Wie Musikschulen während der Corona-Krise unterrichten

Region  Die Musikschulen weichen in Zeiten der Corona-Pandemie auf digitale Wege aus. Zwei Musikschulleiter aus der Region berichten über die aktuelle Situation und wie die neuen Unterrichtsmethoden ankommen.

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Die Musikschulen sind wegen der Corona-Krise zunächst bis zum 19. April geschlossen, der Unterricht findet im Moment online statt.

Foto: Freedomz/stock.adobe.com

Viele Menschen sind aufgrund der Corona-Pandemie derzeit im Home-Office. Doch für viele Berufe ist das Arbeiten von Zuhause deutlich schwieriger als bei anderen. Wie gehen Musikschulen und ihre Lehrer mit dieser schwierigen Lage um? "Wir haben uns breit aufgestellt und recht schnell einen Server eingerichtet, auf den jeder Lehrer Zugriff hat und auf dem Unterrichtsmaterialien heruntergeladen werden können", sagt Marco Rogalski, Leiter der Musikschule Unterer Neckar in Bad Friedrichshall, die rund 2000 Schüler hat.

"Wir machen derzeit Unterricht via Skype, Facetime oder Whatsapp. Es gibt schriftliche Hilfen, Bilder und Videos. Man braucht nur ein Handy, ein Tablet oder den PC." Über E-Mail oder Telefon vereinbaren Lehrer und Schüler dann einen Termin. Ähnlich läuft es auch an anderen Musikschulen. "Die Schüler können sich auch selbst per Video aufnehmen und es dem Lehrer dann schicken", sagt Andreas Straßer, Leiter der Musikschule Hohenlohe in Niederstetten. Beide Musikleiter machen deutlich: Den Eins-zu-Eins-Unterricht können die Onlinestunden nicht ersetzen, denn es gibt vereinzelt auch Technik- und Tonprobleme. "Es ist eine Zwischenlösung", sagt Rogalski.

Bislang keine Kündigungen

Der Schulbetrieb in den Gebäuden der Musikschulen ist zunächst bis zum 19. April eingestellt. "Wenn es nach den Osterferien normal weitergehen kann, ist es weniger als ein blaues Auge. Wenn es länger dauert, muss man auch schauen, wie wir mit Unterrichtserstattung umgehen", sagt Andreas Straßer. Die Auswirkungen seien schwer abzusehen. Wichtig sei vor allem die Solidarität der Eltern: "Die meisten waren sehr kulant und es gab fast keine Beschwerden", sagt Marco Rogalski. "Was im April passiert, wissen wir derzeit noch nicht, Man weiß ja nicht, wie sich die Lage entwickeln wird. Wir wollen mit größtmöglicher Kulanz auf die Eltern zugehen", so der Leiter. Kündigungen gab es an beiden Musikschulen bislang noch nicht.

Die temporären Umstellungen des Unterrichts sehen die beiden Schulleiter durchweg positiv. "Die Eltern beschäftigen sich wieder öfter mit ihren Kindern, endlich erleben sie intensiver, was Musik mit den Kindern machen kann. Die Eltern sind online auch mehr in den Unterricht eingebunden", sagt Marco Rogalski. "Und die Kinder üben mehr", ergänzt Andreas Straßer und lacht. Das Ganze sei "eine Zwangsdigitalisierung mit positivem Effekt". Wie es jetzt weitergeht? Der Onlineunterricht ist, so die beiden Musikleiter, eine Serviceleistung, um mit den Schülern und den Eltern in Verbindung zu bleiben.

Online- statt Livekonzerte

Beide sind sich einig, dass die Krise eher einen Imageaufschwung für die Musikschulen mit sich bringen wird. "So schlimm die Situation auch ist, bringt sie positive Dinge hervor. Ich hoffe, dass die Musikschulen gestärkt daraus hervorgehen, trotz der wohl kommenden finanziellen Schieflage von Bund, Ländern und Gemeinden", sagt Rogalski. "Vielleicht werden die Musikschulen in Deutschland danach auch mehr gesehen und kriegen vom Staat mehr Unterstützung", sagt Straßer.

Da viele Musikschulkonzerte in den kommenden Wochen und Monaten abgesagt wurden, beteiligen sich die Musikschulen auch an Flashmob-Aktionen und planen erste Online-Konzerte. "Wir wollen den Schülern mit diesen Events Ziele setzen", betont Andreas Straßer. Die Musikschule Hohenlohe beteiligte sich am vergangenen Sonntag an der Flashmob-Aktion, bei der von Musikern und Musikerinnen auf Balkonen und in Wohnzimmern in ganz Deutschland Beethovens "Ode an die Freude" gespielt wurde. Andreas Straßer startete einen Aufruf und hat 400 Einsendungen zu einem Video zusammengeschnitten.


Ranjo Döring

Ranjo Doering

Autor

Ranjo Doering arbeitet seit 2015 bei der Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als Redakteur bei der Hohenloher Zeitung ist er seit 2018 im Kulturressort tätig. Seine Schwerpunkte sind Musik, Film, Theater und Kabarett.

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