Maria Kehlenbeck aus Obersulm hat ihren dritten Roman veröffentlicht

Obersulm  Kleptomanie, Anorexie, Nymphomanie: "Suchtpotenzial" erzählt vom tiefen Fall einer hochnäsigen Heldin, die von einer Sucht in die nächste stolpert. Dennoch sei es kein düsteres Buch, sagt die 42 Jahre alte Schriftstellerin.

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Kleptomanie, Anorexie, Nymphomanie: Maria Kehlenbecks Hauptfigur Katja macht einiges mit. Dennoch ist "Suchtpotenzial" kein düsteres Buch, sagt die 42 Jahre alte Autorin aus Obersulm. Foto: Ralf Seidel

Eine Psychiaterin, die selbst auf einer Psychiatercouch landet: Das ist die Ausgangssituation von Maria Kehlenbecks neuem Roman. "Suchtpotenzial" lautet dessen Titel. Er ist der inzwischen dritte, den die Obersulmerin veröffentlicht hat. Und zugleich ist er anders als die zwei vorherigen Bücher, die beide von der lustig-sympathischen Suche von Hauptfigur Laura Bernfeld nach Mr. Right handelten, erklärt die 42 Jahre alte Autorin.

Denn in "Suchtpotenzial", das über den Buchvertrieb Nova MD erschienen ist, hat Protagonistin Katja Neumann ihren Mr. Right beispielsweise schon gefunden. Hendrik heißt er. Gemeinsam mit ihm hat die Mittvierzigerin drei Kinder. Bis vor Kurzem ist das familiäre Glück noch perfekt gewesen, wie die Ich-Erzählerin anfangs immer wieder betont.

Holterdipolter geht es von einer Sucht in die nächste

Doch nun verspürt die Kölner Psychiaterin den Drang, Dinge zu stehlen. Zwanghaft steckt sie mal hier, mal da die unterschiedlichsten Sachen ein. Ihr Mann schickt sie deswegen zur Psychiaterin. Doch holterdipolter stolpert Katja von einer Sucht in die nächste - auf Kleptomanie folgen Anorexie und später Nymphomanie. "Die Störungen steigern sich, gleichzeitig fällt Katja tief", kommentiert Maria Kehlenbeck den Leidensweg ihrer Romanheldin. Katjas Familie droht zu zerbrechen. Erst allmählich wird enthüllt, was Katjas Verhalten mit demjenigen ihres verführerisch-mysteriösen Patienten Haures Abbadon zu tun hat.

Ein düsteres Buch? "Nein, überhaupt nicht", findet die Schriftstellerin. Es gebe darin viele lustige Stellen, darunter auch schwarzer Humor. "Suchtpotenzial" einem einzigen Genre zuzuordnen fällt Maria Kehlenbeck allerdings schwer. "Hätte ich ein richtig gutes Selbstbewusstsein, würde ich sagen, es hat den lockeren Schreibstil von Kerstin Gier, den Humor von Tommy Jaud und die Gedanken von Max Frisch", beschreibt die Obersulmerin ihr jüngst erschienenes Werk.

Buchtipp

"Suchtpotenzial", Nova MD, 228 Seiten, 9,95 Euro

Wie das Buch bei Lesern ankommt

Erste Reaktionen von Lesern hätten gezeigt, dass deren Meinungen zu "Suchtpotenzial" auseinandergingen, erzählt die Autorin. Denn während die einen den Schreibstil lustig fänden und angäben, durch die Geschichte zum Nachdenken angeregt worden zu sein, störten sich die anderen an der Hauptfigur. Zu arrogant, so der Vorwurf. "Ihre Hybris ist groß, Katja Neumann ist unsympathisch", räumt Kehlenbeck ein und ergänzt mit Blick auf die dahinterstehende dramaturgische Notwendigkeit, "das muss Katja aber auch sein."

Wie sie auf diese Geschichte gestoßen ist, weiß Kehlenbeck nicht mehr. Als sie vor etwa drei Jahren aufgrund ihrer Erkrankung an Multipler Sklerose eine besonders schwere Zeit durchlebte, sich in einem Gedankenkarussell gefangen sah, ist es ihr Mann Andreas gewesen, der die Deutschlehrerin dazu ermutigt hat, mit dem Schreiben anzufangen. Innerhalb eines Jahres, so erinnert sich Kehlenbeck, sind daraufhin fünf Manuskripte entstanden. Zwei sind heute noch zu Hause in der Schublade, darunter der dritte Laura-Band. "Suchtpotenzial" hat die 42-Jährige zu Beginn der Corona-Pandemie aus besagter Schublade geholt und für die Veröffentlichung fertiggestellt.

Auch wenn sie seit rund drei Jahren keinen weiteren Roman mehr zu Papier gebracht hat, sagt Kehlenbeck: "In andere Welten einzutauchen hat mir großen Spaß gemacht. Das Schreiben war meine Rettung."

Zur Person

Maria Kehlenbeck, geboren 1978 bei Freiburg, veröffentlicht 2017 ihr Romandebüt "Beim Küssen sind mir Sterne schnuppe", 2018 folgt "Für Kusskuss brauch ich kein Rezept". An einer Gemeinschaftsschule unterrichtet sie Deutsch, Religion und Englisch. Mit ihrer Familie lebt Kehlenbeck in Obersulm.

 


Christoph Feil

Christoph Feil

Autor

Seit 2015 ist Christoph Feil bei der Heilbronner Stimme. Er arbeitet im Ressort Leben und Freizeit. Darüber hinaus schreibt er für das Thementeam Wissen, hat den aktuellen Buchmarkt im Blick und stellt für das "Interview der Woche" Menschen gerne Fragen.

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