Energischer Auftakt des WKO Heilbronn in die neue Spielzeit

Heilbronn  Am Donnerstagabend stehen Werke von Igor Strawinksy, Sergej Prokofjew und Alfred Schnittke in der Harmonie auf dem Programm. Besonders überzeugend ist Solist und Violinist Noah Bendix-Balgley, der mit einer technisch anspruchsvollen Performance mitreißt.

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Energischer Start: Das Württembergische Kammerorchester Heilbronn mit Chefdirigent Case Scaglione und dem Violinisten Noah Bendix-Balgley.

Foto: Christiana Kunz

Ein wenig ungewohnt fühlt es sich dann doch an. Während im vergangenen Jahr coronabedingt noch große weiße, auf die Lehnen geklebte Kreuze als optische Abstandhalter dienten, sogar ganze Stuhlreihen frei blieben und auch die Publikumszahl bei den Konzerten regelmäßig limitiert war, herrscht am Donnerstagabend beim Saisonauftakt des Württembergischen Kammerorchesters Heilbronn fast so etwas wie Normalität.

Rund 750 Besucher sind zum ersten Mietekonzert gekommen, man sitzt wieder nebeneinander. Das alles funktioniert durch ein 3G-Hygienekonzept, das Maskenpflicht während des Konzerts beinhaltet, und vor Beginn auch für kleinere Schlangen vor den Eingängen sorgt.

Das Werk von Alfred Schnittke als Abenteuer

Mit "Neue Einfachheit" hat das WKO das erste Konzert der neuen Spielzeit überschrieben. " Der heutige Abend dreht sich um Komponisten, die den Blick zurückwerfen und daraus Dinge für die Zukunft entwickeln", sagt WKO-Intendant Rainer Neumann mit Blick auf das Programm, dessen Höhepunkte das Konzert für Violine und Orchester Nr. 2 g-Moll op.63 von Sergej Prokofjew und das Concerto grosso Nr. 3 für zwei Violinen und Kammerorchester des deutsch-russischen Komponisten Alfred Schnittke sind.

Dass der Start in die Spielzeit ein besonderer wird, liegt nicht nur an einem spielfreudigen WKO, sondern vor allem am Solisten Noah Bendix-Balgley - seit 2014 einer der drei 1. Konzertmeister der Berliner Philharmoniker -, der mit einer stylischen und technisch anspruchsvollen Performance begeistert. "Es wird ein Abenteuer, es ist eigentlich ein Stück des Neo-Barock. Und es ist ein wenig grausam, beschreibt die Zerstörung der Tonalität", skizziert WKO-Chefdirigent Case Scaglione das dritte Concerto grosso von Schnittke (1943-1998), das in der Tat ein schwerer Brocken ist.

Ein Werk, das mit sympathisch-nostalgischen Zügen zwischen alt und modern pendelt, und, wie für den Komponisten üblich, verschiedenste Stile zu einem eigenen neuen Guss kombiniert. Gemeinsam mit WKO-Konzertmeister Zohar Lerner arbeitet sich Bendix-Balgley durch fünf Sätze, die rau, temperamentvoll und oftmals auch ungestüm barocke und zeitgenössische Element miteinander verbinden und vor allem durch ihre rhythmische Kraft mitreißen. Ganz deutlich werden die Einflüsse von Johann Sebastian Bach - das Stück wurde 1985 und damit genau 300 Jahre nach der Geburt des Komponisten geschrieben. Es ist eine liebevolle Hommage und gleichzeitig eine behutsame Persiflage des Barockmeisters.

Vom Publikum gibt es minutenlangen Applaus

Begeistert hatte Bendix-Balgley schon zuvor bei Prokofjews Konzert für Violine und Orchester Nr. 2 g-Moll op. 63, das die bemerkenswerte Souveränität des US-Amerikaners offenbart. Mal wiegt er sich träumerisch geschmeidig mit geschlossenen Augen, scheint sich vollends in der Musik zu verlieren, um sich im nächsten Moment konzentriert-energisch auf die Zehenspitzen nach vorne zu lehnen.

Gekonnt umschifft der 37-Jährige jegliche technische Schwierigkeiten. Das Württembergische Kammerorchester lässt sich von seinem Esprit mitreißen, wie schon im Hauptthema des ersten Satzes (Allegro moderato), in dem die Violine alleine vorgestellt wird und anschließend in kontrapunktischer Verschränkung bald Gesellschaft von Streichern und Holzbläsern bekommt.

Eröffnet wurde der Abend mit Igor Strawinskys Konzert für Kammerorchester Es-Dur "Dumbarton Oaks", den Abschluss bildete wiederum Prokofjew mit der gut gelaunten "Symphonie Classique". Minutenlanger Applaus vom Publikum in der Harmonie.

Weiteres Konzert mit Noah Bendix-Balgley

Das Württembergische Kammerorchester Heilbronn spielt am Sonntag ein weiteres Konzert mit Noah Bendix-Balgley in der Katholischen Klosterkirche in Schöntal. Unter dem Titel "Originale Imitationen" und unter der Leitung von Dirigent Case Scaglione stehen ab 17 Uhr unter anderem Mozarts Violinkonzert Nr. 5 A-Dur KV 219 und wiederum Strawinskys Concerto Es-Dur auf dem Programm. Eintrittskarten ab 24 Euro gibt es unter Telefon 07940 18348 oder im Netz unter www.hohenloher-kultursommer.de


Ranjo Döring

Ranjo Doering

Autor

Ranjo Doering arbeitet seit 2015 bei der Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als Redakteur bei der Hohenloher Zeitung ist er seit 2018 im Kulturressort tätig. Seine Schwerpunkte sind Musik, Film, Theater und Kabarett.

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