare Energien angeht.

 

Ähnlich wie einst Donald Trump sind Sie sehr aktiv auf Twitter. Was fasziniert Sie am sozialen Netzwerk?

Crosby: Ich mag es, mit Menschen zu reden, Menschen sind an sich faszinierend. Auch dort sage ich, was ich denke. Ich unterstütze zum Beispiel Greta Thunberg, sie ist ein wundervolles, enorm mutiges Mädchen. Wenn Menschen sich bei Twitter aufregen oder Unruhe anzetteln wollen, lösche ich sie einfach. Ich mache mir nicht die Mühe, mit diesen Menschen zu streiten.

 

Zur Person

David Crosby wurde am 14. August 1941 in Los Angeles, Kalifornien, geboren. Mit Roger McGuinn und Gene Clark gehört er zu den Gründungsmitgliedern der Byrds. Von 1964 bis 1967 spielte er mit ihnen fünf Alben ein. Nach Streitereien wurde er jedoch entlassen und gründete mit Stephen Stills, Graham Nash die Supergroup Crosby, Stills & Nash, die später von Neil Young komplettiert wurde. Außerdem veröffentlichte er zahlreiche Soloalben. Crosby ist zweimal in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen worden: als Mitglied der Byrds (1991) und von Crosby, Stills & Nash (1997).


Ranjo Döring

Ranjo Doering

Autor

Ranjo Doering arbeitet seit 2015 bei der Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als Redakteur bei der Hohenloher Zeitung ist er seit 2018 im Kulturressort tätig. Seine Schwerpunkte sind Musik, Film, Theater und Kabarett.

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