Elektronische Musik - handgemacht in Heilbronn

Heilbronn  Was macht ein Musikproduzent und DJ aus Heilbronn in Corona-Zeiten? Der 29-jährige Luca Riemer träumt nach mehreren Projekten wieder von einer eigenen Band. Er findet, Heilbronn fehlt eine Plattform für kreative Menschen.

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Ein Lied entsteht. Luca Riemer spielt einzelne Instrumente nacheinander ein und verarbeitet sie danach am Computer.

Foto: Jürgen Kümmerle

Das Wohnzimmer von Luca Riemer steht voll mit Dingen, die dafür sorgen, dass er sich wohlfühlt. Doch es sind weniger Deko-Artikel, Bilder oder Kunstwerke. Nein. Im Wohnzimmer der Wohnung in einem Mehrfamilienhaus im Heilbronner Süden stehen Schlagzeug, Bass, Gitarre, Klavier, ein Synthesizer, Computer, Lautsprecherboxen und ein Mikrofon. Riemer ist Musiker, Soundkreator und DJ. Musik ist die Leidenschaft des 29-Jährigen. "Sie ist für mich wie ein Ventil. Ich werde nie aufhören, Musik zu machen."

Mit sieben Jahren nimmt er bei der Musikschule Neckarsulm Schlagzeugunterricht. Riemer lernt Bass und spielt in mehreren Bands, mit denen er in der Region und deutschlandweit unterwegs ist. Seine letzte Band Blue Venes löst sich nach zweieinhalb Jahren auf. Er sagt: "Die Arbeit im Musikstudio hat mich geflasht. Es sollte ein Teil meines Lebens bleiben." Er studiert Sound Engineering (Toningenieur) und macht seinen Bachelor. Die Liebe zur Musik bleibt.

2016 ist er Mitbegründer des Labels Weview, das sich auf elektronische Musik konzentriert. Er fängt an, aufzulegen und selbst elektronische Musik zu produzieren. Seine Songs klingen sphärisch. "Das Weltall fasziniert mich, weil wir nicht alles wissen. Das Weite, das Unendliche", sagt Riemer, der die Produktion eines Stückes nicht als kompliziert ansieht. "Ich mache das, was mir liegt." Er legt in Clubs in Stuttgart, Hamburg und beim Seenachtsfest in Konstanz auf. Wenngleich er dem Auflegen nicht zu allzu viel abgewinnt. "Jeder kann DJ werden. Man muss sich nur einarbeiten."

Seine Songs klingen sphärisch

Wie ein Song entsteht, zeigt der schwarzhaarige Lockenkopf in seinem Wohnzimmer. Er spielt nacheinander Sounds von Schlagzeug, E-Gitarre und E-Bass in ein Musikprogramm am Computer ein. Danach nimmt er seinen Gesang auf. Mit einer Software bearbeitet er die Sounds. Sein Stil: "Jazz, Soul, Funk, mit Indie-Rock angehaucht, dazu ein paar R'n'B-Features."

Zwischen einem Tag und einem Monat dauere es, bis ein Lied fertig ist. "Manchmal lass" ich einen Song auch längere Zeit liegen, damit ich ihn mit frischen Ohren hören kann", sagt Riemer. Und manchmal warte er auch auf die richtige Idee. "Slowdance in Space" ist im Juni erschienen. Das Musikvideo ist in Stuttgart gedreht worden und nimmt Bezug auf die aktuelle Corona-Zeit.

Riemer bemängelt fehlende Plattformen für kreative Menschen

Riemers Musikgeschmack ist breit gefächert. Er zolle Beiträgen aus jeder Musikrichtung Respekt. "Wenn sie gut gemacht sind. Musik ist nicht richtig oder falsch, es liegt im Ohr des Hörers", sagt der Sohn eines deutschen Vaters und einer italienischen Mutter. Das Publikum habe keine Möglichkeiten, neue alternative Musik zu entdecken. "In Heilbronn fehlt es an Plattformen für kreative Menschen." Eine Idee wäre es, entsprechende Studiengänge in Heilbronn zu installieren. Dadurch kämen mehr kreative Menschen nach Heilbronn."

Zum Reinhören

Die jüngste Produktion von Luca Riemer heißt "Mixed Signals EP" und ist bei Spotify, Beatport und Sound-Cloud abrufbar. Riemer ist dort unter seinem DJ-Namen Mindsogone zu finden.

Vor der Corona-Pandemie arbeitet Riemer als Veranstaltungstechniker bei Twin-Sisters in Heilbronn und begleitet die Tour von Andrea Berg. "Dann kam Corona und die Auftragslage war null." Am 15. Mai erhält er die Kündigung. Riemer ist ein Leidtragender der Corona-Pandemie und deren Auswirkung auf die Veranstaltungsbranche. Um Geld zu verdienen, arbeitet er seit August bei Edeka. Dazu steht der Heilbronner. "Wenn ich meine Routine nicht habe, funktioniere ich nicht mehr." Er würde gerne zurück in die Veranstaltungsbranche.

Bewerbung als Eventmanager

Eine Bewerbung bei der Stadt Heilbronn als Eventmanager habe er abgeschickt. Doch sein Herz schlägt für Bühne und Band. "Das größte Glück auf der Welt wäre es, Jungs zu finden und eine Band zu gründen. Bei dem Gedanken daran werde ich sentimental."


Jürgen Kümmerle

Jürgen Kümmerle

Reporter

Jürgen Kümmerle ist Redakteur im Reporterteam der Heilbronner Stimme. Diese Einheit berichtet über das tagesaktuelle Geschehen in der Region und kümmert sich um investigative Recherchen.

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