Zwei neue Kunstprojekte in Heilbronns Innenstadt

Heilbronn  Mit der Installation "Der König auf seiner Insel" von Bernd Hennig beim Deutschordensmünster und "Spring-Brunnen" von Vanessa Henn im Rathausinnenhof ist das temporäre Skulpturenprojekt der Städtischen Museen Heilbronn komplett.

Von Claudia Ihlefeld
Kühlende Wasserfontäne und der König auf dem Müll: Zwei neue Kunstprojekte in Heilbronns Innenstadt

Den "Spring-Brunnen" von Vanessa Henn im Innenhof des Heilbronner Rathauses muss man erleben: eine hintersinnige Installation aus Wasser und Klang.

Alltagsgegenstände und der Fluss der Menschen im öffentlichen Raum interessieren Vanessa Henn. Formal reduziert und mit einer spielerischen Leichtigkeit nehmen ihre Objekte Bezug zur Umgebung. In Heilbronn schien Henn der Rathausinnenhof der geeignete Standort für ihre jüngste interaktive Installation mit Wasser und Klang zu sein.

"Spring-Brunnen" nennt die 1970 in Stuttgart geborene Künstlerin, die in Berlin lebt, ihre Arbeit, die nun den Freiplatz belebt. Denn um die temporäre Wiederbelebung der Brunnenskulptur von Blasius Spreng geht es der Künstlerin, deren Projekt einer von fünf Wettbewerbsbeiträgen ist, die die Städtischen Museen Heilbronn diesen Sommer an markanten Stellen der Innenstadt präsentieren.

Eine einfache Idee, aber komplex in ihrer Umsetzung

Anfang Mai wurde die Messboje von Valentin Beinroth in unmittelbarer Nähe der Experimenta zu Wasser gelassen. Simone Demandt hat die Fassade des Parkhauses am Bollwerksplatz mit einem Banner verfremdet. Peter Riek erinnert an die Zerstörung Heilbronns 1944 und lässt Gras im Rathausinnenhof "wachsen", gleich neben dem "Spring-Brunnen". Mit Vanessa Henn und Bernd Hennig ist der Skulpturen-Reigen jetzt komplett: Hennigs erzählerisches Großobjekt "Der König auf seiner Insel" fällt in der Kirchbrunnenstraße ins Auge.

Zur Übergabe sind beide Künstler gestern nach Heilbronn angereist. Henn hat Andreas Genter mitgebracht - er regelt die technische Seite. Denn Henns "Spring-Brunnen" ist eigentlich "eine einfache, überschauliche Idee, aber sehr komplex in der Umsetzung".

Wer den Innenhof betritt, hört ein Plätschern

Eine Wasserfontäne, in Schwung gebracht durch einen Bewegungsmelder, der auf Passanten reagiert, reaktiviert augenzwinkernd den Brunnen von Spreng aus den 50er Jahren, der mit dem Bau einer Tiefgarage vor 15 Jahren stillgelegt wurde. Wer den Innenhof betritt, hört, wenn er aufmerksam ist, ein Plätschern. Es kommt aus drei Lautsprechern an der Wand. Nähert man sich dem Brunnen, verstummt das Geräusch und springt ein Wasserbogen über die Brüstung eines Balkons im dritten Stock - und landet im stillgelegten Brunnen.

Vier edel schimmernde Platten hat Henn unter dem Marmorblock verlegt, in denen sich der Himmel spiegelt und der Wasserstrahl. Aber auch die Unterseite von Blasius Sprengs Brunnen wird durch die Spiegelplatten beleuchtet. Von sieben bis 21.30 Uhr speit der kleine Turm aus gewundenem Schlauch vom Balkon Wasser herunter, in der Dämmerung wird die Wirkung durch Scheinwerfer noch verstärkt.

Wenige hundert Meter entfernt auf der Empore des Deutschordensmünsters steht die Installation "Der König auf seiner Insel" von Bernd Hennig. 1952 in Heilbronn geboren, lebt der Bildhauer und Objektkünstler, der an der Akademie in Karlsruhe studiert hat, bei Pforzheim.

Im Gewächshaus wuchert Plastikmüll

Kühlende Wasserfontäne und der König auf dem Müll: Zwei neue Kunstprojekte in Heilbronns Innenstadt

Augenzwinkernd auf ein ernsthaftes Problem aufmerksam machen: Die Installation "Der König auf seiner Insel" von Bernd Hennig auf der Empore des Deutschordensmünster führt uns unseren Plastikmüll vor Augen.

Fotos: Andreas Veigel

Seine Arbeit "ist selbstredend, aber nicht vordergründig", hofft er. In einem Gewächshaus, einem Symbol für Gedeihen, in dem sich geschützt vor Wind und Wetter sonst Pflanzen entwickeln, wuchert Plastikmüll. Ungepresst zwölf Kubikmeter Material hat sich Hennig bei einer Recyclingfirma besorgt, eigener Plastikmüll ist auch dabei.

Die bunte Masse scheint das Glasgewächshaus zu sprengen, Verpackungsmüll und Plastikabfälle vertreiben den König aufs Dach, verwundert und mit nacktem Oberkörper starrt die kleine, goldene aus Epoxidharz modellierte Figur auf ihr Reich.

"Wir sind die Verursacher"

"Das Thema ist virulent. Obwohl Studien vorliegen, beuten wir mit jedem neuen Tag unsere Ressourcen aus", sagt Hennig, der einen ästhetisch-sinnlichen Zugang zu einer ernsthaften Frage anbietet. Wer mag, sieht in dem bunten Plastikmüll den einen oder anderen interessanten Faltenwurf - oder denkt an die Wirkung der Weichmacher in Kleinplastik. "Man muss das aber alles gar nicht wissen", sagt Hennig. Der Blick auf sein Gewächshaus, das auf einer Holzpalette wie auf einer Bühne thront, führt uns vor: "Es ist einfach zu viel, wir sind die Verursacher. Das holt uns ein."

Und ganz nebenbei versteht Heilbronns Museumschef Marc Gundel den hintersinnigen "König auf seiner Insel" als künstlerische Antwort auf den Buga-Zwerg Karl, "der an gestalterischer Einfallslosigkeit kaum zu überbieten ist".

Kunst im öffentlichen Raum: 2018 luden die Städtischen Museen 18 Künstler zum Ortstermin: Eine dreiköpfige Jury wählte fünf Projekte aus, die nun bis September in der Innenstadt ästhetisch-sinnliche und historische Bezüge zur Umgebung herstellen. 100 000 Euro kostet die Kunstaktion "Sie sind hier".

 

 
 

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