Freilichtspiele Schwäbisch Hall stellen Spielplan 2022 vor

Schwäbisch Hall  Schon jetzt die nächste Spielzeit planen: Die Freilichtspiele stellen in einer munter-musikalischen Matinee die Saison Sommer 2022 vor - neun Produktionen auf der Großen Treppe und im Globe, davon sind vier Neuproduktionen.

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Die etwas andere Spielplan-Vorstellung: mit dem Ensemble "Für immer Azzurro!". Die musikalische Hommage wird 2022 übernommen.

Foto: Ufuk Arslan

Nach den Spielen ist vor den Spielen, heißt es. Doch die Freilichtspiele Schwäbisch Hall haben bereits mitten in der laufenden Saison am Sonntag ihr Programm für 2022 vorgestellt. Während einer Matinee mit Intendant Christian Doll, dem musikalischen Leiter Heiko Lippmann und Ensemblemitgliedern, die das Publikum miteinbeziehen.

"Ein Novum", sagt Intendant Christian Doll, "das wir uns schon länger vorgenommen haben." Weil "das lebendige Miteinander Spaß macht und einige Schauspieler so persönlich ihre Rolle für den nächsten Sommer präsentieren konnten."

"Es hat sich gelohnt. Das Publikum macht mit."

Hat sich der Mut gelohnt, den pandemiebedingten Auflagen und Einschränkungen zum Trotz zu spielen? "Es hat sich gelohnt. Für das Publikum wie für die Schauspieler und uns alle. Wir haben fast immer ausverkauftes Haus." Ausverkauftes Haus, das heißt bis zu 850 Besucher vor der Großen Treppe und 185 im Globe Theater. Im Moment. Doll hofft, bis Ende der Spielzeit am 11. September so weiter spielen zu können. Vor St. Michael muss jede zweite Reihe frei bleiben, zwischen den einzelnen Stühlen ist immer einer unbesetzt, im Globe sind es sogar zwei. Es herrschen die üblichen drei Gs - genesen, geimpft, getestet - und Maskenplicht. "Zu Recht, wir müssen mit der Situation weiter vorsichtig umgehen." Und: "Das Publikum macht gut mit."

40 000 Karten haben die Freilichtspiele bisher verkauft. Angesichts der außergewöhnlichen Bedingungen keine Selbstverständlichkeit, auch wenn die Zahl von 69 000 Besuchern in der Saison 2019 im zweiten Pandemiesommer utopisch klingt. "Das, was wir anbieten, wird angenommen." Für Intendant Christian Doll "ist das ein gutes Gefühl." Eine Vorstellung ist ins Wasser gefallen, zwei mussten abgebrochen werden. "Insgesamt sind wir gut durchgesegelt durch diese Regenzeit."

Neun Produktionen stehen auf dem Spielplan 2022, vier davon sind Neuinszenierungen, die Besetzungslisten sind fast komplett.

"Cyrano de Bergerac" und "Der kleine Horrorladen"

Für die Treppe inszeniert Max Merker das Versdrama "Cyrano de Bergerac" von Edmond Rostand mit Gunter Heun in der Titelrolle des Cyrano. Der verwegene Degenfechter, ein Liebhaber des guten Theaters, der all jene verachtet, die mit schlechter Schauspielerei die Kunst verraten, ist ein Worterfinder und Blitzdichter. "Die Sprache", so Doll, "spielt hier eine ganz große Rolle, sie wird zum Flirt-Instrument."

Das Musical "Der kleine Horrorladen" (Text: Howard Ashman, Musik: Alan Menken) in der Regie von Thomas Goritzki dürfte eine sichere Bank sein? "Wir werden sehen. Bei uns ist das Musical nach dem Film von Roger Corman mit großem Orchester und mit Latin-Elementen zu erleben in seiner jüngsten Hollywood-Fassung."

Lessings Aufklärungsklassiker "Nathan der Weise" in der Regie von Christian Doll und mit Walter Sittler in der Titelrolle wird nächsten Sommer vor der Großen Treppe wiederaufgenommen.

Ebenso eine Wiederaufnahme ist das Musical "Sister Act" unter der musikalischen Leitung von Heiko Lippmann, Regie: Philipp Moschitz.

"Die Schöne und das Biest" und "Geschichten aus dem Wienerwald"

"Die Schöne und das Biest" ist die erste der zwei Neuproduktionen im Globe Theater. In der Fassung von Lucy Kirkwood und Katie Mitchell inszeniert Jens Kerbel die Geschichte von "La belle et la bête" als Kinder- und Familienstück.

Schon länger "kreist" Intendant Doll um Ödön von Horváth, den Erneuerer des Volksstücks, der sozialpolitische Stoffe verdichtet hat. Nun wird Doll Horváths "Geschichten aus dem Wienerwald" inszenieren, die von Marianne erzählen, die von ihrem Vater in die Ehe mit dem Fleischer Oskar gedrängt wird, einem so brutalen wie bigotten Menschen. Auch wenn das Drama in den 1930er Jahren spielt, gibt es Parallelen zu heute. "Horváths Figuren stecken in ihren Perspektiven fest, dabei legt er den Figuren eine Sprache in den Mund, die mehr von ihnen erzählt, als sie selbst zu wissen meinen."

Weitere Wiederaufnahmen

Shakespeares "Was ihr wollt", die vermutlich erste Komödie, die 1601 im Londoner Globe gespielt wurde, eröffnete 2019 das Neue Haller Globe. Christian Dolls Inszenierung wird 2022 wiederaufgenommen.

Weitere Wiederaufnahmen sind "Für immer Azzurro!", eine musikalische Hommage an Adriano Celentano (Regie: Max Merker), und ...

... die musikalische Komödie "Ewig Jung" von Erik Gedeon in der Regie von Thomas Goritzki.

Zur Person

1971 in Düsseldorf geboren, studiert Christian Doll zuerst Physik, dann Schauspiel an der Otto-Falckenberg-Schule München. Nach einem Engagement in Wuppertal ist Doll Regieassistent bei Amélie Niermeyer in Freiburg. 2012 Intendant in Gandersheim, seit 2017 in Schwäbisch Hall. Er lebt mit seiner Familien in Hall.


Claudia Ihlefeld

Claudia Ihlefeld

Autorin

Seit ihrem Volontariat bei der Heilbronner Stimme 1991 schreibt Claudia Ihlefeld überwiegend über regionale Kultur und Kulturpolitik, aber auch über nationale und internationale Kulturereignisse.

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