Produzentengalerie B27 belebt den Schauraum in Bad Wimpfen

Bad Wimpfen  "Keine Panik": Acht Künstler der Produzentengalerie B27 und ein Gast stellen im Schauraum aus und wollen auch künftig die Fläche in Bad Wimpfen nutzen. Bis sie wieder eigene Galerieräume finden.

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"Paternoster" nennt Hartmut Liebsch das kinetische Objekt, das auf einen Bewegungsmelder reagiert.

Foto: Andreas Veigel

Für Rainer Matuschek ist es "wichtig, dass die Produzentengalerie und die Produzenten sich wieder zeigen nach zwei Jahren Pause. Sonst ist die 23-jährige Galeriearbeit schnell vergessen". Seit die Produzentengalerie B27 - so der vollständige Name - nicht mehr ihr weitläufiges Domizil auf knapp 200 Quadratmetern und zwei Geschossen im abgerissenen Lindenhof Nummer 6 in Offenau bespielt, besteht das Label zwar weiter. Von kleineren Outdoor-Aktionen abgesehen, hat sich die Künstlergruppe aber nicht mehr präsentiert.

Jetzt stellen acht von ihnen plus ein Gast im Schauraum in Bad Wimpfen aus. Einem gut 20 Quadratmeter großen Raum samt kleinem Eingangsbereich, ebenerdig und mit einem Schaufenster, den Matuschek und Künstlerkollegin Jutta Klee seit einigen Jahren angemietet haben. Und den die Produzenten künftig in regelmäßigen Abständen nutzen, um neueste Arbeiten zu zeigen. Bis Offenau einen neuen Raum für die B27 gefunden hat. Man steht im konstruktiven Austausch mit der Stadt, bestätigt Matuschek.

Selfies, die aus Leitzordnern blitzen

"Keine Panik" titelt folgerichtig die kleine Schau. Was eine vernünftige Haltung ist, in jeder Lebenslage. "Keine Panik" nennt Rainer Matuschek denn auch seine Arbeit, eine Art Ahnengalerie der acht teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler. Aus stabilen Leitzordnern hat er mit einem Kartonmesser kreisrunde Scheiben ausgeschnitten und so die Passepartouts gefertigt für die Konterfeis der acht, die auf beiläufigen Selfies aus ihren Rahmen herausblitzen.

Auf dem Bildschirm eines Tablets changieren märchenhaft anmutende Zeichnungen. "Neue Kraftquellen" nennt Nicole Welte diese Filmdatei: ineinanderfließende Sequenzen, in denen eine Figur mit Bart sich je nach ändernder Farbgebung wandelt, bis sich die Konturen auflösen - und es von vorne beginnt.

Es bewegt sich was im Schauraum in Bad Wimpfen

"Neue Kraftquellen": eine Filmdatei von Nicole Welte, die auf Zeichnungen basiert und mit Farben spielt.

Foto: Andreas Veigel

In Grüntönen und Rotnuancen

Wie Hinterglasmalerei oder ein abstraktes Kirchenfenster wirkt die Arbeit "Nachtblüte 1" von Sergei Moser, ein Linolschnitt auf Plexiglas. Ein auf der Rückseite integriertes LED-Licht lässt die Nachtblüte türkis, schwarz-weiß, blau, in Grüntönen und Rotnuancen schimmern. Mit Präzision hat Stefan Aritzona Hans das zarte Aquarell "Bad Wimpfen am Morgen" gefertigt. Ab Dezember richtet er hier im Schauraum einen Pop-up-Store ein.

Eine Totenmaske aus Schaumlatex

Hartmut Liebsch, von Beruf Puppenspieler, pflegt seine Faszination für theatral-verspielte Momente. Dass der Titel "Paternoster" für sein kinetisches Objekt "technisch letztlich nicht stimmt", bekennt Liebsch. "Assoziativ" aber schon, verweist der Begriff doch auf den Vater (pater), der im Wort steckt. Mit einem Bewegungsmelder, der vor dem Schauraum unterhalb des Fensterrahmens installiert ist, sind der kleine Motor, die Turbine und die (Toten-)Maske aus Schaumlatex verbunden, die Liebsch vor um die 40 Jahren von sich selbst anfertigte. Geht oder radelt jemand vorbei, setzt sich die Büste in Bewegung - bis zur Überstreckung des Nackens.

Eleganter Herr im Anzug

Es bewegt sich was im Schauraum in Bad Wimpfen

"Nachtblüte 1" von Sergei Moser, Linolschnitt auf Plexiglas und LED-Licht.

Foto: Andreas Veigel

Duftige Wolkenformationen zieren die "Himmel" auf Acryl von Christina Heinrich. Günther Zitzmann ist mit zwei Objekten aus Fundstücken vertreten: mit "Man - Woman" aus verschiedenen Objets trouvées, etwa einem kleinen Messingschild, das die elegante Figur eines Herren in Anzug zeigt, wie es einst an Männertoiletten hing. Und mit dem Objekt "Kanistergeist" aus Kunststoff, der mit seiner grünblauen Patina wirkt, als sei er aus Blech.

Schlicht "Antonette" - nach dem Namen des Modells - nennt Jörg Jauß seinen Frauenakt, einen keinen halben Meter hohen Mineralguss auf Podest. Ingrid Breuninger schließlich hat ein Architekturmodell gebaut, das in Puppenstubenmanier den Kern von "Keine Panik" trifft: "Let"s move" stellt dem Modell der einstigen Galerieräume der B27 in Offenau das Modell des Schauraums in Bad Wimpfen gegenüber.

 

Ausstellungsdauer

Bis 28. November, Schauraum Bad Wimpfen, Mathildenbadstraße 18. Besichtigung nach Vereinbarung: Telefon 07063 2660465, mobil 0179 2030857.

1998 als Low-Budget-Unternehmen von Künstlern für Künstler und Kunstfreunde gegründet, besteht die Produzentengalerie B27 als Label nach dem Abriss ihres ehemaligen Domizils auf dem einstigen Lindenareal in Offenau weiter. Der Name Produzentengalerie verweist darauf, dass sich die Künstler als Produzenten verstehen. Seit 2003 ein Verein, bietet die Galerie günstigere Konditionen als andere Galerien: Beim Verkauf von Arbeiten von Mitgliedern behält sie zehn Prozent des Verkaufspreises ein, bei Nicht-Mitgliedern 20 Prozent. Wie die namengebende B27 will die Produzentengalerie schlicht verbinden.

 

Claudia Ihlefeld

Claudia Ihlefeld

Autorin

Seit ihrem Volontariat bei der Heilbronner Stimme 1991 schreibt Claudia Ihlefeld überwiegend über regionale Kultur und Kulturpolitik, aber auch über nationale und internationale Kulturereignisse.

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