Welch ein Schmachten mit dem Heilbronner Sinfonie Orchester

Heilbronn  Das Heilbronner Sinfonie Orchester eröffnet seine Saison in der Harmonie Heilbronn mit "Opernsternen" und drei fabelhaften Solisten.

Von Michaela Adick
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Welch ein Schmachten mit dem Heilbronner Sinfonie Orchester

Saisonauftakt in der Harmonie mit dem Heilbronner Sinfonie Orchester Heilbronn unter Alois Seidlmeier und mit Solisten.

Foto: Andreas Veigel

Es spielen mit, in Undercover-Rollen gewissermaßen: ein Tunichtgut und egomanischer Überzeugungstäter wie Lorenzo da Ponte, der einst so lange auf Kaiser Joseph II einsprach, dass dieser doch noch sein Placet zu "Figaros Hochzeit" gab. Es spielen weiterhin mit in dieser überaus vergnüglichen Operngala des Heilbronner Sinfonie Orchesters in der Harmonie: ein vergrämter Georges Bizet, der ob des Misserfolgs seiner "Carmen" alsbald das Zeitliche segnete, und ein österreichischer Avantgardist aus dem frühen 20. Jahrhundert wie Erich Wolfgang Korngold, dem in Amerika der rote Teppich ausgerollt worden ist.

Seine Oper "Die tote Stadt" wurde zu einem Welterfolg. Das ist ein, vorsichtig formuliert, etwas seltsam anmutendes Gipfeltreffen. Willkommen bei den "Opernsternen", dem schon zur lieben Tradition gewordenen Saisonauftakt des HSO.

Von Höhepunkt zu Höhepunkt

Arien sollen hier wie immer auf dem Programm stehen, sehr viele Arien, eine ganze Arienkette, die sich von Höhepunkt zu Höhepunkt schwingt: und drei fabelhafte Solisten, die, es ist der Beginn der Saison, das Publikum fesseln dürfen. Nicht nur mit ihren Stimmen, ein wenig Showtalent ist beim beliebten wie beschwingten Saisonauftakt des Heilbronner Sinfonie Orchesters unter der Leitung von Alois Seidlmeier immer gerne gesehen.

Die Brüder Edelmann, Wiener Baritone und Sprösslinge einer renommierten Musikerfamilie, sind so ein keckes, verspieltes Paar, das, Solistenkarriere hin oder her, immer wieder gerne zusammen auftritt: Sie werden dem Affen Zucker geben, sei es im Duett Fluth-Falstaff aus Otto Nicolais "Die lustigen Witwen von Windsor" oder Gaetanos Donizettis Opera Buffa "Don Pasquale".

Das ist eine Schau

Wie sie sich als Malatesta und Don Pasquale ganz real und musikalisch ineinander verhaken, Malatesta und Don Paquale haben einander ganz zweifellos verdient, wie sie sich Hörner aufsetzen, sich verhöhnen: Das ist eine Schau. Ohne, dass sie künstlerisch oder gar sängerisch zurückstecken würden.

Peter Edelmann ist der Mann mit den großen Gesten, der Mann mit der reifen, etwas angerauteren Stimme. Paul Armin Edelmann, er ist der Bariton, der der Romanze des Wolfram aus Wagners "Thannhäuser" Statur gibt, ruhig und besonnen. Paul Armin Edelmann ist auch der Pierrot aus Korngolds "Die tote Stadt". Ganz schmal legt er "Mein Sehnen, mein Wähnen" an. Und ist so nur umso eindringlicher.

Das HSO begeistert durch Stringenz

Wie soll sich die junge kroatische Sopranistin Josipa Bainac zu diesen Testosteron-Heroen nur verhalten? Indem sie sich bewusst noch ein Stückchen zurück nimmt: In der Arie der Gräfin in Mozarts "Figaros Hochzeit" bezaubert Bainac mit ihrem konzentrierten Auftritt, in dem man der Gräfin geradezu beim Reflektieren zuhören kann.

"Dove sono", wo sind sie nur, die schönen Momente, wird zu einem innigen, melancholischen Moment. Bei dem man, all das Schmachten und Sehnen der Baritone hin oder her, auch das Augenmerk auf das Heilbronner Sinfonie Orchester lenken muss, das gerade in der Ouvertüre zu "Figaros Hochzeit" und der "Sinfonia" in Verdis "Macht des Schicksals" durch Stringenz begeistert.

Abschied nehmen heißt es nun von Albert Boesen, dem langjährigen Konzertmeister des HSO. Seit 2000 war er dem HSO verbunden, zuvor war Boesen 31 Jahre lang Konzertmeister des SDR Radiosinfonieorchesters Stuttgart. In einer einfühlsamen Laudatio erinnert HSO-Vorsitzender Harald Friese an die Zusammenarbeit, die er mit einer Ehrenmitgliedschaftwürde auszeichnet. "Eine gelungene musikalische Zweierbeziehung."

Das Publikum tobt vor Begeisterung

"Von Stund" an" denkt Orchestervorstand Sylvia Gassert in ihrer Rede an Boesens Einstand zurück, "saßen wir an der Stuhlkante". Peter Edelmann steht bereit: Mit Hingabe und schauspielerischem Talent gibt er Bizets Escamillo: "Votre toast, je peux vous le rendre." Dieser Gassenhauer wurde einst von der Kritik verschmäht. Kaum zu glauben. Die Operngala geht weiter, das Publikum tobt vor Begeisterung. Zwei Zugaben.

Zur Person: Peter und Paul Armin Edelmann stammen aus einer bekannten Wiener Musikerfamilie, ihr Vater war der Bassbariton Otto Edelmann. 1962 und 1968 geboren, waren beide Wiener Sängerknaben. Peter wird an die Deutsche Oper Berlin engagiert. Paul Armin ist nach einem Engagement in Koblenz viel angefragt.

 


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