Die Marbacher veröffentlichen ein Doppel-Album mit Arbeiterliedern

Heilbronn  "Wir für mehr" heißt die neue CD der vierköpfigen Band. Wir haben die Musiker gefragt, was ein typisches Arbeiterlied ausmacht und was sie von der "Bella Ciao"-Version aus der bekannten Netflix-Serie "Haus des Geldes" halten.

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Bernhard Löffler und Silke Ortwein bilden Zweiviertel der Marbacher. Seit 46 Jahren macht die Band zusammen Musik. Jetzt hat sie das Doppelalbum "Wir für mehr" veröffentlicht, aufgenommen im Kulturkeller Heilbronn.

Foto: Mario Berger

"Wir sind so etwas wie Dinosaurier", sagt Silke Ortwein lachend und spielt damit auf das Musikgenre an, dem sich ihre Band seit mehreren Jahrzehnten verschrieben hat. Seit 46 Jahren widmen sich die Marbacher in wechselnder Besetzung der Gattung des Arbeiterlieds. "Natürlich ist das ein wenig verstaubt. Es kommen keine neuen Lieder mehr nach, wir wollen das Genre weiterentwickeln", sagt Bernhard Löffler aus Heilbronn, der mit Elisabeth Spohn und Rüdiger Ribitzki aus Winnenden das Quartett komplettiert.

Weiterentwickeln, das heißt neue Arbeiterlieder schreiben. 14 davon haben die Marbacher jetzt auf ihrer neuen CD "Wir für mehr" veröffentlicht. Dazu kommen zwölf Coversongs, unter anderem von den Levellers, Woody Guthrie und der Kölner Musikgruppe Höhner. "Unsere neue CD hat einen Touch ins anglo-amerikanische, die Stücke sind klassisch im Singer-Songwriter-Stil", sagt Löffler. Aufgenommen wurde mit vielen Gastmusikern im Kulturkeller Heilbronn.

Was ein typisches Arbeiterlied ausmacht

Doch was macht ein typisches Arbeiterlied aus? "Es braucht immer eine Botschaft, man bezieht Stellung. Es geht um die Rahmenbedingungen von Arbeit, um soziale Gerechtigkeit, um Faschismus, um grenzüberschreitende, internationale Solidarität und um Frieden", fasst es Ortwein zusammen. "Text und Melodie müssen eingängig und klar sein. Mit einem Refrain, den jeder schnell mitsingen kann. Das Arbeiterlied lebt von der Gemeinschaft", ergänzt Bernhard Löffler.

"Wir für mehr" - mit dem Titel ihrer neuen Platte verbinden die Musiker die Forderung nach mehr Demokratie, mehr Mitbestimmung, und mehr sozialer Gerechtigkeit. Themen, die die Marbacher schon über Jahrzehnte begleiten: "Manchmal muss man Texte an aktuelle gesellschaftliche Geschehnisse anpassen. Das Thema Faschismus hat uns durchgehend begleitet. Im Moment spielt Umweltschutz verstärkt eine Rolle. Auf der aktuellen CD haben wir auch einen Song über den Pflegenotstand", sagt Silke Ortwein, die gerne betont, dass sie und ihre Bandkollegen Hobby-Musiker sind. "Die Idee war eigentlich schon immer, dass es nicht perfekt sein muss", sagt die 57-Jährige.

Durch eine Netflix-Serie wurde ein Arbeiterlied bekannter

Die Anfänge der Gruppe liegen in den 1970ern, als das klassische Arbeiterlied vor allem in Deutschland eine Renaissance erlebte. Entwickelt hat sich die Band aus den Naturfreunden, einem Verein für Touristik und Kultur. Viel Erfahrung hat die Band bei zahlreichen Konzerten gesammelt. Auch in Kuba, Belgien, Polen, Italien, Island und Russland sind die Musiker schon aufgetreten.

Seit 2015 ist das Arbeiterlied Unesco-Weltkulturerbe. Einen kleinen Schub erhielt das Musikgenre auch durch die erfolgreiche spanische Netflix-Serie "Haus des Geldes", in der der Partisanen-Song "Bella Ciao" gleich mehrfach auftaucht. Die Melodie des Liedes wurde bereits Anfang des 20. Jahrhunderts von den Reispflückerinnen der ehemaligen italienischen Provinz Terre d"Acqua in der Nähe der Stadt Bologna gesungen.

Der Marseiller DJ und Produzent Florent Hugel bastelte daraus einen Hit, der unter anderem in Deutschland, Belgien und Frankreich erfolgreich war. "Ich denke, ein Arbeiterlied kann Mainstream-Potenzial haben. Aber oft ist es sehr reduziert und die eigentliche Botschaft geht teilweise verloren", sagt Löffler.

 

Doppel-Album "Wir für mehr"

Die CD kann über www.diemarbacher.de bestellt werden. Sie kostet 15 Euro und ist auch als Download erhältlich.


Ranjo Döring

Ranjo Doering

Autor

Ranjo Doering arbeitet seit 2015 bei der Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als Redakteur bei der Hohenloher Zeitung ist er seit 2018 im Kulturressort tätig. Seine Schwerpunkte sind Musik, Film, Theater und Kabarett.

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