Simple Sachen sollen andere machen

Stuttgart/Nordheim  Prog-Death-Newcomer Virocracy haben technisch versiertes Debüt eingespielt.

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Das Line-up, mit dem das Debüt eingespielt wurde: (v.l.) Alexander Jelinek, Florian Betz, Anika Ov Moseberg, Jan Heidelberger und Alejandro Serrano Martinez.

Foto: MDD

Da hat sich das Metal-Label MDD Records mit Sitz in Nordhausen eine Perle geangelt – denn was die Stuttgarter Prog-Deather Virocracy auf dem im Frühjahr erschienenen Album "Irradiation" abliefern, ist feine Genre-Kost. 47 Minuten lang werden komplex arrangierte Songs technisch versiert mit immensem Dampf vorgetragen. Dass die Band erst seit 2018 in ihrer jetzigen Form existiert und es sich obendrein um ein Debüt handelt, ist zu keiner Zeit rauszuhören. Will heißen: Wer schon CDs von Obscura, Deadborn, Cynic und Konsorten im Schrank stehen hat, sollte reinhören.

"Wir sind stolz auf das Album", sagt Alexander Jelinek im Gespräch mit der Heilbronner Stimme. "Bis heute sind mir eigentlich keine Fehler aufgefallen. Und der Sound ist auch klasse." Der Großteil des Materials stammt aus der Feder des 27-jährigen Gitarristen, der im normalen Leben als Konferenz-Dolmetscher für Deutsch und Englisch tätig ist. Für ihn spielt Abwechslung in der Musik eine zentrale Rolle, denn oftmals wechselt innerhalb eines Virocracy-Songs die Klangfarbe dramatisch – wo eben noch eine brachiale Blastbeat-Attacke aus den Boxen hämmerte, folgt wenige Takte später eine atmosphärisch dichte Akustik-Passage. Unterschiedliche Stimmungsbilder werden bei den Stuttgartern wie selbstverständlich zu einem harmonischen Ganzen zusammengefügt.

Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal sind die tiefen Growl-Vocals von Frontfrau Anika Ov Moseberg, deren Organ schon mehr als einmal mit dem von Angela Gossow (Ex-Arch Enemy) verglichen wurde. "Angela ist eine super Sängerin, darum fasse ich das als Kompliment auf", betont die 26-Jährige. Klar sei aber auch, dass sie auf lange Sicht einen eigenen Gesangsstil entwickeln wolle. Darum hat die gelernte Hotelfachfrau in der Vergangenheit nicht nur klassischen Gesangsunterricht genommen, sondern auch Workshops von professionellen Death Metal Shoutern besucht. Großen Wert legt sie zudem auf ein durchdachtes textliches Konzept – simple Splatterstorys sind bei Virocracy also ebenso wenig zu finden wie simple Songstrukturen.

Konzerte sind wichtig für aufstrebende Bands

Sehr ärgerlich ist, dass die Band ihr Material derzeit nicht live promoten kann. Das letzte Konzert von Virocracy fand am 7. März bei "Neckarsulm Underground 2" statt – die CD-Release-Party nur eine Woche später musste wegen Corona komplett gecancelt werden. Dabei sind gerade Konzerte immens wichtig für aufstrebende Bands – einerseits, um auf sich aufmerksam zu machen, andererseits, um CDs und Merchandise zu verkaufen. Trotzdem bleiben die Musiker am Ball und sind zuversichtlich, dass vielleicht im Herbst etwas über die Bühne gehen kann. "Geplant ist, dass wir am 12. September bei One Night Over The Abyss in Ostfildern spielen", sagt Alexander Jelinek. Bleibt zu hoffen, dass das Event mit Revel In Flesh als Headliner tatsächlich stattfinden wird.

Doch unabhängig davon drückt die Combo weiter aufs Gas – trotz Corona-bedingter Proberaum-Zwangspause steht bereits das Grundgerüst von vier neuen Songs. Wenn alles nach Plan läuft, soll es im Sommer 2021 wieder ins Studio gehen, um Album Nummer zwei einzuspielen. Die Marschrichtung für den Nachfolger ist klar: kürzere, eingängigere, aber nicht weniger anspruchsvolle Songs sollen sich darauf wiederfinden. "Und im Gegensatz zum Erstling sind dieses Mal alle Bandmitglieder am Songwriting beteiligt", betont Alexander Jelinek.

Schlagzeuger gesucht

Die Band braucht einen neuen Drummer. Mail-Kontakt: info@virocracy.org.


Alexander Rülke

Alexander Rülke

Stv. Ressortleiter Leben und Freizeit

Alexander Rülke ist im Ressort Leben und Freizeit für die Sonderveröffentlichungen des Medienunternehmens zuständig. Dazu gehören unter anderem das Wochenendmagazin Freizeit sowie die Autostimme. Der gebürtige Heilbronner interessiert sich für alle Neuigkeiten auf vier Rädern und ist in der Redaktion zudem Ansprechpartner für Themen rund um Heavy Metal.

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