Dieser Künzelsauer Pianist will hoch hinaus

Künzelsau  Der 16 Jahre alte Pianist András Lakatos hat ein klares Ziel vor Augen: Er möchte Berufsmusiker werden. Wie viel er täglich üben muss und wie er mit Rückschlägen umgeht, erzählt der Schüler der Freien Schule Anne-Sophie in Künzelsau im Gespräch.

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"Das Klavier ist sehr komplex, es gibt immer wieder Neues zu entdecken", sagt András Lakatos. Der 16-Jährige ist Schüler an der Freien Schule Anne-Sophie in Künzelsau und möchte Berufsmusiker werden.

Foto: Ralf Seidel

Einen kurzen Moment hält András Lakatos inne. Er atmet tief ein, schließt die Augen, konzentriert sich einige Sekunden, dann fliegen seine Hände wie selbstverständlich über die schwarzen und weißen Tasten des Konzertflügels. Der Klang der klassischen Musik hallt durch die leere Aula der Freien Schule Anne- Sophie in Künzelsau. "Ich bin hier sehr oft", sagt der 16-Jährige und lächelt. "Ich kann hier jederzeit üben."

András Lakatos hat ein klares Ziel vor Augen. Der Schüler will später mit dem Klavierspielen sein Geld verdienen. "Ich möchte Berufsmusiker werden", sagt der Pianist selbstbewusst. "Es ist für mich schon lange kein Hobby mehr. Ich möchte mein Abitur machen und dann Klavier studieren", ergänzt er.

Lakatos' Eltern sind Berufsmusiker

Lakatos ist in Szombathely groß geworden, einer Stadt mit rund 78 000 Einwohnern in Westungarn, ganz in der Nähe der Grenze zu Österreich. Lakatos ist zweisprachig aufgewachsen, hat schon in Ungarn Deutsch in der Schule gelernt. Seit nun einem Jahr lebt er mit seinen Eltern und seiner Schwester in Künzelsau. "Wir sind eine Musikerfamilie", sagt der 16-Jährige. Beide Eltern sind Berufsmusiker, spielen bei den Würth Philharmonikern: Mikhaily Lakatos Oboe und Judit Szekely Geige. "Und meine Schwester spielt Cello", sagt der gebürtige Ungar.

"Ich übe an normalen Wochentagen vier Stunden", sagt der Schüler. "Man muss Ehrgeiz haben. Mit der Schule ist das dann sehr zeitintensiv." In Corona-Zeiten hatte der Nachwuchspianist mehr Zeit, auch für Freizeitaktivitäten. "Ich mache gerne Sport, spiele Fußball", sagt Lakatos. Trotzdem nimmt die Musik in seinem Leben einen zentralen Stellenwert ein. "Wenn man ein hohes Niveau halten möchte, darf man beim Üben eigentlich keinen Tag auslassen."

Mit Rückschlägen hat er gelernt umzugehen. "Manchmal fühlt man über Monate große Fortschritte, manchmal tut sich auch eine Weile nichts. Wenn man konsequent dranbleibt, dann bekommt man aber ein Ergebnis."

Der junge Pianist trat schon mehrfach im Ausland auf

Auch in seiner Freizeit ist der junge Pianist der klassischen Musik zugetan. "Chopin und Liszt sind meine Lieblingskomponisten", sagt András Lakatos. "Ich bin aber auch offen für Rock- und Popmusik." Was für ihn das Besondere an seinem Instrument ist? "Das Klavier ist sehr komplex, es gibt immer wieder Neues zu entdecken." Während für viele Jugendliche Schlagzeug und Gitarre "cool" sind, gilt das für Lakatos auch beim Piano. "Es ist ein Instrument, auf dem selbst Menschen, die eigentlich nichts mit Musik zu tun haben, schnell die ersten Grundschritte erlernen können."

Bereits in der sechsten Klasse war András Lakatos Jugendstudent in Graz, seit zwei Jahren ist er als Frühstudent an der Musikhochschule in Stuttgart. Er trat bereits mit den Würth Philharmonikern auf, bei der Förderung der Baden-Württemberg-Stiftung oder bei Veranstaltungen des Kulturministeriums. Konzertreisen führten den Schüler schon nach Prag und Paris. "Viele sind bei meinen Auftritten fasziniert, weil ich noch so jung bin", sagt Lakatos und schmunzelt.

Ein Ritual vor Konzerten hat er übrigens nicht: "Wenn ich auf der Bühne stehe, bin ich wie im Tunnel. Das Publikum blendet man dann meistens aus", sagt der Musiker, der für die Zukunft einen besonderen Wunsch hat: "Ich würde gerne irgendwann mal in der Carnegie Hall in New York auftreten."

Der Künzelsauer hat schon einige Preise gewonnen

"Mir sind Preise eigentlich nicht so wichtig", sagt András Lakatos. Trotzdem kann der junge Pianist schon auf einige Auszeichnungen zurückblicken. Beim Online Piano Competition for the Youth in Europe, der in Corona-Zeiten ausgetragen wurde, erreichte der 16-Jährige den zweiten Platz. Da ein Auftritt im Konzertsaal nicht möglich war, mussten drei verschiedene Videos eingereicht werden. "Das ist natürlich etwas völlig anderes als ein Live-Auftritt", sagt der Wahl-Künzelsauer.

Auch beim Regionalwettbewerb "Jugend musiziert" in Schwäbisch Hall war Lakatos erfolgreich. Mit 100 Punkten erreichte er die Höchstpunktzahl. Während Corona haben András Lakatos und seine Familie auch einige Musikvideos aufgenommen. Stücke von unter anderem Chopin, Mozart und Händel findet man auf dem Youtube-Kanal der Freien Schule Anne-Sophie.


Ranjo Döring

Ranjo Doering

Autor

Ranjo Doering arbeitet seit 2015 bei der Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als Redakteur bei der Hohenloher Zeitung ist er seit 2018 im Kulturressort tätig. Seine Schwerpunkte sind Musik, Film, Theater und Kabarett.

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