"Tatort"-Vorpremiere im Heilbronner Autokino

Heilbronn  Zur Vorpremiere des Krimis "Du allein", in dem das Stuttgarter Ermittlerduo Lannert und Nootz ermittelt, zieht es viele Fans auf die Theresienwiese. Der Film ist am Sonntag, 24. Mai, in der ARD zu sehen.

Von Michaela Adick
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Und da ist immer dieser Hunger nach neuen Krimis aus der "Tatort"-Werkstatt: Fans verfolgten im Pop-up-Autokino auf der Theresienwiese die brandneue Folge "Du allein" mit dem Team aus Stuttgart.

Foto: Tina Schulze

Alles so vertraut hier. Da ist die forsch dahintreibende Musik von Jazz-Großmeister Klaus Doldinger, die seit 1970 den wahren Sonntagabend einläutet. Ja, auch die Schattengestalt, die um ihr Leben läuft: sie läuft und läuft und läuft. Und doch ist alles anders. Denn etwas Essentielles des deutschen Sonntagabendglücks, es fehlt auf der Theresienwiese: das heimische Sofa.

Eine Art Public Viewing 

Auch der Blick auf den Kalender, die Uhrzeit verrät: Nein, es ist eindeutig keine "Tatort"-Zeit. Da wird sich doch nicht das Raum-Zeit-Kontinuum verschoben haben? Eine Spurensuche im Pop-up-Autokino, wo sich ganze Heerscharen von Autos samt "Tatort"-Fans aus der Region versammelt haben, um in einer Art Public Viewing in Zeiten des Corona-Virus den brandneuen ARD-"Tatort" "Du allein" vorab zu sehen.

Autokino-Novizen treffen auf echte "Tatort"-Fans

In 23 Städten im Südwesten der Republik wird er in diesen Tagen in den Autokinos gezeigt, der neue Fall für die Großstadtcops Lannert und Bootz, die seit zwölf Jahren in Stuttgart ermitteln. Schon am 24. Mai ist Fernsehpremiere in der ARD. Trotzdem ist da offensichtlich dieser unbändige "Tatort"-Hunger, der gestillt sein will. Da sind etwa diese Autokino-Novizen wie Karin Stärr, die sich einfach einmal auf das Autokino-Feeling einlassen möchten. Keck merkt Stärr an, dass sie bislang noch kein "Tatort"-Fan sei. "Aber das kann ja noch werden."

Tatort als Sonntagsritual

Der Rosé-Sekt ist eingeschenkt, ein kleiner Vorrat von Naschwerk liegt parat. Der "Tatort" kann kommen. Einige Meter weiter: Das Mutter-Tochter-Gespann aus Öhringen, für das der "Tatort" einfach zum sonntäglichen Ritual gehöre. Ihre Favoriten? Sind die Berliner und Stuttgarter Teams, so Emily, 18, und Jana, 46, unisono. Jana konzentriert sich noch auf ihre Sushi-Platte. Merke: Für einen "Tatort-Abend muss man sich stärken. Grundentspannt sitzt derweil Christian Pfeffer in seinem Kombi, blickt zu seiner Partnerin Katharina und gesteht mit einem köstlichen ernsthaften Unterton "Wir sehen jeden "Tatort"". Was sie sich erhoffen würden? "Einen guten "Tatort"." Soviel Lakonie ist selten.

Aber ist"s denn auch ein guter "Tatort"? Alle Anhänger des Whodunits, der vielleicht ursprünglichsten aller Ermittlungssituationen, müssen jetzt ganz stark sein: Wer der Täter ist, verrät Drehbuchautor Wolfgang Stauch früh in diversen Rückblenden in einem Fall, in dem das Stuttgarter Team in einer Reihe angekündigter Tötungsdelikte ermittelt, die die Landeshauptstadt in Angst und Schrecken versetzen.

Grundsolide Krimikost ist das mit einem grundsoliden Geplänkel zwischen Lannert und Bootz und grundsoliden, fernseherprobten Deus-ex-machina-Momenten, die eines Sonntagabends würdig sind: Wo sonst dürfte ein Team ungestraft und wie aus dem Nichts auf die richtige Spur gebracht werden?

Film fängt Stuttgarter Bürgerlichkeit in schönen Bildern ein

Ein 90-Minuten-Format stößt manchmal an seine Grenzen. Denn, potzblitz, wer hätte das gedacht: Die Opfer aus den unterschiedlichsten Milieus hatten etwas gemeinsam, was ab Minute 60 den Spannungsbogen deutlich abflachen lässt. Die Optik indes ist gut, Regisseurin Friederike Jehn fängt die gepflegte Stuttgarter Bürgerlichkeit in schönen Bilder ein, was aus einer gepflegten Fernsehproduktion allerdings noch keinen Spielfilm für eine große Leinwand macht.

"Der Soundtrack war klasse", sagt Christian Pfeffer schließlich, der ein wenig enttäuscht klingt, dass das Miträtseln nicht so sehr gefragt war. Sie beide würden doch so gerne rätseln, necken sich die beiden. Das Mutter-Tochter-Gespann aus Öhringen ist leidlich zufrieden. "Selbstjustiz", so die beiden, sei doch ein spannendes Thema. Und Karin Stärr, ist sie nun zur "Tatort"-Freundin geworden? "Schön, dass in diesem "Tatort" Dialekt gesprochen wird", sagt die Heilbronnerin, schön auch, dass man etwas von Stuttgart gesehen habe. Das klingt zurückhaltend. Das Autokino sei es, das es ihr angetan habe, verrät sie noch. "Dieses Flair, super." Sie wird wiederkommen.


Inzwischen sind es 25 Fälle

Seit 2008 und inzwischen 25 Fällen ermitteln die Kommissare Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) in der Nachfolge von Kommissar Ernst Bienzle (Dietz-Werner Steck) in der Landeshauptstadt Stuttgart. Erdacht wurde das neue Team von Drehbuch- und Romanautor Holger Karsten Schmidt ("Sass", "14 Tage lebenslänglich"), der mehrfach mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet worden ist und als graue Eminenz in der deutschen Krimi-Szene gilt. Unter seinem Pseudonym Gil Ribeiro veröffentlicht der gebürtige Hamburger (1965), der in Asperg lebt, eine ganze Reihe erfolgreicher Portugal-Krimis. Der neue Stuttgarter "Tatort" gilt, anders als die Geschichten rund um den eher gemütlichen schwäbischen Kommissar Bienzle (Bücher: Felix Huby), als urban und gesellschaftspolitisch auf der Höhe der Zeit.


Termin im TV

Der "Tatort"wird am Sonntag, 24. Mai, 20.15 Uhr, in der ARD ausgestrahlt.


 


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