Darauf einen Eierlikör: Götz Alsmann und Band musizieren im Audi Forum

Neckarsulm  Das Konzert des TV-erprobten Entertainers stand ganz im Zeichen der Liebe. Die alten Jazzschlager, die Götz Alsmann und seine Band mit Energie und Witz in Neckarsulm spielten, machten guten Laune und offenbarten nicht selten Ohrwurm-Potenzial.

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Der singende, klingende Archivar Götz Alsmann hat für sein jüngstes Album tief in der deutschen Musikgeschichte gegraben. So manches aufgestöberte Stück, das er bei seinem Neckarsulmer Konzert spielte, hat Ohrwurm-Potenzial.

Foto: Andreas Veigel

Vergiss den Ruhm, das Geld, die kreative Selbstverwirklichung. Die Verlockungen, die den jungen Götz Alsmann einst in die Unterhaltungsbranche gezogen haben, lagen ganz woanders. "Erstens wollte ich einen Beruf ergreifen, bei dem ich die Möglichkeit habe, eine Krawatte zu tragen", erklärt der dampfplaudernde Münsteraner seinem Publikum. Und zweitens habe er genau so eine Künstlergarderobe gewollt, wie sie immer in denjenigen Schwarz-Weiß-Streifen der Nachkriegszeit zu sehen war, die im Showbusiness spielten. Garderoben mit gemütlicher Ottomane, gekühltem Champagner und rosa Briefchen von Verehrerinnen.

Dass es Götz Alsmann zumindest mit der Krawatte ernst ist, davon können sich die Besucher seines Konzerts am Samstagabend mit eigenen Augen überzeugen. Im Einreiher mit Einstecktuch und Schlips betritt der 64-Jährige die Bühne im Audi Forum in Neckarsulm. Sein Grinsen: breit. Seine Tolle: unbeweglich. Sein Gang: federnd-tänzelnd. Dr. Sommer, so verspricht der promovierte Musikwissenschaftler, werde man am Ende dieses Abends nicht mehr nötig haben. Denn bis dahin wisse man selbst alles über die Liebe.

Wenn Jazz und Schlager sich die Hand reichen

Um die dreht sich nämlich Alsmanns jüngstes Album. Tief hat der singende, klingende Archivar dafür in der deutschen Musikgeschichte gegraben. Nach Stücken gesucht aus der Zeit zwischen Operette und Bossa Nova, in denen sich der Schlager und der Jazz "in inniger Verbundenheit die Hand reichen zum Tanz". Fündig geworden ist er beispielsweise bei Komponisten wie Kurt Doerflinger und Heino Gaze, bei Textern wie Bruno Balz und Joachim Fuchsberger.

Moment mal. Blacky? Genau der. Der beliebte Schauspieler sei nämlich auch begnadeter Texter gewesen, der für Udo Jürgens die Zeilen zu "Was ich Dir sagen will" geschrieben habe, wie Götz Alsmann erzählt. Und wer erinnert sich beispielsweise noch daran, dass die Melodien zu Welthits wie "L-O-V-E", gesungen von Nat King Cole, und "Summerwind", interpretiert von Frank Sinatra, ursprünglich von Bert Kaempfert und Henry Mayer stammen?

Wie Götz Alsmann alte Nummern vor dem Vergessen retten will

Götz Alsmann hat diese Originale sowie andere Nummern aufgestöbert, entstaubt und aufpoliert. Will sie so vor dem Vergessen retten. Man merkt ihm seinen Respekt und seine Bewunderung an. Ironie kommt lediglich ins Spiel, als Alsmann auf den Schlager ab den 70er Jahren zu sprechen kommt: "Weine nicht, wenn der Regen fällt, es gibt einen, der Dich trocken hält."

Mit großer Energie und subtilem Witz bringt der TV-erprobte Entertainer die Lieder über die Liebe verspielt arrangiert zu Gehör. Säuselt, seufzt, schmachtet in den ruhigen Stücken, hechelt und haut in die Tasten bei den rasanten. Begleitet wird der Sänger und Pianist dabei von seiner famosen Band, bestehend aus Altfrid M. Sicking (Vibrafon, Trompete), Ingo Senst (Kontrabass), Dominik Hahn (Schlagzeug) und Markus Paßlick (Percussion).

Es ist ein Ausflug in die Zeit von Nierentisch, Käse-Igel und Eierlikör, der gute Laune macht. So manches Stück wie "Musik liegt in der Luft" oder "Mein Herz hat heut" Premiere" offenbart dabei Ohrwurm-Potenzial. Auch wenn das mit dem Mitsingen im Publikum an diesem Abend noch nicht so recht klappen will. Begeisterter Applaus und mehrere Zugaben.

Alte Meister

An so manchen "alten Meister des Schlagers" erinnert Götz Alsmann in seinem Konzert. Einer davon: Michael Jary. Sage und schreibe 500 Hits habe der deutsche Komponist in den 30er bis 60er Jahren komponiert, darunter auch "Unter den tausend Laternen". Ein Anruf seiner Auftraggeber genügte, so Alsmann, und Jary legte los. Lieferte Schlager, Chansons und Swing-Nummer für Operetten, Rundfunksendungen und Filme. Schokolade und schottischer Whisky halfen ihm bei der Arbeit, ein Klavier in seinem Arbeitszimmer brauchte Michael Jary demnach nicht.


Christoph Feil

Christoph Feil

Autor

Seit 2015 ist Christoph Feil bei der Heilbronner Stimme. Er arbeitet im Ressort Leben und Freizeit. Darüber hinaus schreibt er für das Thementeam Wissen, hat den aktuellen Buchmarkt im Blick und stellt für das "Interview der Woche" Menschen gerne Fragen.

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