Das Literaturhaus am Trappensee hat jetzt einen Freundeskreis

Heilbronn  Vereinsgründung unter freiem Himmel statt im Hinterzimmer. Das neue Literaturhaus Heilbronn nimmt auch formal Züge an. Gerd Kempf wird Vorsitzender der "Freundes des Literaturhauses". Am 24. Juli wird offiziell eröffnet, allerdings im Deutschhof.

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"Absagen will ich nichts", sagt Anton Knittel, der Leiter des neuen Literaturhauses Heilbronn: Vereinsgründung mit Mindestabstand in Zeiten von Corona.

Foto: Ralf Seidel

Eine Vereinsgründung Open Air, nicht im Hinterzimmer, sondern im Innenhof des Deutschhofs: mit breiter Bürgerbeteiligung, ganz im Sinne des Oberbürgermeisters, der es sich einst zum Wahlkampfthema gemacht hatte, dass Heilbronn ein Literaturhaus bekommt. Gut Ding braucht Weile, zumal die Gründung der "Freunde des Literaturhauses" im März hätte stattfinden sollen und coronabedingt verschoben wurde.

Nun ist der Verein gegründet, zählt 96 Mitglieder und hat einen Vorstand auserkoren, bevor überhaupt der Jahresbeitrag festgesetzt wurde: 60 Euro für Einzelpersonen, 100 Euro für Paare, 20 für Schüler, Studenten und Azubis.

Eine dreifache Liebeserklärung an die Bürger und die Sprache

Zum Vorsitzenden wurde einstimmig der Journalist Gerd Kempf gewählt, langjähriger Lokalchef der Heilbronner Stimme. Die beiden Stellvertreterinnen an seiner Seite sind Sibylle Mösse-Hagen, Prokuristin im Familienunternehmen Kaffee Hagen, und Bärbel Renner, verantwortlich für Kommunikation und Verwaltung bei der Experimenta. Zur Schatzmeisterin gewählt wurde Natascha Mundinger von der Kreissparkasse Heilbronn, zum Schriftführer der ehemalige HSt-Kulturchef Andreas Sommer.

Der Zweck des Vereins: "die Förderung der Kultur durch die ideelle und finanzielle Förderung des Literaturhauses", dessen Träger die Stadt ist. Für OB Harry Mergel ist das Literaturhaus Heilbronn im Trappenseeschlösschen, das am letzten Juliwochenende eröffnet wird, eine dreifache Liebeserklärung: an den Bürgerstolz und Gemeinsinn der Heilbronnerinnen und Heilbronner. An das Lebenselixier Literatur und Sprache. Und an das Leben selbst, das durch die Erzählung gefeiert wird.

"Absagen will ich nichts", erläutert der Leiter des Literaturhauses Anton Knittel, was diese jüngste Heilbronner Kultureinrichtung in den kommenden Monaten plant. Das Programm, das ein sichtlich zufriedener Knittel geschnürt hat mit verschiedenen Kooperationspartnern und renommierten Gästen, etwa Aleida Assmann und Navid Kermani, beide Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels, ist hoch ambitioniert. Und die gespannte Vorfreude der Literaturinteressierten groß, dass die Stadt mit dem Literaturhaus am Trappensee nicht nur einen schmucken Ort wiederbelebt, sondern der in Heilbronn unterrepräsentierten Geisteswissenschaft Gewicht verleiht.

Internationale Tagung zu Kleist und Hölderlin

So stehen neben der neuen Reihe im September "Debüt am See" im Oktober eine internationale Tagung zu Kleist und Hölderlin auf Knittels Agenda. Die erste Wechselausstellung im Schloss hat Werkstattcharakter und ist aus dem Wettbewerb "Heilbronn er-lesen" mit Arbeiten von Kulturschaffenden aus der Region hervorgegangen. Noch laufen kleinere Umbauten, die Eröffnung des Literaturhauses wird räumlich wieder im Deutschhof stattfinden, einzelne Führungen durchs neue Haus aber werden stattfinden.

Einen Vorgeschmack darauf, was es nun öfter geben wird, bot der Freiburger Autor Karl-Heinz Ott: Er las aus "Und jeden Morgen das Meer" über eine ehemalige Grandhotel-Besitzerin am Bodensee, die nach dem Ruin nach Wales ans Meer zieht, um dort eine heruntergekommene Kneipe zu betreiben.


Claudia Ihlefeld

Claudia Ihlefeld

Autorin

Seit ihrem Volontariat bei der Heilbronner Stimme 1991 schreibt Claudia Ihlefeld überwiegend über regionale Kultur und Kulturpolitik, aber auch über nationale und internationale Kulturereignisse.

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