Konzert der Würth Philharmoniker mit Cellist Gautier Capuçon

Künzelsau  Am Donnerstagabend stehen die Würth Philharmoniker mit dem französischen Solisten auf der Bühne im Carmen-Würth-Forum. Im Mittelpunkt stehen Stücke des Komponisten Antonin Dvorák. Für das Konzert wurden zahlreiche Corona-Maßnahmen getroffen.

Von Ralf Snurawa
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Auftritt in Corona-Zeiten: Beim Konzert der Würth Philharmoniker im Carmen-Würth-Forum sitzen Publikum und Musiker auf Abstand.

Foto: Würth/Ufuk Arslan

Es sei sein erster Auftritt seit Corona bekannte der französische Cellist Gautier Capuçon am Donnerstag nach dem Spielen von Antonín Dvoraks Cellokonzert im großen Saal des Carmen-Würth-Forums. Er habe diesen für ihn und die Orchestermusiker sehr emotionalen Auftritt ungemein genossen, fügte er noch an und ließ Pablo Casals" Fassung des katalanischen Liedes "El cant dels ocells" (Der Gesang der Vögel) verträumt und zart als Zugabe folgen. Casals, hatte Capuçon noch vorweggeschickt, habe alle seine Exil-Konzerte nach 1939 mit diesem getragenen Lied beschlossen.

Der Zugabe vorausgegangen war eine eindrucksvolle, teilweise sehr feinfühlige Interpretation von eben Dvoráks Cellokonzert in h-Moll, die das Fehlen des ursprünglich für den Solopart vorgesehenen Truls Mørk fast vergessen ließ. Capuçon betonte - virtuoses Vorführen steht in diesem Konzert sowieso nicht sonderlich im Vordergrund - besonders den gesanglichen Anteil seiner Stimme mit starkem Vibratospiel. Dadurch verlieh er ihr sehr viel klangliche Wärme, erreichte aber - ausgenommen die dynamisch kräftigen Momente - auch ein klangliches Zittern und Vagieren als Ausdruck einer Erschütterung.

Chefdirgent Claudio Vandelli sorgt für Abstimmung zwischen Orchester und Solist

Die dürfte in der langen Krankheit von Dvoráks Schwägerin zu finden sein, die kurz nach Fertigstellung des Cellokonzerts starb. Der Komponist hat ihr Lieblingslied im langsamen Satz und am Ende des Konzerts noch einmal zitiert. Beide Momente wurden vom Solisten wie den Würth Philharmonikern mit innigster Empfindung wiedergegeben. Sie standen dabei im großen Kontrast zum entschiedenen Ton des Eingangs- und zum spannungsvollen Tänzeln des Schlusssatzes. Überhaupt zeigte sich Capuçon bisweilen fast als Kammermusiker, wenn es um das Zusammenspiel mit den Orchestermusikern ging. Claudio Vandelli sorgte als Chefdirigent der Philharmoniker ebenfalls für eine nuancierte Abstimmung zwischen Orchester und Solist.

Ausgesprochen gelungen war dies im langsamen Satz etwa bei jener Stelle, an der das Solocello mit den Flöten duettiert. Und natürlich betraf dies genauso den langen Abgesang am Ende dieses Konzerts, der zum ausdrucksstärksten Moment der Aufführung wurde. Dem Cellokonzert war beim reinen Dvorák-Konzertabend dessen Konzertouvertüre "Karneval" vorangegangen. Die Würth Philharmoniker musizierten sie zupackend wie schwungvoll, ohne jedoch klangliche Transparenz aus den Augen zu verlieren. Anleihen an Richard Wagners "Tannhäuser" ließen sich dabei ebenso genießen wie das zarte Intonieren von Englischhorn und Flöte im langsameren Mittelteil.

Nach dem Cellokonzert folgte Dvoráks achte Sinfonie, die man, um ehrlich zu sein, eigentlich wegen des mitreißenden Kehrauscharakters des Finalsatzes hören will, höchstens noch wegen des Melodienschwelgens im dritten Satz. Doch Vandelli schaffte es, dieses Werk zu einem von Anfang an spannenden und sehr nuanciert tönenden Klanggemälde werden zu lassen: choralartig tiefe Bläserklänge gegen flatternde Flötentöne im ersten Satz oder ein süßlich klingendes Violinsolo von Konzertmeister Catalin Desaga zu den scherzohaften Staccati der Holzbläser im langsamen, zweiten Satz.

Welche Corona-Maßnahmen für das Konzert getroffen wurden

Gerade bei diesem Satz brachte Vandelli mit seinem Dirigat auch alle Kanten und Brüche des Werkes zum Klingen, sodass die Eleganz des tänzerischen Dreiertaktes des dritten Satzes zauberhaft wirkte. Wunderbar beredt erschien danach das Finale bis hin zur tänzerischen Ausgelassenheit, der lang anhaltender Beifall der Zuhörer folgte.

Für das Konzert am Donnerstag waren die Musiker zweimal negativ auf das Coronavirus getestet worden. Die Musiker kamen mit Mund-Nasen-Schutz auf die Bühne, der erst am Platz abgelegt wurde. Die Stühle waren bei den Streichern - jeder mit eigenem Notenpult - eineinhalb Meter voneinander entfernt, bei den Bläsern zwei Meter. Das Kondenswasser der Bläser wurde in Schüsseln mit Tüchern aufgefangen. Die Bühnenbreite im Carmen-Würth-Forums betrug 24 Meter.


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