Franziska Vivaldi ist Orchestermanagerin aus Passion

Heilbronn  Franziska Vivaldi liebt die Vielfalt ihrer Arbeit beim Württembergischen Kammerorchester Heilbronn. Die Corona-Krise bringt die Dispositionspläne des Klangkörpers durcheinander. Kommenden Montag wird die neue Spielzeit vorgestellt.

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"Im Moment ist alles anders": Franziska Vivaldi im Probensaal des WKO.

Foto: Andreas Veigel

Bei diesem Beruf drängt sich die Frage nach dem Namen auf: Franziska Vivaldi, Orchestermanagerin beim Württembergischen Kammerorchester Heilbronn. Nein, mit dem berühmten Komponisten, dem Venezianer Antonio Vivaldi, ist sie nicht verwandt. Die 33-Jährige ist in Mutlangen geboren. Vivaldi ist der Familienname ihres italienischen Mannes. "Ein schöner Zufall".

"Ich bin in erster Linie zuständig für Projektorganisation und Durchführung, lang-, mittel- und kurzfristig", sagt Franziska Vivaldi. "Ich mache eigentlich alles." Das ist es, was die Orchestermanagerin beim WKO so schätzt. Ihre Arbeit zuvor im Orchesterbüro des Radio-Sinfonieorchesters Stuttgart des SWR und anschließend im Künstlerischen Betriebsbüro der Oper Stuttgart war sehr viel spezialisierter. "Hier in Heilbronn sind wir nur fünf Kollegen im Büro. Wir sind involviert, ich darf Vorschläge machen und Ideen äußern. Das ist das Schöne an einem kleinen Betrieb."

Die Logistik von 85 Konzerten pro Saison

Die zweifache Mutter, die mit ihrer Familie in Neckarsulm lebt, hat gut zu tun. Was zu Vivaldis Aufgabenfeld gehört? Disposition, Projektmanagement und Logistik von rund 85 Konzerten pro Saison. Das sind neben den zehn Heilbronner Konzerten und dem Neujahrskonzert auch Baby- und Schülerkonzerte, Gastspiele und Touring-Projekte sowie CD-Produktionen. Franziska Vivaldi verhandelt mit Agenturen und Veranstaltern, kümmert sich um Verträge, betreut Künstler während der Proben und Konzerte, koordiniert Dienstpläne, bucht Flüge und Hotels, sorgt für reibungslose Visa- und Zollabwicklung. Sie begleitet das Orchester auf Gastkonzerten in Deutschland, Europa und zuletzt nach China und Hongkong.

Mit Konzerten und Gastspielen ist es vorerst vorbei

An Musik fasziniert Franziska Vivaldi, "dass sie verschiedene Emotionen ausdrückt und auslösen kann". Als Schülerin hat sie Oboe, Flöte und Klavier gelernt, wollte Orchestermusikerin werden. Nach dem Abitur hat sie sich anders entschieden und in Würzburg Musikwissenschaft, Musikpädagogik und Europäische Ethnologie studiert.

Berufserfahrung sammelte Franziska Vivaldi bei der Europäischen Akademie für Musik und Darstellende Kunst im italienischen Montepulciano, wo sie ihren Mann kennengelernt hat. Und in der Abteilung Orchestral Touring der Künstleragentur IMG Artists in London. "Ich bin bei der Musik geblieben, auf der Seite, auf der ich richtig aufgehoben bin." Auch wenn derzeit das Live-Erlebnis eines Konzertabends fehlt.

Seit dem Lockdown aufgrund der Corona-Pandemie hat sie gemeinsam mit WKO-Intendant Rainer Neumann überlegt: welche Konzerte verschieben, vielleicht in die nächste Saison übernehmen, welche nicht. "Es ist zu viel ausgefallen, nicht alle Termine werden nachgeholt." Wenn kommenden Montag die neue WKO-Saison präsentiert wird, hat man sich auf verschiedene Szenarien vorbereitet. Das Programm steht, wie es im Einzelnen durchgeführt werden kann, hängt von der weiteren Entwicklung ab. Die Frage, "dürfen wir mit Bläsern spielen?", steht im Raum. Anders als Streicher können Bläser schließlich keinen Mundschutz tragen. Und wie das überwiegend ältere WKO-Publikum schützen? Indem man pro Konzert zwei Termine anbietet?

Digitale Proben gibt es keine

Für diesen Sommer auf jeden Fall abgesagt sind die Auftritte beim Rheingau-Musikfestival und bei den Brandenburgischen Sommerkonzerten. Schweren Herzens auch das Gastspiel in Kopenhagen. Ruhig und konzentriert erzählt die Orchestermanagerin von den Möglichkeiten, wie "wir nach den Absagen mit der Situation umgehen". Nichts ist wirklich spruchreif, digitale Proben gibt es keine. Immerhin dürfen sich jetzt wieder fünf Musiker im Probensaal der Harmonie treffen.

Franziska Vivaldi erstellt neue Dispositions- und Dienstpläne. "Es ist einfach alles anders." Dass Vivaldi wie so viele, die im Kulturbereich arbeiten, ihre ganze Leidenschaft in den Beruf investiert, steht außer Frage. Sonst hätte sie den langen Weg von Praktika über Assistenzen zur Orchestermanagerin nicht eingeschlagen.

 

Zur Person

1987 in Mutlangen geboren, Abitur in Welzheim, hat Franziska Vivaldi in Würzburg Musikwissenschaft, Musikpädagogik und Europäische Ethnologie studiert. Sie war Assistentin im Orchesterbüro des Radio-Sinfonieorchesters Stuttgart und Mitarbeiterin im Künstlerischen Betriebsbüro der Oper Stuttgart. Seit Oktober 2018 ist Vivaldi Orchestermanagerin des Württembergischen Kammerorchesters Heilbronn.


Claudia Ihlefeld

Claudia Ihlefeld

Autorin

Seit ihrem Volontariat bei der Heilbronner Stimme 1991 schreibt Claudia Ihlefeld überwiegend über regionale Kultur und Kulturpolitik, aber auch über nationale und internationale Kulturereignisse.

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