Pianist Igor Levit begeistert in der Tauberphilharmonie Weikersheim

Weikersheim  Bei den Doppel-Konzertabenden am Freitag und Samstag zeigt sich Igor Levit unprätentiös und spielfreudig. Zum ersten Mal spielt der Pianist mit den Berliner Barock Solisten zusammen und wagt sich an das Klavierkonzert d-Moll von Johann Sebastian Bach.

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Zum zweiten Mal nach 2019 war Pianist Igor Levit zu Gast in der Tauberphilharmonie in Weikersheim und spielte am Freitag und Samstag jeweils zwei Konzerte.

Foto: dpa

Es ist ein Neuanfang für die Tauberphilharmonie, und das, obwohl die Konzerte mit Pianist Igor Levit eigentlich den Saisonabschluss der Spielzeit 2020/2021 hätten bilden sollen. "Nach 268 Tagen sinfoniekonzertanter Stille sind diese beiden Abende ein Auftakt für alles, was noch kommt", sagt Johannes Mnich, Intendant in Weikersheim, am Freitag im Rückblick auf die coronabedingt konzertfreie Zeit und im Hinblick auf das kleine Sommerprogramm, das im August startet, und den Beginn der neuen Spielzeit Ende September.

Vier Konzerte spielt Igor Levit, der 1987 im russischen Gorki (heute Nischni Nowgorod) geboren wurde: Am Samstag bringt er zwei Mal Ludwig van Beethovens Sinfonie Nr. 3 Es-Dur "Eroica" zur Aufführung, am Freitagabend steht er bei einem Bach-Abend gemeinsam mit den Berliner Barock Solisten − ein Ensemble der Berliner Philharmoniker − auf der Bühne. Für Intendant Mnich in zweierlei Hinsicht ein besonderer Auftritt. "Es ist das Debüt der Künstler miteinander, und Igor Levit hat das Klavierkonzert in d-Moll noch nie öffentlich gespielt."

Levit, der mit Johannes Mnich befreundet ist und mit ihm gemeinsam in Hannover studiert hat, ist einer der Stars der jüngeren Klassikszene, engagiert sich vehement gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus. Mit gestreamten Konzerten aus seinem Wohnzimmer erreichte der 34-Jährige während des ersten Lockdowns im vergangenen Jahr ein großes Publikum. Er gilt als Ausnahmemusiker, als Jahrhundertpianist − und doch sind dies alles Bezeichnungen, mit denen Levit, wie er immer wieder betont, nur wenig bis gar nichts anfangen kann. Ähnlich zeigt er sich auch in Weikersheim: zurückhaltend, unprätentiös, ohne Allüren und stattdessen gänzlich verschmolzen mit dem Orchester und mit der Musik.

Höhepunkt ist Johann Sebastian Bachs Klavierkonzert in d-Moll, das um 1738 als Teil eines Zyklus für Cembalo niedergeschrieben wurde. Auf das drängende Allegro mit düsterem Charakter folgt ein nicht weniger schwermütiges Adagio und, im dritten Satz, wiederum ein Allegro, bei dem die Streicher mit einem kraftvollen Thema vorangehen und vom Solisten mit einem selbstbewussten Solothema wieder eingefangen werden.

Tempo- und Dynamikanweisungen werden von Levit eigenwillig interpretiert, immer wieder schließt der Pianist die Augen, wiegt sich im Takt, nickt, als wolle er sich selbst sagen: Ganz genau so muss das klingen. Nie wirkt das großspurig oder auftrumpfend, immer ist Levit Teil des Ensembles, von dem er sich eigentlich nur farblich durch ein weißes Hemd abhebt. Zuvor bereits begeistern die Barock Solisten, spielen sich in unterschiedlicher Besetzung nicht nur durch zwei Stücke von Johann Sebastian (Konzert für zwei Violinen d-Moll und Sinfonie für Streicher in d-Moll), sondern tauchen auch tiefer ein in den Kosmos der Familie Bach mit Stücken seiner Söhne Carl Philipp Emanuel ("Ricercare a sei" für Streicher) und Johann Christoph Friedrich (Sinfonie für Streicher in d-Moll).

Am Freitag stellte die Tauberphilharmonie auch das Programm für die kommende Saison vor. Neben Klassikabenden (unter anderem das Kölner Kammerorchester, die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz und das WKO Heilbronn) sind ab 29. September auch Kabarett (Gerhard Polt, Luise Kinseher), Popkonzerte (Max Herre & TKOVR Ensemble, Ulrich Tukur & Die Rhythmus Boys und Naturally 7) sowie Cross-Over-Formate geplant.

Das Programm und Tickets

www.tauberphilharmonie.de


Ranjo Döring

Ranjo Doering

Autor

Ranjo Doering arbeitet seit 2015 bei der Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als Redakteur bei der Hohenloher Zeitung ist er seit 2018 im Kulturressort tätig. Seine Schwerpunkte sind Musik, Film, Theater und Kabarett.

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