Künstler Freeze 4U hat Beethovens 9. Sinfonie auf Schrott eingespielt

Obersulm/Düsseldorf  Musiker Björn Frahm wuchs in der Region auf und hat lange am Projekt "Scrap 4 Beethoven" gerbeitet. Wie der Künstler auf die Idee kam, die 9. Sinfonie des Komponisten mit Rohren, Metallstangen und Sägeblättern einzuspielen, erzählt er im Gespräch.

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"Ich war schon immer ein bunter Vogel", sagt Björn Frahm, der sich als Künstler Freeze 4U nennt und in Donnbronn und Sülzbach aufgewachsen ist.

Foto: privat

Ein fester Hammerschlag auf einen Amboss war 2015 der Anfang. "Ich habe damals an einem Song gearbeitet. Der durchdringende, klare Klang blieb mir in Erinnerung", beschreibt Björn Frahm den Moment, der ein großes Projekt ins Rollen brachte. Frahm, der sich als Künstler Freeze 4U nennt und in Donnbronn und Sülzbach aufgewachsen ist, hat sich dafür Beethovens 9. Sinfonie gewidmet - auf ungewöhnliche Art und Weise.

Über fünf Jahre am Großprojekt gefeilt 

Für "Scrap 4 Beethoven" wurde das bekannte Werk mit einer Schrott-Instrumentierung realisiert, verwirklicht auf einem der größten Schrottplätze Europas in Duisburg. "Schrott hat einen brachialen und doch ehrlichen Sound", sagt der Künstler, der inzwischen in Düsseldorf lebt.

Über fünf Jahre hat Frahm an dem Großprojekt gefeilt. "Es war wirklich eine Mammutaufgabe. Wir haben vieles ausprobiert und alles auf Video dokumentiert. Wir wollten herausfinden, wie man die Töne aus den Materialien herausholen kann. Langsam sammelt sich so ein Tonrepertoire an."

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Verrostete Metallstangen, Rohre und Sägeblätter kamen zum Einsatz. "Wir haben sogar mit einem Bagger Stahlträger auf Tonnen krachen lassen", erzählt Frahm lachend. Doch wie klingen Schrottteile denn nun genau? "Bei Autofelgen bekommt man beispielsweise einen sehr sauberen Ton. Für den Bass haben wir zehn Meter große Scheiben aus Stahl verwendet."

Organisatorisch einiges abverlangt 

Auch organisatorisch wurde dem vielköpfigen Team einiges abverlangt. "Man musste immer Schutzbrille, Helm, Warnweste und spezielle Schuhe tragen. Und wir konnten nur mit einem kleinen Team und zu bestimmten Zeiten arbeiten, um die Abläufe auf dem Schrottplatz nicht zu stören", sagt Frahm, der Sohn eines Theaterdirektors ist.

Gefördert wurde das Projekt, anlässlich des 250. Beethoven-Geburtstags, von der Beethoven Jubiläums GmbH und dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft Nordrhein-Westfalen. Ende Januar kam es zur ersten Aufführung - natürlich in einer ganz besonderen Umgebung: der Zeche Zollverein in Essen. "Das Projekt spricht zwei wichtige Themen an. Erstens die Nachhaltigkeit - alle unsere Instrumente sind recyclebar. Und zweitens das Thema Europa, das mir persönlich sehr am Herzen liegt", sagt der überzeugte Kosmopolit Björn Frahm.

Mehr zu Björn Frahm
Auf der Homepage www.freeze4u.com.

Seine musikalischen Anfänge hatte Frahm in der Region

"Die Region Heilbronn war für mich musikalisch sehr bewegend", erinnert sich der Musiker an seine Anfänge. "Mit 15 habe ich meine erste Rockband gegründet. Und wir haben eigene Songs geschrieben." Neben Gitarre lernte Frahm auch Trompete und Klavier, spielte in einer Big Band und sang im Jugendchor. Nach eigenen Angaben hat er bei über 100 Bands in Baden-Württemberg und Bayern "reingeschnuppert".

Zum Studium der Medienwissenschaften und Kunstgeschichte verschlug es ihn dann nach Düsseldorf. "Mich haben schon immer mehrere Sachen gleichzeitig interessiert. Film, Malerei, Musik - ich will mich nicht einschränken", sagt Frahm, der sich als Musiker, Produzent, Action- und Medienkünstler beschreibt. "Ich war schon immer ein bunter Vogel. Ich bin in meiner Kindheit und Jugend wahnsinnig frei aufgewachsen. Das überträgt sich auch auf meine Arbeit."

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So geht es weiter 

Vom Musikprojekt "Scrap 4 Beethoven" wurde auch eine elektronische Studio- und Radioversion produziert, die die Schrott-Instrumentierung mit modernen Techno- und Housesounds anreichert. "Es geht darum, jungen Leuten zu zeigen, dass man Beethoven auch anders spielen kann", sagt Frahm. Eine CD-Produktion ist nicht geplant, möglich sind aber weitere Auftritte. Und in der Region? "In Heilbronn plane ich ein weiteres Projekt", sagt der Künstler. "Was es ist, das kann ich aber noch nicht verraten."

 

 


Ranjo Döring

Ranjo Doering

Autor

Ranjo Doering arbeitet seit 2015 bei der Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als Redakteur bei der Hohenloher Zeitung ist er seit 2018 im Kulturressort tätig. Seine Schwerpunkte sind Musik, Film, Theater und Kabarett.

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