Nicht abgeholte Besucherkarten sorgen für Ärger in der Kultur-Branche

Region  Mehr Abstand, weniger Sitzplätze: Wenn in Zeiten von Corona dann auch noch angemeldete Besucher einfach nicht kommen, ist das für Veranstalter umso bitterer. Auch bei einigen Events in der Region sind sogenannte No-Shows ein Problem.

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Mehr Abstand, weniger Sitzplätze: Wenn in Zeiten von Corona dann auch noch angemeldete Besucher nicht kommen, ist das für Veranstalter umso bitterer.

Foto: dpa

"Wenn einer oder zwei nicht kommen, ist das keine Tragödie. Aber so ist das schon krass", sagt Birgit Böhm, Leiterin des Bad Rappenauer Kulturamts. Denn beim jüngsten Konzert der Reihe "Weltklassik am Klavier" seien zehn der angemeldeten Gäste einfach nicht aufgetaucht, coronabedingt standen insgesamt nur rund 35 Plätze zur Verfügung.

Weil die reservierten Tickets erst an der Abendkasse gezahlt werden mussten, fehlten damit die Einnahmen für die Veranstalter und die Künstler. Der Abend galt als ausverkauft, ärgerlich darum: "Wir hatten Anfragen von Leuten, die gerne gekommen wären", sagt Böhm. Sie hat festgestellt, dass sich solch ein Verhalten bei der Konzert-Reihe mittlerweile "eingeschlichen" habe. Die Konsequenz, die die Veranstalter nun gezogen haben: Eintrittskarten gibt es in Zukunft nur noch gegen Vorauskasse.

Auch beim "Sommerabend der Kulturen" sind Nicht-Auftaucher ein Thema

In Zeiten der Pandemie, in denen Konzerte und Co. mitunter erst nach vorheriger Anmeldung besucht werden können und Veranstalter zudem mit weniger Sitzplätzen auskommen müssen: Wie sieht es da in der Region mit sogenannten No-Shows, auf Deutsch: Nicht-Auftauchern, aus?

"Das ist ein Thema", sagt Andrea Jenner von Heilbronn Marketing. Zusammen mit Ruth Kafitz vom Netzwerk der Kulturen organisiert sie die Reihe "Sommerabend der Kulturen" auf dem ehemaligen Buga-Gelände. Maximal 120 Personen dürfen jeweils teilnehmen. Gut ein Drittel der angemeldeten Besucher würden zu den kostenlosen Veranstaltungen erfahrungsgemäß nicht kommen - ohne Bescheid zu geben. Nur zwei Personen hätten zuvor angerufen.

Erfreulich immerhin: Freigebliebene Plätze konnten immer wieder an spontane Besucher vergeben werden, nachdem deren Daten aufgenommen worden waren. Am 10. September findet der Abschlussabend statt. Wie man künftig verfahren wolle, werde man noch besprechen, so Jenner. Kafitz denkt über einen "kleinen Obolus" von drei bis fünf Euro nach.

Die Organisatoren von "Heilbronn ist Kult" ziehen ein positives Fazit

Ebenfalls in Heilbronn findet seit Juni die Reihe "Heilbronn ist Kult" statt. Die Veranstaltungen sind kostenlos. Projektleiterin Michaela Ruof zieht eine positive Bilanz. Die Anzahl der kommentarlosen Nicht-Auftaucher ist ihr zufolge gering. Lediglich bei den Führungen durchs Trappenseeschlösschen am Eröffnungswochenende des Literaturhauses sei es "ein bisschen extrem" gewesen.

Eine "hohe Besuchsmoral" bescheinigt Michael Walter von der Stadt Öhringen den Besuchern der teils kostenpflichtigen, teils kostenlosen Linden-Abende, die von Juli bis August unter freiem Himmel auf der Allmand stattgefunden haben.

Auch in Öhringen und Künzelsau ist die "Besuchmoral" hoch

Und gute Erfahrungen haben auch die Organisatoren der Reihe "KünNightLive" gemacht, die am Mittwochabend wieder gestartet ist. "Es waren alle da, die reserviert hatten", sagt Renate Kilb, die bei der Stadt Künzelsau für die Kulturarbeit zuständig ist. Erst an der Abendkasse mussten die Tickets bezahlt werden. Eine Person habe krankheitsbedingt nicht kommen können, dafür sei jemand eingesprungen. 50 Personen durften am Live-Konzert teilnehmen, normalerweise sind es 200. Coronabedingt konnten Interessierte nur grüppchenweise Kontingente mit jeweils zehn Tickets für das Live-Konzert reservieren. Vielleicht kämen daher die Leute auch tatsächlich, überlegt Kilb.


Christoph Feil

Christoph Feil

Autor

Seit 2015 ist Christoph Feil bei der Heilbronner Stimme. Er arbeitet im Ressort Leben und Freizeit. Darüber hinaus schreibt er für das Thementeam Wissen, hat den aktuellen Buchmarkt im Blick und stellt für das "Interview der Woche" Menschen gerne Fragen.

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