Auf den Spuren von Friedrich Hölderlin in Lauffen

Lauffen  Das jüngste Marbacher "Spuren"-Heft des Deutschen Literaturarchivs folgt "Hölderlin in Lauffen am Neckar". Eva Ehrenfeld, die Leiterin des Hölderlinhauses, ist die kundige Autorin.

Email

Ob Hölderlin im Privathaus der Familie in der Nordstraße 5 geboren ist oder im Amtshaus des Klosterverwalters, also seines Vaters, ist ungewiss.

Foto: Archiv/Murat

Wie oft und wann Friedrich Hölderlin seine Geburtsstadt besucht hat, ist ungewiss. Wohl im Juni 1800 war der Dichter bei Verwandten in Löchgau oder Klingenberg und am Grab seines Vaters auf dem Alten Friedhof in Lauffen, wie er im Gedicht "Stutgard, zweite Fassung" schildert: "Bis an die Grenze des Lands, wo mir den lieben Geburtsort Und die Insel des Stroms blaues Gewässer umfließt."

Viereinhalb Jahre nur, von 1770 bis 1774, lebte der kleine Hölderlin in Lauffen, bis seine Mutter zwei Jahre nach dem frühen Tod des Vaters nach Nürtingen heiratete. Und doch spielt der Geburtsort bei der Erinnerung an den Dichter eine wichtige Rolle. Dabei ist nicht geklärt, ob Hölderlin im Amtshaus im Kloster auf die Welt kam oder im Privathaus der Familie.

Kleine, fein bebilderte Reihe

Im jüngsten Heft der kleinen, fein bebilderten Reihe "Spuren" des Deutschen Literaturarchivs Marbach rekonstruiert Eva Ehrenfeld, die Leiterin des Hölderlinhauses, kundig die Spuren, die die Familie in Lauffen hinterlassen hat: vom Großvater und Vater des Dichters, die als Klosterverwalter für den wirtschaftlichen Erfolg der angeschlossenen Ländereien sorgen mussten, die dem württembergischen Herzog gehörten, bis in die Gegenwart.

Spuren 124: Eva Ehrenfeld, "Hölderlin in Lauffen am Neckar", 16 Seiten, Umschlag mit Pergamin, 4,50 Euro, dla-Marbach.

Immer, wenn der Monarch, Verwandte oder Freunde aus seinem Dunstkreis Lauffen besuchten, musste der Verwalter seinen offiziellen Wohnsitz im Amtshaus für die Herrschaften räumen und in die Nachbarschaft ausweichen. Hölderlin könnte daher sowohl im Privathaus als auch im Amtshaus geboren sein, das 1918/19 abgerissen wurde.

Ein Museum zum 250. Geburtstag des Dichters

Auf jeden Fall verbrachte Hölderlin im Privathaus der Familie nach dem Tod des Vaters 1772 die folgenden beiden Jahre. Als die Familie Lauffen verließ, wurde das Haus verkauft, das die Stadt 2015 nach langen Verhandlungen erwarb. Im vergangen Jahr, zum 250. Geburtstag des Dichters, wurde das vorbildlich sanierte Gebäude als Hölderlinhaus eröffnet, als Gedächtnisort, Museum und kulturelles Zentrum.

Eva Ehrenfeld schildert, wie mit der Reformation ab 1534 eine neue Ära auch im württembergischen Landstädtchen Lauffen am Neckar begann und Jakob Friedrich Hölderlin aus Großbottwar im 18. Jahrhundert Klosterverwalter wurde. Die Spuren und Dokumente sind rar und umso kostbarer: das Taufregister mit den Paten - Hölderlin wurde am 21. März 1770 in der Regiswindiskirche getauft -, Einträge im Lauffener Güterbuch, Porträts seiner Eltern, Bleistiftzeichnungen und Fotos, die das Amtshaus vor dem Abbruch zeigen.

Nicht nur für ernsthaft Suchende

An Stelle des abgerissen Hauses wurde eine Landvilla gebaut und im Garten ein Halbrund errichtet für ein Reliefporträt des Dichters. "Kein Schild und Wegweiser preist - gottlob - die Sehenswürdigkeit an, nur der ernsthaft Suchende findet sich durch", schreibt 1937 Vilma Mönckeberg im Berliner Tageblatt über ihren Besuch in Lauffen. Dass dies heute - gottlob - anders ist, ist auch das Verdienst der Leiterin des Hölderlinhauses und Autorin Eva Ehrenfeld.

 

 

Claudia Ihlefeld

Claudia Ihlefeld

Autorin

Seit ihrem Volontariat bei der Heilbronner Stimme 1991 schreibt Claudia Ihlefeld überwiegend über regionale Kultur und Kulturpolitik, aber auch über nationale und internationale Kulturereignisse.

Kommentar hinzufügen