Fünftes Stimme-Online-Konzert mit WKO-Kontrabassisten

Heilbronn  Blake Thomson und Gayoung Lee vom Württembergischen Kammerorchester Heilbronn gründen die Formation die 2:Bäßte und spielen hier im Stimme-Online-Konzert erstmals für die Öffentlichkeit.

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Wenn eine Kunstform Distanzen überwinden kann, dann ist das die Musik. Sprachliche und kulturelle Distanzen, räumliche. Nichts indes kann das Erlebnis Live-Konzert ersetzen. Und doch ist es für die WKO-Musiker Gayoung Lee und Blake Thomson eine Premiere: In dieser auch für das Württembergische Kammerorchester Heilbronn zwangsverordnet spielfreien Zeit präsentieren sich die Kontrabassisten erstmals als neues Duo - in einem Online-Konzert.

Der allererste Auftritt für Lee und Thomson, die sich als Formation Die 2:Bäßte nennen, findet im kleinen Studio der Videoproduktion des Medienunternehmens Heilbronner Stimme statt. Der Amerikaner Blake Thomson und die Südkoreanerin Gayoung Lee sind Berufsmusiker, Profis, die gelassen mit der Situation umgehen, dabei hohe Ansprüche an sich stellen.

Ein komplizierter Tango

Der erste Take soll bitte wiederholt werden: Sie sind nicht wirklich zufrieden, wie sie das komplizierte Stück "La feria de San Telmo" von Andres Martin gespielt haben. Ein komplexer, komplizierter, spannungsgeladener Tango des jungen mexikanischen Komponisten Martin, der auch selbst Kontrabass spielt, dieses tiefste und größte Streichinstrument mit dem faszinierenden Tonumfang.

Das Programm, das Blake Thomson ausgewählt hat, verdichtet musikalisch, was wir derzeit vermissen: Menschenansammlungen wie auf dem Sonntagsmarkt - La feria de San Telmo - in Buenos Aires. Und auch das zweite Stück, das sie spielen, ist mit Hintersinn gewählt: der erste Satz aus einem Allegro von Gioachino Rossini, den Gayoung Lee für zwei Kontrabässe bearbeitet hat.

Leidenschaftlicher Koch Rossini

Rossini, der italienische Komponist des Belcanto, war leidenschaftlicher Koch, ein Vergnügen, dem jetzt während der Corona-Pandemie viele wieder mehr Zeit widmen. Geschrieben hatte Rossini das Duetto seinerzeit für Domenico Dragonetti, den ersten Kontrabass-Virtuosen von internationalem Rang, genannt il Drago, der Drache.

Tatsächlich hat sich Thomson beim Verfeinern seiner Kochkünste mit dem Kartoffelschäler drastisch in den linken Daumen geschnitten, schlecht für einen Musiker. Und so musste das exklusive online-Konzert verschoben werden. Geboren in Albuquerque in New Mexico, hat er früh begonnen, Musik zu machen. Nach ein paar Jahren Geigenunterricht führte ihn die Liebe zum Jazz zum Kontrabass. Verhältnismäßig spät - mit 17 Jahren - begann er, das Instrument zu studieren. Zuerst in Arizona, dann in Mannheim. Seit 2013 ist er Mitglied des Württembergischen Kammerorchesters Heilbronn. Was Thomson nicht davon abhält, immer wieder mit verschiedenen Jazz Ensembles in Europa und den USA aufzutreten.

"Wow, was für ein cooles Instrument"

Gayoung Lee ist in Seoul geboren, auch sie kam spät zum Kontrabass. Ursprünglich wollte sie gar keine Musik studieren, bis sie im Musiksaal ihres College einen Kontrabass sah und sich für seinen Klang begeisterte. "Wow, was für ein cooles Instrument", schoss es der damals 17-Jährigen durch den Kopf, die zuerst in Südkorea studierte und dann in München: wo sie mit Bestnote abschloss. Seit 2018 spielt sie beim Württembergischen Kammerorchester. Und auch Lee hat jetzt - neben dem täglichen, individuellen Üben - "mehr Spirit, aufwendig zu kochen". Ihr Ehrgeiz? Sich der europäischen Küche anzunähern. Was ihr jüngst gelungen ist? B?uf bourguignon, mit Duopartner Blake tauschen sie die fertigen Gerichte. "Wie Liferando, wir können ja nicht gemeinsam essen", kommentiert die 29-Jährige die Situation.

Für Blake Thomson ist die ungewollte Freistellung "Glück im Unglück". Im Januar ist er erstmals Vater geworden, jetzt hat der 37-Jährige viel Zeit für seinen Sohn und seine Frau. Nichtsdestotrotz hoffen die Musiker, so bald wie möglich mit dem Orchester in den Probenraum und auf die Bühne zurückzukehren. Und auf einen ersten Live-Auftritt als neue Formation Die 2:Bäßte.


Die 2:Bäßte: Offiziell gibt es Die 2:Bäßte noch gar nicht. Als neue Formation wollen die WKO-Kontrabassisten Gayoung Lee und Blake Thomson spätestens im Frühjahr 2021 vor Publikum auftreten.Derzeit erarbeiten die Südkoreanerin und der Amerikaner Stücke für ihr mächtiges Lieblingsinstrument, so weit es die Pandemie zulässt.


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Claudia Ihlefeld

Claudia Ihlefeld

Autorin

Seit ihrem Volontariat bei der Heilbronner Stimme 1991 schreibt Claudia Ihlefeld überwiegend über regionale Kultur und Kulturpolitik, aber auch über nationale und internationale Kulturereignisse.

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