Massacre Records: Dank Internet gut durchgekommen

Untergruppenbach  Das Heavy-Metal-Label Massacre Records trotzt der Pandemie - Vinyl ist sehr beliebt, aber auch ein knappes Gut.

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Thomas Hertler: "Künftig wird man wohl nur noch als Geimpfter an Rockkonzerten teilnehmen können. Anders ist das schwer vorstellbar."

Foto: Alexander Rülke

Seit drei Dekaden versorgt Massacre Records Heavy-Metal-Hörer mit neuer Musik. Dass man in all den Jahren nicht nur auf vermeintlich sichere Produktionen gesetzt hat, sondern auch das eine oder andere künstlerische Risiko eingegangen ist, ist für Labelmanager Thomas Hertler ein Markenzeichen der Firma mit Sitz in Untergruppenbach (früher Abstatt). "Als wir zum Beispiel die Elektronikband Das Ich unter Vertrag hatten, war das Geschrei in der Szene groß. Aber gut für uns: Je mehr Aufregung, desto besser waren die Verkäufe." Darüber hinaus fungiert Massacre Records auch als Heimat für lokal ansässige Gruppen wie zum Beispiel The Prophecy 23, Circle Of Silence, Bloodred oder Septagon. "Über all die Jahre haben wir den regionalen Charakter stetig ausgebaut", sagt Thomas Hertler. "Das war uns wichtig."

18 Prozent Zuwachs

Trotz Corona-Pandemie ist Massacre Records bisher gut durch die Krise gekommen, wie der 54-Jährige betont. "Während der physikalische Gesamtmarkt um rund 25 Prozent eingebrochen ist, haben wir um 18 Prozent zugelegt." Das liege zum einen an einer ganzen Reihe "bockstarker Veröffentlichungen", zum anderen aber auch daran, dass man nicht von der Laufkundschaft in großen Elektronikmärkten abhängig sei. "Unsere Produkte werden primär über den Versandhandel und nicht im stationären Handel gekauft."

Probleme bereitet Corona an gänzlich anderen Stellen: So musste die Veröffentlichung des neuen Albums der Schweizer Hardrocker Crystal Ball schon zweimal verschoben werden, da deren Sänger Steve Mageney schwer an Covid-19 erkrankte und noch immer mit den Folgen zu kämpfen hat. Die neue Platte ("Okkult III") der Ludwigsburger Metal-Urgesteine Atrocity wurde gar auf Februar 2022 verschoben. Grund: Weltweit sind Vinyl-Presswerke ausgelastet oder können aufgrund fehlenden Personals und nicht gelieferten Nachschubs nur in reduziertem Umfang produzieren. Doch Vinyl-Verkäufe spielen im Metal-Bereich eine immer größere Rolle - eine Album-Veröffentlichung ohne passende LP-Version im Angebot wäre somit sinnlos. "Aktuell liegt das Verhältnis CD zu LP bei 2:1, aber die Tendenz geht ganz klar in die andere Richtung."

Und woher kommt sie, die neu entflammte Liebe zum althergebrachten Vinyl? Thomas Hertler erklärt es sich so: "Eine Schallplatte muss man hegen und pflegen. Sie hat ein großes, attraktives Cover und muss ganz bewusst aufgelegt werden." Das sorge für Entschleunigung in schnelllebigen Zeiten.

Stillstand im April

Auch wenn es zu einigen wenigen Verschiebungen kam - grundsätzlich ist die Veröffentlichungsdichte bei Massacre Records ziemlich stabil geblieben. Nach einem ersten, kurzen Lockdown-Stillstand im April des vergangenen Jahres hatte die Label-Arbeit schnell wieder Fahrt aufgenommen. "Und unsere Bands haben verstanden, dass sie, obwohl sie nicht live auftreten können, trotzdem mit frischem Material bei den Fans präsent sein können." Natürlich sei es besser, ein Album mit Live-Shows und Merchandise-Verkauf vor Ort promoten zu können, so Hertler weiter. Aber letztlich hätten ja alle Musiker vor der gleichen Herausforderung gestanden - und dank digitaler Vertriebswege habe man das Ganze gut über die Bühne gebracht. "Man stelle sich mal vor, die Pandemie wäre uns 1995 passiert. Ohne Internet. Da wären wir in ein paar Monaten weg vom Fenster gewesen."

Tourpläne

Obwohl aktuell keine oder kaum Auftritte möglich sind, habe nahezu jede Band im Massacre-Stall bereits Tourpläne geschmiedet. Thomas Hertler sieht das Ganze realistisch und sagt: "Künftig wird man wohl nur noch als 100-prozentig Geimpfter an Rockkonzerten teilnehmen können. Anders ist das schwer vorstell- und umsetzbar." Bis es soweit ist, können sich die Fans ja mit neuen Veröffentlichungen aus dem Hause Massacre die Zeit vertreiben. Darunter sind ein paar Schmankerl - zum Beispiel das vierte Album der US-Thrasher Hatriot und die neue Platte der Progressive-Metaller Toxik, ihr erstes Studio-Album seit 1989.

Weitere Informationen auf www.massacre-records.com


Alexander Rülke

Alexander Rülke

Stv. Ressortleiter Leben und Freizeit

Alexander Rülke ist im Ressort Leben und Freizeit für die Sonderveröffentlichungen des Medienunternehmens zuständig. Dazu gehören unter anderem das Wochenendmagazin Freizeit sowie die Autostimme. Der gebürtige Heilbronner interessiert sich für alle Neuigkeiten auf vier Rädern und ist in der Redaktion zudem Ansprechpartner für Themen rund um Heavy Metal.

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