Heilbronner Trompeter Robert Giegling veröffentlicht drittes Album

Heilbronn  18 Songs zählt das neue Album von Robert Giegling. Mit "Everyone" folgt der Heilbronner Trompeter weiter dem Weg, den er zuvor bereits mit "Rough Songs" eingeschlagen hat: mehr in Richtung Hip Hop, weg vom klassischen Quintett-Sound.

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"Das ist einfach die Hip-Hop-Stadt", schwärmt Robert Giegling über New York. Die US-amerikanische Metropole hat den Heilbronner Trompeter auch bei seinem dritten Album "Everyone" inspiriert.

Foto: Mario Berger

Den Fünf-Jahres-Rhythmus hat ihm das Coronavirus nun verhagelt: 2010 hat der Heilbronner Trompeter Robert Giegling sein erstes Album herausgebracht, 2015 folgte das zweite, und eigentlich wäre noch im November dieses Jahr die Nummer drei dran gewesen. "Everyone", so der Titel des neuen Albums, erscheint jedoch erst am 19. Februar im nächsten Jahr.

So ungeplant wie dieser Fünfer-Rhythmus ist, so ungeplant war auch der Weg, den der 37-Jährige mit "Everyone" eingeschlagen hat. "Es ist in Richtung Hip-Hop gegangen, mehr zum Produzieren hin und weg vom Quintett-Sound", beschreibt Robert Giegling die musikalische Entwicklung. Bereits beim Vorläufer "Rough Songs" hatte der hauptberufliche Musiklehrer, der am Gymnasium in Bönnigheim unterrichtet, das klangliche Konzept des Quintetts erweitert, unter anderem Tuba, Sousaphon, Posaune und Rap hinzugenommen.

Ruhige, introverierte Nummern stehen neben tanzbaren Clubnummern

18 Songs zählt die Neuveröffentlichung, die ein Doppelalbum geworden ist. "Die Länge der Stücke ist ganz unterschiedlich", erklärt Giegling, "manchmal ist es nur eine Minute, in der eine zentrale Idee im Raum steht, die auch gar nicht weiter entwickelt wird." Diese Samples könnten andere Produzenten dann weiterverwenden. Andere Songs wiederum sind länger und entfalten sich.

Das Album, das in Eigenproduktion an unterschiedlichen Orten aufgenommen worden ist, vereint Stücke, für die Tonspuren üppig aufeinandergeschichtet wurden, mit solchen, die auf einige wenige Bläser reduziert sind. Eine grundsätzliche Lässigkeit ist allen Songs eigen. Ruhige, introvertierte Nummern stehen neben tanzbaren Clubnummern. "Niemand hat ja ein Gesetz erlassen, dass das nicht erlaubt ist", sagt Giegling.

New York ist und bleibt für Robert Giegling eine Inspirationsquelle

New York benennt er auch weiterhin als eine wichtige Inspirationsquelle, schon sein Erstlingswerk "Tafelrunde" war von einem Aufenthalt im Big Apple geprägt. "Das ist einfach die Hip-Hop-Stadt", schwärmt der Heilbronner über die US-amerikanische Metropole. Inzwischen hat Robert Giegling aber auch Havanna und New Orleans besucht, wo er bei einigen Gigs mitgespielt hat, auch spontan auf der Straße. "Die Musik dort hat mich überrascht, sie ist Funk- aber auch Hip-Hop-geprägt, und natürlich spielen in den Clubs weniger DJs, sondern Livebands", sagt er. Neben Soulmusik und elektronischer Musik haben ihn aber auch Ausstellungen und Literatur beeinflusst.

Entstanden sind die Stücke auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Mal ist ein produzierter Beat der Anfangspunkt gewesen, von dem aus Robert Giegling gestartet ist und über den er dann mehrere Trompeten-Spuren geschichtet hat. "Da denke ich dann gar nicht mal so sehr wie ein Jazz-Trompeter, sondern eher wie ein Rapper ohne Worte, ein DJ", erklärt er. Mal hat er mit einem Thema, das er auf der Trompete oder dem Klavier erarbeitet hat, begonnen.

Was der Titel "Everyone" bedeutet

"Everyone": Zum Titel möchte der 37-Jährige gar nicht so viel sagen - nur, dass ihm eben der Sound dieses Wortes gefällt. "Außerdem lässt es ganz viel offen. Jeder kann sich überlegen, was damit gemeint ist, was das für ihn bedeutet." Und dann arbeite er ja auch mit englischsprachigen Musikern zusammen, wohl darum wurde es dieses Mal wieder ein englischer Titel.

Anstatt mehrmals für einige Tage ins Studio zu gehen, haben Giegling und seine Mitmusiker - darunter die Rapper TwoPointOwe aus Stuttgart und Demolition Mann aus Florida sowie Sängerin Elif Taskin aus Heilbronn - sukzessive am Album gearbeitet. Wie lange das gedauert hat, kann der Trompeter nicht mehr genau sagen. Erste Ideen tauchten 2017 auf, im vergangenen Jahr dann wurde intensiver daran gearbeitet.

Und wann wird das nächste Album erscheinen? Wieder nach fünf Jahre? "Ich glaube nicht, dass ich so lange warten kann", sagt Robert Giegling und lacht. Auch wohin die musikalische Reise als nächstes gehen könnte, ist noch völlig offen. "Vielleicht wird es dann etwas Kammermusikalisches - aber natürlich mit Jazzeinflüssen."

Hintergrund: Release

Ein klassisches Releasekonzert ist, auch wenn dies nach dem zweiten Lockdown einmal wieder möglich sein sollte, nicht geplant. "Ich kann das nicht einfach mit einem Quintett nachspielen", erklärt Robert Giegling, "dazu sind die Songs zu sehr produziert." Bis zu acht verschiedene Trompetenspuren hat der Heilbronner Musiker teilweise für einen Song eingespielt. Dennoch denkt der 37-Jährige darüber nach, wie er "Everyone" der Öffentlichkeit präsentieren könnte. "Ich bin noch auf der Suche nach dem richtigen künstlerischen Ausdruck", sagt Giegling.

 


Christoph Feil

Christoph Feil

Autor

Seit 2015 ist Christoph Feil bei der Heilbronner Stimme. Er arbeitet im Ressort Leben und Freizeit. Darüber hinaus schreibt er für das Thementeam Wissen, hat den aktuellen Buchmarkt im Blick und stellt für das "Interview der Woche" Menschen gerne Fragen.

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