Die Heilbronner Künstlerin Lee Babel ist 80 Jahre alt

Heilbronn/Fara  In ihrer Keramikunst verbindet Lee Babel deutsche Strenge und italienische Lässigkeit. Die streitbare Grenzgängerin ist unermüdlich aktiv und pendelt zwischen Heilbronn und der italienischen Gemeinde Fara.

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Die Heilbronner Keramikerin Lee Babel wird heute 80 Jahre alt.

Foto: Archiv/Mugler

Auch wenn das Pendeln anstrengt, für Lee Babel ist es "sehr wichtig, an zwei Orten zu leben". Beide Welten, Italien und Deutschland, Fara im Veneto und Heilbronn, sind der Keramikkünstlerin "Heimat und Inspiration". Gerade nach dem Tod ihres Künstlerkollegen und Gefährten Alessio Tasca Anfang des Jahres hat Babel erfahren, "wie selbstverständlich es für mich ist, in Italien zu leben und zu arbeiten". Den Hunger nach Kunst, sagt sie, kann sie in Italien besser stillen. "Hier lebt man mit der Kunst, hier hat Kunst einen anderen Stellenwert im Alltag."

"Das gilt auch für die Keramik, die, anders als in Deutschland, hier als Skulptur verstanden wird. Das kommt von der Renaissance", sagt die Frau, für die Ton das Material ist, mit dem sie ihre Gedankenwelt sichtbar macht. Und so kombiniert Lee Babel deutsche Strenge und die klaren Linien aus der Tradition des Bauhaus mit italienischer Lässigkeit und dem flirrenden Licht des Südens. Ihre Keramikarbeiten begreifen Skulptur als Architektur und machen die Bewohnbarkeit der Welt zum Thema. Schnörkellos und in stimmigen Proportionen, ist ihr Werk konsequent rational - und doch sinnlich und poetisch.

Die zwei Seelen in einer Brust? Für Lee Babel, die sowohl in Fara wie auch in Heilbronn ein Atelier mit Brennofen unterhält, kein Widerspruch. Im Moment realisiert sie einen Privatauftrag für Deutschland und einen für Italien: eine Skulptur und einen Ofen, entsprechend ihrem Spektrum an keramischer Kreativität.

In Heilbronn stößt man auf viele Plastiken von Lee Babel

Die kleineren Objekte aus Treppen und Bögen, Türmen und Säulen, beweglichen Toren und Raumfluchten, aber auch ihre raumgreifenden Brunnen, Öfen, Kamine und Wandarbeiten sind tektonisch aufgebaut und auf ihre ästhetische Gesamtwirkung komponiert. Glasierte Mini-Architekturen in warmen Erdfarben und kräftigen Blau-, Rot-, Gelb- oder Grüntönen. Auch in Heilbronn stößt man auf Babel-Plastiken, in Privatbesitz, den Städtischen Museen, im öffentlichen Raum, etwa die dreieinhalb Meter hohe Skulptur in der Nordstadt: ein Turm, der aus Backstein emporwächst und in eben jene typischen, glasierten Keramikelemente übergeht an der Ecke Wartbergstraße/Sichererstraße.

 

 

Die Künstlerin Lee Babel

Am 14. September 1940 in Heilbronn geboren, hat Lee Babel in der Werkstatt von Walburga Külz im Rheingau studiert und an der Kunstakademie Berlin. Bevor sie 1962 ihre Werkstatt im Heilbronner Gartengässchen gründet, spielt Lee Babel kurz auf einer anderen Bühne: als Schauspielerin am Theater Cuxhaven. Mit ihrer Schwester Mechthild Bauer-Babel, der Initiatorin der Neuen Kunst im Hagenbucher, eröffnet sie 1964 die erste Privatgalerie Heilbronns. 1979 verlegt sie ihren Lebensmittelpunkt nach Fara. Am heutigen Montag feiert die unermüdlich kluge und streitbare Grenzgängerin ihren 80. Geburtstag in Heilbronn.


Claudia Ihlefeld

Claudia Ihlefeld

Autorin

Seit ihrem Volontariat bei der Heilbronner Stimme 1991 schreibt Claudia Ihlefeld überwiegend über regionale Kultur und Kulturpolitik, aber auch über nationale und internationale Kulturereignisse.

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