Maler Alberto Zamora Ruiz stellt im Kunstverein aus

Heilbronn  "Away from Keyboard" heißt die Schau des in Mexiko geborenen Malers Alberto Zamora Ruiz. In der Ausstellung verwandelt der Künstler die Räume von Internet-Nutzern in wahre Wunderkammern der Malerei.

Von Martina Kitzing-Bretz
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Der gebürtige Mexikaner Alberto Zamora Ruiz kombiniert in seinen Werken immer wieder Wandmalerei mit Leinwandbildern.

Foto: Ralf Seidel

Mit Licht, Farbe und malerischer Unschärfe verwandelt Alberto Zamora Ruiz die Räume von Internet-Nutzern in wahre Wunderkammern der Malerei. Interieurs mit Desktop Computer Setups aus PC-Turm, Monitor, Maus, Tastatur, Mauspad und Kabeln muten in seinen Bildern wie altmeisterliche Motive einer virtuosen Stilllebenmalerei an.

Der für die Gaming Setups eingebürgerte Begriff Battlestation kehrt wieder als Bildtitel seiner Werke, die im Kunstverein Heilbronn ausgestellt sind. Im ersten Raum der Ausstellung reihen sich kleinformatige, jeweils 40 mal 50 Zentimeter große Leinwände in Augenhöhe aneinander. Immer an der Wand lang, noch dazu um's Eck, bewegt sich der Betrachter, um die Bilder anzuschauen. Wie in einem Computermonitor oder Fernsehbildschirm gleiten die Figuren, Szenen, Stillleben und Landschaften am Auge vorbei.

Ein Bildband erinnert an Film- oder Fotostreifen

Die Kompositionen fügen sich zu einem "Bildstreifen" zusammen, wie es Ausstellungsleiterin Matthia Löbke formuliert. Film- oder Fotostreifen lassen sich mit dem Bildband assoziieren, das Mediale äußert sich im Fließenden, das der Streifen als langes, schmales Band nicht gerahmter Leinwände mit sich bringt. Ruiz unterstreicht den Fluss der Bilder durch eine Wandmalerei mit Dispersionsfarbe, die das Gemäldeband begleitet.

Dass sich ein Künstler für den Kunstverein gewinnen ließ, der die "Versprechungen der Malerei" wie handwerkliche Virtuosität, leuchtende Farbigkeit und atmosphärische Dichte einlöst, freut die Leiterin. Über die Villa Merkel, Galerie der Stadt Esslingen, und eine von ihr ausgerichtete Ausstellung von Ruiz im Bahnwärterhäuschen 2017 kam der Kontakt zustande.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Ausschnitthaft setzt der Maler die Screenshots, die Fotografien von Beiträgen in Internetforen, die ihm als Vorbilder für seine Bilder dienen, um. Zufällig und privat wirkt die Situation eines Zoom-Meetings, von dem in "OP 17" von 2020 nur der Deckenventilator des Raums und der vom Bildrand angeschnittene Kopf eines Teilnehmers zu sehen sind. In einer "blumigen Umsetzung", wie er es nennt, gibt Ruiz in weich gespülten Formen das Innere von Internetcafés wieder.

Leergefegt sind coronabedingt die in Ausschnitten dargestellten Räume der Cafés, und nur die Trennwände zwischen den Computerplätzen lassen die Anwesenheit von Nutzern erahnen. Mit dem Ausdruck "AFK", also "Away from Keyboard", sind die Bilder dieser Werkreihe sowie die gesamte Ausstellung betitelt.

Ausstellungsdauer

Bis 4. Oktober 2020 ist die Ausstellung in der Kunsthalle Vogelmann zu sehen.

Imitation und Ironie: Wie Ruiz mit Vorbildern umgeht

Die leicht unscharfe Malerei, mit der Ruiz die Imitation des fotografischen Vorbilds unterwandert, ist genauso absichtsvoll wie die ironische Benennung von Darstellungen ausgestorbener Räumlichkeiten. Mit fließenden Übergängen der Farben führt der Maler dem Betrachter die handwerkliche Kunst der Gattung Malerei vor Augen.

In nichts, so lautet die Botschaft der Ölbilder, steht das Handwerk dem Medium der Fotografie und des Videobilds nach. In reich nuancierter, grau-brauner Grundfarbigkeit setzt der Künstler leuchtend farbige Akzente in Rot-, Blau- oder Gelbtönen. In der Serie von Papierarbeiten "Battlestation" von 2019 lässt er das Gelb "glimmern" in der Art eines Vermeer, dessen Kunst er bewundert.

In der großformatigen Wandarbeit "Bouncing Back Like Double Click Likes" springt das Auge zwischen einer fotorealistisch auf die Wand gemalten Stadtarchitektur und zwei verschwommen wiedergegebenen Bildern einer gespiegelten Katze hin und her. "Digitaler Schein" der virtuellen und Wirklichkeit der realen Welt gehen nahtlos ineinander über wie die Valeurs der Ölfarben in den meisterhaften Gemälden des Künstlers.

Zur Person

Alberto Zamora Ruiz wurde 1982 in Mexico City geboren. Er studierte an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart bei Professor Holger Bunk. Die Schau im Kunstverein ist seine erste große Einzelausstellung in einer Institution, nachdem er bei Good Space vergangenen Sommer in Esslingen präsent war. Ruiz lebt in Stuttgart.


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