Lindy Hop und Co.: Die Swingmonkeys tanzen wie in den 1920ern

Heilbronn  Julia Ankenbrand und Christian Sturm lieben den Swingtanz. Unter dem Namen Swingmonkeys unterrichten sie in Heilbronn Lindy Hop und Co. Selbst die Corona-Pandemie konnte sie dabei nicht wirklich ausbremsen.

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Wie Julia Ankenbrand und Christian Sturm zeigen, ist auch das Outfit beim Swingtanz wichtig. Mann trägt Fliege und Schiebermütze, Frau trägt Kleid.

Foto: Tina Schulze

Hin und wieder werden sie auf "Babylon Berlin" angesprochen. "Ist das nicht der Tanz aus der Serie?", fragen die Leute dann. Julia Ankenbrand und Christian Sturm haben den TV-Hit, der in den 20er und 30er Jahren spielt, aber bis heute noch nicht angeschaut. Die Musik und die Tänze dieser Zeit haben es den beiden aber angetan - so sehr, dass sie Lindy Hop und Co. mittlerweile selbst unterrichten. Unter dem Namen Swingmonkeys geben sie in Heilbronn seit 2018 Kurse.

"Ich liebe Tanzen und habe immer frei getanzt", sagt Ankenbrand. Der Lindy Hop ermögliche ihr genau diese Freiheit. "Es gibt dabei kein richtig oder falsch", sagt die 30-jährige Lauffenerin. Am Anfang lerne man zwar Grundschritte, die einem quasi ein Gerüst geben. "Je länger man tanzt, umso mehr befreit man sich aber davon", erklärt sie.

Partnerwechsel alle eineinhalb Minuten

Auch Christian Sturm schätzt die Improvisation - und, dass man beim Swingtanzen viele neue Leute kennenlernt. Denn etwa alle eineinhalb Minuten heißt es: "High five". Die Partner klatschen sich ab und wechseln durch. "Mit jedem Partner lernt man wieder etwas anderes", so der 37-Jährige.

Coronabedingt ist das Durchwechseln derzeit allerdings nicht möglich. Wer nicht alleine tanzen möchte, braucht nun einen festen Partner. Das Parkett ist zudem unterteilt in jeweils zehn Quadratmeter große Flächen. Erste Spezialkurse finden in der Tanzschule Brenner, wo sich die Swingmonkeys eingemietet haben, nämlich wieder statt.

Die zwei Coaches haben außerdem ihre Unterrichtsstunden ins Freie in den Wertwiesenpark verlagert - und ins Internet. "Wir haben nicht pausiert, wir haben durchgemacht", sagt die studierte Psychologin. In Videokonferenzen konnten sich die Tänzer live zu den Onlinekursen dazuschalten. "Am Anfang war es sehr einseitig, man war mehr der Unterhalter vor der Kamera, nach und nach haben wir uns reingegroovt", beschreibt Ankenbrand ihre Erfahrung. Zwar seien es insgesamt weniger als die sonst üblichen 160 Teilnehmer aus Heilbronn und der Umgebung gewesen. Aber: "Wir haben plötzlich deutschlandweit Leute erreicht - von München bis Hamburg", sagt Ankenbrand.

Onlinekurse weiterhin im Angebot

Darum wollen die Swingmonkeys ab September, wenn die regulären Kurse wieder starten, diese auch weiterhin im Internet übertragen. Ein Format, das ebenfalls online gut funktioniere, seien die sogenannten History Talks, eine Art interaktiver Geschichtsvorträge, erzählt Christian Sturm. "Uns ist es super wichtig, dass man nicht nur den Tanz kann, sondern auch versteht, woher er und die Musik kommen."

Schiebermütze und Fliege für den Herrn, Kleider oder High-Waist-Hosen mit hohem Bund für die Damen: Auch der Kleidungsstil ist in der Szene wichtig. Vintage-Look ist angesagt. "Wir putzen uns gerne mal raus", sagt Ankenbrand. "Alles, was inzwischen in meinem Kleiderschrank ist, ist auch tanztauglich." Das heißt, vor allem die Röcke müssen mit den Bewegungen mitschwingen. Kennengelernt hat sich das Paar, das inzwischen verlobt ist, übrigens auf dem Parkett in Heidelberg.

Sogar im Urlaub können die beiden nicht ohne Swingtanz auskommen. Wenn Ankenbrand und Sturm verreisen, prüfen sie vorher, ob sich am Zielort auch eine lokale Szene befindet. "Lindy Hop gibt es auch in Südkorea", nennt Sturm ein Beispiel. Und auch wenn man sich nicht in der Landessprache verständigen kann, auf der Tanzfläche spielt das keine Rolle. "Man hat gleich eine gemeinsame Sprache", sagt Sturm.

Ursprung des Swingtanzes

"Swing ist der Überbegriff", erklärt Christian Sturm. "Da gibt es verschiedene Tänze, einer davon ist der Lindy Hop", sagt der gebürtige Bonner. Seine Ursprünge hat der Lindy Hop in den New Yorker Ballsälen der 1920er bis 40er-Jahre. Getanzt wird er in der Regel im 4/4-Takt. Er gilt auch als Vorläufer der Tänze Jive, Boogie-Woogie und des Rock 'n' Roll. "Die Swingmusik hat eine große Bandbreite an Geschwindigkeiten", sagt Sturm. Diese umfasst langsame Songs, die in Richtung Blues gehen, genauso wie schnellere, zu denen Charleston getanzt wird.


Christoph Feil

Christoph Feil

Autor

Seit 2015 ist Christoph Feil bei der Heilbronner Stimme. Er arbeitet im Ressort Leben und Freizeit. Darüber hinaus schreibt er für das Thementeam Wissen, hat den aktuellen Buchmarkt im Blick und stellt für das "Interview der Woche" Menschen gerne Fragen.

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