Auf der Suche nach dem perfekten Klang

Leingarten  Carsten Peter aus Leingarten hat ein Buch über Kinobeschallung geschrieben. Im Gespräch verrät der 52-Jährige, wo der beste Platz im Kino ist und was sich beim Kinosound in den letzten 20 Jahren getan hat.

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Carsten Peter arbeitet als Produktmanager bei einem Hersteller von Audiosystemen und -zubehör und hat ein Buch über Kinobeschallung veröffentlicht.

Foto: Ralf Seidel

Wenn Carsten Peter ein Kino besucht, kann er sich nicht nur auf den Film auf der Leinwand konzentrieren. "Ich achte immer zuerst auf den Sound. Man schaut sich die Lautsprecher und die Soundanlage an. Das ist eine Berufskrankheit", sagt der 52-Jährige aus Leingarten. Seit über 30 Jahren ist Peter in der Audiobranche tätig ist: Zehn Jahre hat er als freiberuflicher Toningenieur gearbeitet, inzwischen ist er als Produktmanager bei einem Hersteller von Audiosystemen und -zubehör tätig.

Neues Grundlagen-Buch

"Ich bin für die Orte zuständig, an denen Lautsprecher gewerblich genutzt werden. Also in der Gastronomie, in Hotels, Diskotheken, Hallen, Sportstätten und eben auch in Kinos." Ein Job, für den man gute Ohren braucht? "Es ist hilfreich", sagt Peter und schmunzelt. Seine Erfahrungen mit Kinosaalplanungen sowie die Zusammenarbeit mit Kinobetreibern und Tonmeistern hat Peter jetzt in seinem Buch "Grundlagen der Kinobeschallung" (Schüren Verlag, 132 Seiten, 25 Euro) zusammengefasst.

Doch wie klingt der perfekte Kinosound? "Perfekt ist er, wenn er genau das wiedergibt, was der Tonmeister im Mischraum kreiert hat", fasst es Peter kurz und prägnant zusammen. "Idealerweise kann man ihn auf jedem Platz im Kino gut hören. Doch: Alle Plätze im Saal gleichmäßig akustisch auszuleuchten, ist eine der größten Schwierigkeiten und eigentlich nicht möglich." Vielmehr ginge es bei der Kinobeschallung darum, die Unterschiede zwischen schlechten und guten Plätzen so gering wie möglich zu halten.

Lautsprecher und Tonformate haben sich gewandelt

In den letzten 20 Jahren hat sich laut Peter beim Kinosound einiges getan. "Das ist ziemlich unbemerkt geblieben, weil es die Kinobranche verpasst hat, das zu vermarkten", sagt der Leingartener. Zahlreiche technische Innovationen wie leistungsfähigere Lautsprecher und Verstärker, spektakulärere Mischungen der Filmtonmeister und neue Tonformate nennt Carsten Peter als Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte.

Wie sich der Sound im Kino entwickelt hat

Verbessertes Klangerlebnis: Durch zahlreiche technische Innovationen hat sich beim Kinosound in den letzten 20 Jahren einiges getan.

Foto: peych_p/stock.adobe.com

Besonders angetan ist er von Dolby Atmos, einem Audioformat, das dem Hörer noch mehr Einbeziehung ins Klanggeschehen verspricht. "Es ist wie ein 3D-Sound. Man taucht noch mehr ein und hat ein intensiveres Filmerlebnis", erklärt Peter. "Es ist beeindruckend. Die Regentropfen sind nicht nur von der Seite zu hören, sondern kommen von oben. Ein Helikopter fliegt tatsächlich über die Köpfe hinweg. Die Soundmöglichkeiten werden deshalb heutzutage auch oft dramaturgisch genutzt."

Durch die Digitalisierung des Kinos um die Jahrtausendwende sei, so Peter, aber auch ein wichtiger Beruf weggefallen: der Filmvorführer. "Das ist schade, weil das ein sehr technikaffiner Beruf gewesen ist. Der Filmvorführer hat die Filme in die Projektoren eingelegt und teilweise auch nach dem Ton geschaut. Somit ist technisches Know-How im Tonbereich verloren gegangen."

Der Experte verrät, wo der beste Platz im Kino ist

Bleibt die Frage, wo soundtechnisch gesehen der ideale Sitzplatz im Kino ist. "Mittig und ungefähr zweidrittel nach Hinten in der Tiefe des Saales", erklärt der Experte. "Die letzte Reihe, die gerne von Besuchern genommen wird, ist akustisch gesehen eine Katastrophe. Man ist sehr dicht an einer Reflektionsfläche und da die Surroundboxen über einem liegen, bekommt man den Klang nur zum Teil mit."

In seinem Wohnzimmer hat Carsten Peter keine perfekte Heimkino-Anlage. "Eigentlich eher das Gegenteil. Ich schaue Filme über die schlechten, integrierten Fernsehlautsprecher", sagt Peter und lacht. "Um meinen akustischen Ansprüchen gerecht zu werden, müsste ich viel ein- und umbauen. Das möchte ich nicht." Außerdem schätzt der Filmliebhaber den Gang ins Kino. "Es ist schade, dass das Kino gerade durch Streaming-Dienste und Corona ein wenig ins Hintertreffen gerät. Aber ich bin mir sehr sicher, dass das Kino nicht totzukriegen ist."

 

Ranjo Döring

Ranjo Doering

Autor

Ranjo Doering arbeitet seit 2015 bei der Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als Redakteur bei der Hohenloher Zeitung ist er seit 2018 im Kulturressort tätig. Seine Schwerpunkte sind Musik, Film, Theater und Kabarett.

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