Über die Faszination des Spontanen

Heilbronn  Anne Pfitzenmayer zeigt im Knotenpunkt Inselspitze in Heilbronn ihr "Kaleidoskop 020", großformatige Arbeiten in Mischtechnik. Die Ausstellung ist bis zum 20.September zu sehen.

Von Michaela Adick
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"Auf die Bewegung kommt es an", erklärt Anne Pfitzenmayer zu ihren großformatigen Arbeiten in Mischtechnik.

Foto: Ralf Seidel

Jetzt sprüht sie also auch noch. Und die neue Technik liegt ihr, die ihr während eines Workshops in Trier von einer Sprayerin mit echter Street Credibility näher gebracht worden ist. Munter holt Anne Pfitzenmayer mit ihrem linken Arm aus, so als wollte sie zu einer Trockenübung ansetzen. "Auf die Bewegung kommt es an", demonstriert die eloquente Linkshänderin und lächelt.

15 Jahre lang war die gebürtige Heilbronnerin (1954), die aus einer Wengerterfamilie stammt, an allerlei Grund- und Hauptschulen als Fachlehrerin für Sport und Textiles Gestalten tätig: Die Bewegung liegt ihr im Blut und geht mit einem guten Blick für Dynamiken einher. Zwei Merkmale, die sich wie ein roter Faden durch ihre kleine Ausstellung ziehen. Bis 20. September zeigt Anne Pfitzenmayer im Knotenpunkt Inselspitze ihr "Kaleidoskop 020", großformatige Arbeiten in Mischtechnik, die in den vergangenen Jahren entstanden sind: Arbeiten, die von einer großen, beinahe unbändigen Energie zeugen.

Die Künstlerin ist Autodidaktin

Die Autodidaktin, die über allerlei Kurse zur abstrakten Malerei gekommen ist, findet andere Worte. "Spontan, frei, selbstbestimmt, emotional, intuitiv und ohne Skizze" arbeite sie, so Pfitzenmayer. Ach ja, die geliebte Spontanität. Impulse von außen lässt sie ungerne zu. Auch Malunterricht ist so eine ambivalente, um nicht zu sagen heikle Geschichte. "Ich lerne gerne dazu", so Pfitzenmayer. Das Aber ist unüberhörbar. Sie liebt die Stille. Außer: Die Zeiten sind so wie in den viel zu stillen Corona-Zeiten im Frühling. Fünf Arbeiten sind damals entstanden, sie wirken kompakter, beinahe klaustrophobisch. Mit langen Fahrradfahrten musste sie sich in den Zeiten des Lockdowns austoben, erinnert sie sich. "Eine Zeit lang konnte ich nicht malen", so Pfitzenmayer, die in der Inselspitze eine Werkstatt auf Zeit eingerichtet hat. "Ob ich in den Flow kommen werde?", fragt sie sich. Die Farben stehen bereit, das Malervlies und allerlei Planen. Man wird sehen. Das Rattern der Stadtbahn macht ihr Mut. Pfitzenmayer hat ein Faible für ungewöhnliche Orte. Das Häusle in den Stahlbühlwiesen, das sie gelegentlich als Refugium benutzt, ihre Ausstellungsorte, die sie mit Liebe aussucht: Mit Wehmut erinnert sie sich an die Villa Fuchs oder einen aufgelassenen Schlecker-Laden. "Diese Tapeten in der Villa Fuchs, die Gerüche im Laden."

Wortspiele liebt sie auch

Die Inselspitze mitsamt ihrer Infrastruktur ist ihr beinahe zu perfekt. Ein Luxusproblem. Längst ist sie in Gedanken bei der Langen Nacht der Kultur in Heilbronn, die für den 24. Oktober geplant ist. Einen schönen Titel hat sie schon gefunden: "Hinterhöflichkeiten" hat sie ihr Projekt rund um ihr Atelier genannt. Wortspiele liebt sie nämlich auch.

Infos zur Ausstellung                                                                                                                                                                            Knotenpunkt Inselspitze Heilbronn: bis 20. September. Samstag und Sonntag 12 bis 18, Dienstag - Freitag 11 bis 17 Uhr


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