Die Kunsthalle Vogelmann in Heilbronn wird zehn Jahre alt

Heilbronn  Am 1. Oktober vor zehn Jahren wurde die Kunsthalle Vogelmann an der Allee in Heilbronn eröffnet. Damit wurden zwei grundverschiedene Institutionen unter einem Dach vereint. Im nächsten Jahr soll das Jubiläum mit Ausstellungen gefeiert werden.

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Für die bildende Kunst in Heilbronn war es der Beginn einer neuen Ära: Am 1. Oktober 2010 wurde die Kunsthalle Vogelmann an der Allee eröffnet. Zwei grundverschiedene Institutionen - die kommunalen Städtischen Museen und der private Kunstverein - fanden damit unter einem Dach zusammen. Ermöglicht hatte den rund 5,6 Millionen Euro teuren Erweiterungsbau die Partnerschaft von Kommune, Land und namensgebender Ernst-Franz-Vogelmann-Stiftung.

"Für Heilbronn war das die richtige Entscheidung", sagt Marc Gundel, Direktor der Städtischen Museen, rückblickend. "Es ist sicherlich ein Plus, dass sich die beiden Ausstellungsinstitutionen zusammengefunden haben", ergänzt Maria Theresia Heitlinger, Vorsitzende des Kunstvereins.

Seit zehn Jahren bespielen beide Partner die Kunsthalle nach einem dialogischen Prinzip. Soll heißen: Im "Schaufenster im Erdgeschoss", so Heitlinger, präsentiert der Kunstverein zeitgenössische Kunst. Diese positioniert sich mal als Ergänzung, mal als Gegensatz zu den Ausstellungen der Städtischen Museen, die laut Gundel "mehr museal unterwegs sind".

Bis sich das Profil herausgebildet hat, hatte es gedauert

Fotografie mit Schwerpunkt auf der Nachkriegszeit, Klassiker der Moderne, die alle drei Jahre in monografischen Schauen gezeigt werden, sowie die zeitgenössische Skulptur, und hier vor allem die Ausstellungen der Trägerinnen und Träger des Ernst-Franz-Vogelmann-Preises: Das sind die drei Säulen, auf denen die Ausstellungspolitik der Städtischen Museen ihrem Chef zufolge ruhen.

Bis sich das dreiteilige Profil herauskristallisiert hat, hatte es allerdings etwas gedauert. "Es klingt programmatischer, als es zu Beginn war, das muss ich ganz offen sagen", erklärt Kunsthistoriker Marc Gundel. Insbesondere der Ernst-Franz-Vogelmann-Preis sei für die Profilbildung ein Meilenstein gewesen und beschere der Kunsthalle nationale Aufmerksamkeit.

Welche Ausstellungen die Macher zu ihren persönlichen Höhepunkten zählen

"Die schönste Ausstellung ist immer die aktuelle", sagt Maria Theresia Heitlinger, erinnert dann aber doch an ein paar persönliche Höhepunkte der vergangenen zehn Jahre - wie beispielsweise die Auftritte von Olaf Metzel (2013), John Preus (2014), Martin Creed (2015) sowie Andreas Greiner (2018). "Was natürlich auch immer ganz toll ist, ist, wenn wir die Abschlussklassen der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe zeigen", merkt die Kunstvereinsvorsitzende noch an.

Für Marc Gundel stellt die Schau "Bildhauerinnen. Von Kollwitz bis Genzken" (2018/19) ein persönliches Highlight dar. "Weil sie aus unserem Haus heraus entwickelt wurde, weil sie eine Kooperation mit einem anderen Bundesland, nämlich Bremen, war und weil sie ein Feld besetzt hat, das momentan en vogue ist und für Aufmerksamkeit gesorgt hat", erklärt der Heilbronner Museumschef. Mit fast 15.000 Besuchern die erfolgreichste Ausstellung ist hingegen „Emil Nolde. Farbenzauber“ (2018) gewesen.

Was es im nächsten Jahr zu sehen gibt

Während damals zur Eröffnung die Ausstellungen „Beuys für alle!“ und „anders denkende Einrichtung“ von Georg Herold gezeigt wurde, soll der zehnte Geburtstag des dreigeschossigen Kubus erst im nächsten Jahr mit einem Programm gefeiert werden. Die Städtischen Museen wollen eine Sammlung der Johannesburg Art Gallery aus Südafrika präsentieren und mit einer Beuys-Schau zudem an den 100. Geburtstag des Künstlers erinnern.

"Wir werden uns was Gemeinsames überlegen", erklärt überdies die Ausstellungsleiterin des Kunstvereins, Matthia Löbke, - ohne schon mehr verraten zu wollen. Maria Theresia Heitlinger kündigt immerhin eine Schau eines zeitgenössischen Fotografen aus Tel Aviv im Rahmen der bundesweiten Initiative "1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland" an.

Und wo sehen sich beide Partner in zehn Jahren? "Ich glaube, dass die inhaltlichen Säulen tragen, und denke, dass wir mit der Mischung an Projekten, die inhaltlich ehrgeizig aber nicht überzogen ist, auch die ein oder andere Krise meistern können", so Museumschef Marc Gundel, auch mit Blick auf die Corona-Pandemie. Und die Vorsitzende des 1879 gegründeten Heilbronner Kunstvereins, Maria Theresia Heitlinger, antwortet mit einem Lachen: "Wir sind ja die älteste Institution in der Stadt, die sich mit dem Präsentieren von Kunst auseinandersetzt, insofern denke ich, uns gibt es mindest noch einmal genauso lange."

Digitale Angebote

In Zeiten von Corona haben viele Museen und Galerien neue virtuelle Formate entwickelt. Auch der Kunstverein, der auf Instagram aktiv ist, ist mit einem regelmäßigen digitalen Newsletter und digitalen Führungen neue Wege gegangen. "Mit Sicherheit ist das ein Angebot, das wir weiter ausbauen werden müssen, sofern wir die Kapazitäten dazu haben", so die Vorsitzende Maria Theresia Heitlinger. Marc Gundel verweist auf kleine Spots zu verschiedenen Kunstwerken, die auf Facebook gespielt wurden. "Wir machen das weiter", so der Heilbronner Museumschef. Beide sind sich aber einig: Eine Kunsterfahrung am Original vor Ort kann eine digitale Vermittlung nicht ersetzen.

 

Christoph Feil

Christoph Feil

Autor

Seit 2015 ist Christoph Feil bei der Heilbronner Stimme. Er arbeitet im Ressort Leben und Freizeit. Darüber hinaus schreibt er für das Thementeam Wissen, hat den aktuellen Buchmarkt im Blick und stellt für das "Interview der Woche" Menschen gerne Fragen.

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