Ausstellung "Vorratskammer" in der Zigarre Heilbronn

Heilbronn  Was will man mitnehmen, wenn die Apokalypse vor der Tür steht? Das künstlerische Projekt "Vorratskammer" von Achim Sauter und Danilo Peysa widmet sich bis zum 28. Juni im Kunst- und Kulturwerkhaus Zigarre in Heilbronn dieser Frage.

Von Michaela Adick
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Eine Ausstellung, die wie eine Wunderkammer anmutet: Achim Sauter (links) und Danilo Peysa in ihrer "Vorratskammer" im Kunst- und Kulturwerkhaus Zigarre.

Foto: Veigel

Als R.E.M. vor mehr als 30 Jahren in "It"s the End of the World as We Know It" das Ende der Welt besangen, da war die Welt noch in Ordnung: das bisschen Kalter Krieg. Schöner und gelassener klang sie nie, die Apokalypse, als in der Interpretation von Michael Stipe. Das Künstlerkollektiv Randstelle hat jetzt einmal nachgefragt und seine 70 bis 80 liebsten Weggefährten aus dem Kunststudium angefragt. Wie haltet ihr es mit den gesellschaftlichen Survival-Tendenzen?

Die Idee entstand vergangenes Jahr 

In einer Vorratskammer im Tiefgeschoss des Kunst- und Kulturwerkhauses Zigarre mit dem irritierenden gleichen Namen sind nun allerlei Fundstücke ausgestellt: Readymades und Objets trouvés, Malerei und Keramik, Glaskunst und ganz gewöhnliche Einmachgläser. Wobei, was ist schon normal, wenn die beiden Ausstellungsmacher Achim Sauter (Brackenheim) und Danilo Peysa (Talheim) ganze Geschichten zu den Einmachgläsern erzählen können? Inklusive einer Dokumentation von Danilo Peysa, der in allerlei Frottagen das Vorgefundene festgehalten hat.

Entstanden war ihre Idee einer Vorratskammer Ende des letzten Jahres, in Vor-Corona-Zeiten, als lediglich so genannte Prepper Aufsehen erregten, die Lebensmittel, Streichhölzer und Camping-Utensilien horteten, in Vorbereitung auf das Ende der Welt. Harmlose Zeitgenossen waren es oft, ein wenig schräg bis exzentrisch veranlagt. Bis man auf rechtsnationale bis faschistische Prepper stieß, die über alle Ohren bewaffnet waren.

Die geplante Vernissage im April verstrich, nach der Corona-Pause hat die ganz eigenwillige Vorratssammlung, die Arbeiten von 34 Künstlern aus der Republik zeigt, einen neuen Kontext erhalten. Was will man mitnehmen, wenn die Apokalypse vor der Tür steht? Eine Frage, die die beiden sofort zu einer Gegenfrage animierte: Will man denn überhaupt etwas mitnehmen? Und: "Wollen wir überhaupt überleben, also in einer Notsituation nur mit dem Notwendigsten leben?"

Survival-Kits und uralte Kassetten 

Ein Schleier liegt über der Malerei des 1976 in Karl-Marx-Stadt geborenen Danilo Peysa. Wenn man näher tritt, erkennt man einen winzig kleinen Hinweis "Bitte.... Abstand". Eine Irritation, die gewollt ist. Die Irritation, die den Besucher auch während des kleinen Spaziergangs durch die Ausstellung, die wie eine Wunderkammer anmutet, nicht loslassen wird.

Da kann man in einem aufgezeichneten Film Tulpen beim Verwelken beobachten, die von den Aussstellungsmachern sorgfältig gepflegte Pilzkultur wächst und gedeiht. Daneben hat Sauter den modernen Klassiker von Anna Lowenhaupt Tsing "Der Pilz am Ende der Welt. Über das Leben in Ruinen" platziert. Und weiter geht es: Kuriose Survival Kits gilt es zu entdecken und Zeichnungen von so nützlichen Sachen wie Kaffeefiltern, Filmdosen und Stiften. Hinter Glas entdeckt man allerlei Plastiklöffel. Der Titel? "Die Löffel des Bösen."

Einen Seitenhieb über die Umtriebe einer ehemals renommierten deutschen Bank konnte und wollte sich das Institut für Leistungsabfall und Kontemplation nicht entgehen lassen. Viele Zeitkapseln gilt es zu dechiffrieren, uralte Kassetten, eine ist hübsch handschriftlich mit "Jimi Hendrix" beschriftet. Der heimliche Held der Ausstellung indes? Ist der Kunstprofessor Georg Winter, der den Ausstellungsmachern ein Fotoporträt geschickt hat. Winter sieht man hier kostümiert als Waldmenschen, der einen überdimensionierten Pinsel in der Hand hält. Der "Embedded Artist" ist geboren. Soviel Humor verträgt auch die schönste aller Apokalypsen.


Ausstellungsdauer

Kunst- und Kulturwerkhaus Zigarre, Achtungstraße 37. Bis 28. Juni, Samstag und Sonntag, von 16 bis 20 Uhr.


 


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