Comedian Martin Wangler kommt nach Beilstein

Beilstein  Mit einem Traktor und einem umgebauten Forstwagen tourt Comedian Martin Wangler, bekannt aus der SWR-Serie "Die Fallers", derzeit quer durch Baden-Württemberg. Wir haben uns mit dem 51-Jährigen vor seinen Auftritten in Beilstein und Heilbronn unterhalten.

Email

Auf Schleichwegen durch's Ländle: Mit einem Traktor und einer eigenen Wanderbühne fährt Comedian Martin Wangler quer durch Baden-Württemberg. Am Mittwochabend tritt der 51-Jährige in Beilstein auf.

Foto: privat

Mit einem Oldtimer-Traktor und einem umgebautem Forstwagen tourt Comedian Martin Wangler, bekannt aus der SWR-Serie "Die Fallers", derzeit quer durch Baden-Württemberg. Auf der Bühne steht der Schwarzwälder als Kunstfigur Fidelius Waldvogel. Am Mittwochabend tritt er mit seinem Programm um 19 Uhr in der Weinstube Amalienhof in Beilstein auf, am Dienstag in den Hüttenäckern in Heilbronn-Sontheim. Wir haben uns vorab mit dem 51-Jährigen unterhalten.

 

Herr Wangler, Sie sind derzeit mit Ihrem Kabarettprogramm auf Tour quer durch Baden-Württemberg. Das Besondere: Sie fahren mit einem Traktor und einer eigenen Wanderbühne durch's Ländle.

Martin Wangler: Die Idee zu diesem Format kam mir bei den Thementagen Heimat. Wichtig ist, dass man direkt zu den Leuten kommt, bei den Leuten spielt. Es hat etwas Entschleunigendes. Abseits der großen Hauptstraßen kann man viel entdecken. Die wunderschöne Landschaft, die Landwirtschaft, die Wälder. Und man hat immer wieder tolle Begegnungen mit Menschen.

 

Ihr Traktor fährt mit maximal 25 km/h. Wie viele verärgerte Autofahrer hatten Sie schon hinter sich?

Wangler: Mein Trecker ist so laut, dass ich die Autofahrer nicht schimpfen höre, wenn sie überholen (lacht). Nein, meistens hupen die Menschen und winken freundlich, viele erkennen mich auch. Wenn die Schlange hinter mir zu lange wird, fahre ich natürlich rechts ran.

 

Heimat spielt in Ihren Programmen eine wichtige Rolle. Was bedeutet dieser Begriff für Sie?

Wangler: Für mich ist der Schwarzwald, wo ich aufgewachsen bin, die Heimat. Im Kabarettprogramm versuche ich humorvoll zu reflektieren, was Heimat ausmacht: Geschmäcker, Gerüche, Landschaft, Orte und die Sprache. Und auch Humor ist ein Stück Heimat. Über allem steht auch die Frage: Was macht Heimat erhaltenswert?

 

Der Begriff Heimat fällt in den letzten Jahren aber auch öfter im Zusammenhang mit Rechtspopulismus.

Wangler: Stimmt, das hat sich verändert. Als ich 2005 angefangen habe, mich mit dem Begriff auseinanderzusetzen, da war er noch nicht en vogue. In der letzten Zeit möchten sich die Rechtspopulisten, wie auch schon 1933, solche Begriffe unter den Nagel reißen. Damit soll auch Wind gegen Geflüchtete gemacht werden. Dagegen müssen wir uns wehren. Der Begriff Heimat ist kein fester Begriff, er muss immer neu geformt werden.

 

Sie sagen Regionalität und Heimat erleben derzeit wieder einen Aufschwung. Woran machen Sie das fest?

Wangler: Besonders seit der Corona-Krise wird wieder mehr in den Hof- und Dorfläden eingekauft, die Nachfrage nach regionalen Produkten steigt. Das ist gut, denn dadurch unterstützt man die Bauern vor Ort. Wenn wir alle nur im Discounter einkaufen mit der "Billig Billig Billig"-Haltung müssen Landwirte bald dicht machen. Diese Problematik möchte ich in meinem Kabarett-Programm ansprechen und zum Nachdenken anregen.

 

Ihre Kunstfigur aus dem Schwarzwald trägt den schillernden Namen Fidelius Waldvogel.

Wangler: Meine Oma ist eine geborene Waldvogel. In meinem Heimatort Breitnau ist das ein sehr geläufiger Name. Im Schwarzwald sagt man im Dialekt Fideli. Das ist ein lebensfroher, lustiger und musikalischer Mensch. Fides bedeutet im Lateinischen auch Treue. Das finde ich passend. Fidelius Waldvogel ist ein Ur-Schwarzwälder: Er hat seine Eigenheiten, Ecken und Kanten, ist nicht sonderlich eloquent und maulfaul, aber auch herzensgut.

 

Bekannt sind Sie auch aus der SWR-Serie "Die Fallers", in der Sie die Rolle des Bernd Clemens spielen. Wie wird in Corona-Zeiten gedreht?

Wangler: Vieles hat sich verändert. Nach dem Lockdown wurden Konzepte entwickelt, wie man mit Abstand drehen kann. Man muss Masken am Set tragen. Die Szenen mussten neu aufgelöst werden. Es funktioniert, die Abläufe haben sich inzwischen eingespielt.

 

Zurück auf die Straße. Sie schlafen auch in Ihrer fahrbaren Bühne. Wie groß ist am Ende der Tour die Sehnsucht nach einem echten Bett?

Wangler: Irgendwann tut der Rücken schon ein wenig weh. Aber ich finde es auch gut, auf diese Weise zu übernachten. Dadurch schätzt man die vermeintlichen Selbstverständlichkeiten. Man braucht im Leben nicht viel, um glücklich zu sein. Und auf jeden Fall keine Fünf-Sterne-Komfort-Matratze.

 

Martin Wangler in Beilstein und in Heilbronn

Mittwoch, 19 Uhr, in der Weinstube Amalienhof in Beilstein, Eintrittskarten gibt es unter info@weinstube-amalienhof.de - Dienstag, 20 Uhr, Café und Wein Hofcafé in den Hüttenäckern in Heilbronn-Sontheim.

Zur Person:  Martin Wangler wurde am 11. Juli 1969 in Freiburg im Breisgau geboren. 1995 begann er seine Schauspielausbildung an der Hochschule Mozarteum in Salzburg, die er 1999 abschloss. Es folgten Engagements am Staatstheater Oldenburg und bis 2003 am Stadttheater Ingolstadt. Seit 2005 ist Wangler freier Schauspieler ("Die Fallers"), Kabarettist und Musiker. In seinen Abendprogrammen, die ab 2005 erschienen, verkörpert er die Figur des Schwarzwälders Fidelius Waldvogel. Seit 2016 fährt er mit den Programmen mit Traktor und Wanderbühne quer durch Baden-Württemberg.


Ranjo Döring

Ranjo Doering

Autor

Ranjo Doering arbeitet seit 2015 bei der Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als Redakteur bei der Hohenloher Zeitung ist er seit 2018 im Kulturressort tätig. Seine Schwerpunkte sind Musik, Film, Theater und Kabarett.

Kommentar hinzufügen