Kunstausstellung Finale Regionale als Kamerafahrt auf Youtube

Heilbronn  "Finale Regionale", die jährliche Ausstellung regionaler Künstler, hat Classic Blue - die Pantone-Trendfarbe 2020 - zum Thema. Zu sehen ist die Ausstellung derzeit nur als Kamerafahrt auf dem Youtube-Kanal des Kunstvereins. Dabei geht es nicht immer romantisch zu.

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Classic Blue, die Trendfarbe 2020, stand Pate bei der Gruppenausstellung im Kunstverein.

Foto: Andreas Veigel

Als Matthia Löbke im Herbst 2019 das Thema für die folgende, jährlich stattfindende Gruppenausstellung "Finale Regionale" wählte, konnte die Ausstellungsleiterin vom Kunstverein Heilbronn nicht wissen, wie treffend "Pantone Classic Blue 19-4052" 2020 werden sollte.

Laut des Pantone Matching Systems mit Firmensitz in Carlstadt, New Jersey, strahlt Classic Blue - die Trendfarbe 2020 - Ruhe und Souveränität aus: als Antwort auf die Sehnsucht nach einer sicheren Basis. Als hätte Pantone unsere Gemütsverfassung im Jahr zwei der Pandemie vorausgenommen: das Bedürfnis nach Verlässlichkeit.

 

Jährlich wechselnde Farbfächer

Trendfarbe? Jedes Jahr entwickelt die Firma Pantone eine Farbpalette für die Mode, die Automobilbranche, die Wohnwelt und andere schnelllebige Branchen. Der jährlich wechselnde Farbfächer ist immer auch willkommene Manipulationsstrategie für die Industrie - und für Matthia Löbke auch deshalb ein vielfältiges Thema für "Finale Regionale", geht es dabei doch nicht ausschließlich um die Farbe Blau in der Wahrnehmung.

Die jurierte Gruppenausstellung mit Arbeiten von Mitgliedern des Kunstvereins Heilbronn sowie Mitgliedern des Künstlerbunds Heilbronn ist nun - verlegt vom Herbst 2020 auf dieses Frühjahr - Corona zum Trotz aufgebaut in den Räumen des Kunstvereins in der Kunsthalle Vogelmann.

"Wir mussten ausjurieren, was nicht gepasst hat"

Die Schau kann zwar derzeit nicht besucht werden, eine Kamerafahrt auf dem Youtube-Kanal des Kunstvereins durch die Ausstellung aber liefert Einblicke ebenso wie die Homepage, für die sämtliche 75 Arbeiten fotografiert wurden:

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Zudem: Auf Aufstellern werden wie in einem Schaufenster einzelne Arbeiten auf der Seite zur Allee hin präsentiert, zwei Mal die Woche wird gewechselt. Tatsächlich haben 68 Künstler insgesamt 147 Arbeiten eingereicht, aus der die dreiköpfige Jury - neben Löbke Barbara Martin, Kuratorin der Städtischen Museen Heilbronn, und Klaus Rensch, Künstlerbundvorstand - gut die Hälfte ausgewählt hat. "Wir mussten ausjurieren, was nicht gepasst hat", erklärt Matthia Löbke das Konzept der Schau "Finale Regionale", die dicht gehängt "die Bandbreite des Kunstgeschehens in der Region" wiederspiegelt.

Die Resonanz unter den Künstlern auf die Möglichkeit, überhaupt auszustellen, war "riesig". "Die meisten sind einfach froh, dass etwas passiert." Straff organisiert im Fünf-Minuten-Takt und unter strengen Hygieneregeln, haben Ende April die Künstler ihre Arbeiten abgeliefert, tagte die Jury, wurde gehängt und wünscht Löbke der Ausstellung, die bis 6. Juni läuft, eine letzte Woche mit realen Besuchern.

 

Ruhe und Gelassenheit

Malerei, Zeichnung, Fotografie, Collage und Skulptur sind die bevorzugten Medien der Künstler der Region. Videoarbeiten sind nicht dabei, auch keine konzeptionellen oder politischen Arbeiten. Die meisten packen das Thema am Schopf, Blautöne - nicht zwingend das Pantone Classic Blue - in allen Schattierungen fluten die beiden Räume des Kunstvereins. Dabei sind die unterschiedlichen Formate und Lösungen zum diesjährigen Motto einnehmend kuratiert und strahlen in der Tat Ruhe und Gelassenheit aus, gepaart mit der Sehnsucht nach unberührten Ozeanen, weiten Himmeln, Wolkengebilden und Kuckucksheimen sowie Variationen zur Blauen Blume, dem Symbol der Romantik.

Dabei ist nicht alles romantisch. Zwei Prints von Fotografien von Hermann Bader zeigen neorealistisch anmutende, menschenleere, fast surreale Alltagssituationen mit unspektakulären Gegenständen wie einem Garderobenständer. Gestische Blauspritzer auf den zwei Ebenen des kleinen Glaskastens an der Wand von Jürgen Cornelius Ernst suggerieren einen Spiegeleffekt - und zeugen von einfachen, durchdachten Mitteln mit Wirkung. Ruth Bader Ginsburg, ehemalige Richterin des obersten Gerichtshofs der USA, blickt ein wenig missmutig doch souverän von einem Bild von Marion Lutz in den Raum.

 

Eine dunkle Landschaft von Wildis Streng zieht in den Bann, die Stadtansichten von Stefan Hans werden zu Seelenlandschaften, wie überhaupt abstrakte Landschaften überwiegen.

Anregender Blick auf das Kunstschaffen der Region

Petra Grupp hat einen Kinoaufsteller übermalt und collagiert, Kerstin Klemm ein irritierendes Kaleidoskop als Art Bullauge geschaffen. Souverän changieren die Blautöne auf den monochromen Tafeln von Ursula Drenker, mystisch wirkt die Malerei von Miriam Wilke. "Klangstein" nennt Andreas Pick sein Objekt, Altmeister Klaus Koppal ist mit kleinen Formaten, Print und Collage, vertreten.

Mögen einige wenige Arbeiten letztlich "overdone" wirken und nicht wirklich stringent ihre Idee verfolgen: "Finale Regionale" gewährt den anregenden Blick auf das Kunstschaffen der Region. Ein Blick ins Netz lohnt, vielleicht öffnet die Schau ja dann doch noch Anfang Juni.

Digitale Vermittlung: "Finale Regionale", die jährliche, jurierte Gruppenausstellung mit Arbeiten von Mitgliedern des Kunstvereins Heilbronn und des Künstlerbunds, kann auf dem Youtube-Kanal des Kunstvereins besucht werden. Bis 6. Juni gewährt der Blick durch die Schaufensterseite im Kunstverein zudem zwei Mal wöchentlich wechselnde Teilansichten.


Claudia Ihlefeld

Claudia Ihlefeld

Autorin

Seit ihrem Volontariat bei der Heilbronner Stimme 1991 schreibt Claudia Ihlefeld überwiegend über regionale Kultur und Kulturpolitik, aber auch über nationale und internationale Kulturereignisse.

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