Neckarsulmer Rapper veröffentlicht Song "Black lives matter"

Neckarsulm  Der 28-Jährige, der sich als Rapper Mike Cleff nennt, möchte mit seinem neuen Lied ein klares Statement abgeben. Wie er auf rassistische Kommentare im Alltag reagiert, erzählt der Neckarsulmer im Gespräch.

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Darius Grüninger tritt unter dem Pseudonym Mike Cleff auf. Der 28-Jährige verarbeitet in seinen Songs Dinge, die ihn beschäftigen.

Foto: Andreas Veigel

An den Moment, als er das Handy-Video der letzten Minuten im Leben von George Floyd zum ersten Mal gesehen hat, kann sich Darius Grüninger noch genau erinnern. "Ich war schockiert und habe mir sofort gedacht: Das wird weitreichende Konsequenzen haben", sagt der 28-Jährige aus Neckarsulm.

Der Tod des Afroamerikaners am 25. Mai diesen Jahres ist durch Aufnahmen von Passanten und Überwachungskameras gut dokumentiert. Rasend schnell verbreiteten sich die Videos auf den gängigen Social-Media-Plattformen. Mehr als acht Minuten hatte ein Polizist sein Knie in den Nacken von George Floyd gepresst.

Darius Grüninger haben die Videos und die nachfolgenden Protestbewegungen in den USA sowie weltweit nicht mehr losgelassen. "Das Thema betrifft mich ja in gewisser Weise auch. Mein Kanal, so etwas zu verarbeiten, ist die Rap-Musik", sagt Grüninger, der seine Gedanken und auch ein wenig Wut in seinen neuen Song "Black lives matter" gepackt hat.

Grüningers Vater ist Amerikaner, seine Mutter Deutsche

Mit Zeilen wie "Auch wenn uns Farbe unterscheidet, ist das Blut das gleiche" arbeitet sich der Rapper in zweieinhalb Minuten an den Vorfällen in den USA und den einschneidenen Folgen ab. "Ich möchte mit dem Lied ein klares Statement abgeben."

Mit der Song-Zeile "Ein schwarzes Bild auf Facebook macht uns nicht zu Weißen" spielt Grüninger auf die symbolischen Solidaritätsbekundungen in den sozialen Netzwerken in Form von schwarzen Flächen als Profil-Bild an. "Es ist gut, wenn sich die Menschen mit Rassismus auseinandersetzen. Aber ich habe die Befürchtung, dass das Thema in zwei Wochen schon nicht mehr auf der Agenda steht und es nur eine Trendsolidarisierung war." Kritisch sieht Grüninger, der als Rapper das Pseudonym Mike Cleff verwendet, auch die teilweise aggressiven Proteste und Plünderungen in den USA. "Auf Gewalt mit Gewalt zu antworten ist keine Lösung."

 

 

Grüningers Vater ist Amerikaner, seine Mutter Deutsche. "Er war Soldat in Heilbronn, als er meine Mutter kennenlernte." Grüninger antwortet schnell mit Ja auf die Frage, ob er selbst schon einmal Alltagsrassismus erlebt hat. "Das berühmte N-Wort habe ich schon in der Schule gehört. Auch in Clubs treffe ich oft Leute, die mir ihre kruden Meinungen über Schwarze und Ausländer erzählen wollen."

Wie er damit umgeht? "Das hat sich im Laufe der Jahre geändert", sagt der gebürtige Heilbronner. "Früher habe ich auch mal die Konfrontation gesucht. Aber das bringt nichts. Viele kann man selbst mit Argumenten nicht überzeugen." Heute reagiert er mit Humor, "oder ich höre nicht hin".

Darius Grüninger feilt lange an seinen Liedern

Mit Musik beginnt Grüninger, der als Fachkraft für Lagerlogistik arbeitet, schon mit 16 Jahren. Erste Texte und Rap-Songs entstehen, geprägt von Deutsch-Rap und Künstlern wie dem Berliner Rapper Sido. Nach einer längeren Pause veröffentlicht Grüninger seit 2019 wieder eigene Songs. Einer Rap-Richtung möchte er sich nicht verschreiben: "Ich bin niemand, der in Schubladen denkt."

Mit so genanntem Gangsta-Rap, bei dem Texte meist gewaltorientiert sind, und sich thematisch oft an Frauen und Drogen abarbeiten, kann Grüninger nichts anfangen. "In meiner Musik verarbeite ich meine Gefühle und Dinge, die ich erlebt habe." Dafür feilt er lange an seinen Liedern. "In dem Punkt bin ich schon ein wenig perfektionistisch."

Seine Musik veröffentlicht Darius Grüninger auf Youtube und Spotify. Obwohl Musik für ihn derzeit noch ein Hobby ist, kann sich der 28-Jährige gut vorstellen mit seinen Songs in Zukunft Geld zu verdienen. Beim deutschlandweit ausgetragenen Wettbewerb "SwipeHype" steht Grüninger derzeit im Finale. Der Gewinner des Contests erhält Unterstützung bei Produktion, Aufnahme, Veröffentlichung, Vertrieb und Promotion seiner Musik. Eine Jury wählte aus den Einsendungen insgesamt 50 Videos aus, die in mehreren Runden gegeneinander antraten.

 


Ranjo Döring

Ranjo Doering

Autor

Ranjo Doering arbeitet seit 2015 bei der Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als Redakteur bei der Hohenloher Zeitung ist er seit 2018 im Kulturressort tätig. Seine Schwerpunkte sind Musik, Film, Theater und Kabarett.

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