Aus dem Kraichgau stammender Autor schreibt vierten Bierkrimi

Kraichgau  In "Goldberg und der unsichtbare Feind" schickt Autor Thomas Lang seinen Stuttgarter Ermittler Minkin nach Belgien. Dort soll er einen alten Mönch vor üblen Zeitgenossen retten. Ein fünfter Band der Bierkrimi-Reihe ist schon in Vorbereitung.

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"In seinen Überlegungen und Monologen steckt schon einiges drin von mir", sagt der im Kraichgau aufgewachsene Regionalkrimi-Autor Thomas Lang über seine Hauptfigur, den schnoddrigen Minkin.

Foto: Andreas Veigel

Gnadenlos läuft die Zeit ab. Weil aufgrund der Corona-Pandemie seit Monaten Gaststätten geschlossen sind und Feste nicht stattfinden können, sitzen zahlreiche Brauer auf Biervorräten, deren Verfallsdatum immer näher rückt. Meldungen von literweise Gerstensaft, der zwangsläufig im Gully gelandet ist, haben schon die Runde gemacht.

"Dass Lebensmittel weggeschmissen werden, ist natürlich generell eine Sünde", sagt Thomas Lang. Ob Herausgabe als Freibier oder Abgabe zum Selbstkostenpreis in mitgebrachte Behälter: "Ich bin mit ein paar Brauern befreundet, die gehen da recht kreativ mit um", erzählt der Autor aus Stuttgart, der im Kraichgau aufgewachsen ist.

Davon handelt "Goldberg und der unsichtbare Feind"

Ungenießbares Bier: Darum geht es auch im neuen, inzwischen vierten Band von Thomas Langs Reihe um den Stuttgarter Ex-Staatsanwalt Minkin. In "Goldberg und der unsichtbare Feind" (Oertel und Spörer Verlag, 214 Seiten, 11,95 Euro) ist es indes kein anhaltender Lockdown, der den Gerstensaft kippen lässt, sondern ein französischer Mönch, der am Vorabend des sogenannten D-Days, also der Landung der alliierten Truppen am 6. Juni 1944 in der Normandie, den Biernachschub der Wehrmacht sabotiert und die Soldaten damit kampfunfähig macht.

Mehr als 75 Jahre später wollen üble Zeitgenossen deswegen noch immer an Abbé Jean, der inzwischen in Belgien lebt, grausame Rache üben. Von seinem Mentor Goldberg erhält Minkin nun den Auftrag, den alten Mann zu finden und in Sicherheit zu bringen. Nicht fehlen darf dabei natürlich wieder ein kleiner Schlenker nach Eppingen.

Was den Roman von Thomas Lang auszeichnet

Geschrieben in dem für ihn schon typischen Sound, in den sich Thomas Lang zu Anfang eines neuen Bands aber immer wieder "reinfummeln" muss, ist "Goldberg und der unsichtbare Feind" ein Buch der knappen Sätze, die mit Fußballersprüchen, Werbeslogans, Filmreferenzen und Songzeilen gespickt sind - und oft auf eine Pointe hinauslaufen. Kaum verwunderlich, tritt der hauptberufliche Anwalt doch seit über 20 Jahren mit dem Stuttgarter Juristenkabarett auf und hat beim Schreiben immer die Frage im Hinterkopf: "Wie wirkt das, wenn man es vorliest?"

Thomas Lang selbst sieht in der Geschichte weniger einen harten Krimi als vielmehr eine Abenteuergeschichte im Stil von "Indiana Jones". "Mein Ermittler muss ja immer eine Person oder ein Artefakt retten beziehungsweise sichern, die oder das im Kontext Brauereien und Biergeschichte steht", beschreibt der 52-Jährige das Muster, nach dem er seine Bücher strickt und mit dem er eine Nische im nahezu unüberschaubaren Genre des Regionalkrimis gefunden hat.

Wie sehr ähneln sich Autor und Hauptfigur?

Seinen neuen Roman, der "ein Kind des Lockdowns" ist, hat Thomas Lang im Frühjahr 2020 angesiedelt, kurz vor dem Ausbruch der Pandemie, von der sein Ermittler Minkin allerdings anfangs überhaupt nichts mitbekommt. "Er ist ein bisschen weltfremd, nicht sonderlich medienaffin und lebt in einer Blase", beschreibt der Wahl-Stuttgarter seine schnoddrige Hauptfigur, die bedenklich oft zum Glas greift und die Lösung ihrer Fälle mehr dem Zufall als ihrer Kombinationsgabe verdankt.

Wie viel Lang in Minkin steckt? "In jedem Fall einiges vom früheren Lang", sagt der Autor und lacht. Mittlerweile zähle er ja aber schon zur Ü50-Generation und sei vierfacher Familienvater. "Da entspreche ich natürlich nicht dieser Person. Aber in ihren Überlegungen und Monologen steckt schon einiges drin von mir."

Nach Spanien, Tschechien, Italien und jetzt eben Belgien hat Thomas Lang seinen Ermittler Minkin bereits geschickt. Besonders interessant als potenziellen Handlungsort findet der Autor die USA. Im nächsten Band, der gedanklich schon in Arbeit sei, wird der Fokus aber auf Franken liegen, wo eine Madonnenfigur nicht Blut, sondern Gerstensaft weint. Fans der Bierkrimi-Reihe dürften also keine lange Durststrecke zu überwinden haben. Und wenn es die Infektionszahlen zulassen, wird Thomas Lang am 23. Juli auch Open-Air in Lauffen lesen.

 


Christoph Feil

Christoph Feil

Autor

Seit 2015 ist Christoph Feil bei der Heilbronner Stimme. Er arbeitet im Ressort Leben und Freizeit. Darüber hinaus schreibt er für das Thementeam Wissen, hat den aktuellen Buchmarkt im Blick und stellt für das "Interview der Woche" Menschen gerne Fragen.

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