Was es beim ersten Festival Science & Theatre zu sehen gibt

Heilbronn  Stadttheater und Experimenta kooperieren beim 1. internationalen Festival Science & Theatre vom 6. bis 9. November: Es gibt sechs Inszenierungen, Vorträge und einen Dramenwettbewerb in der Experimenta und der Boxx des Theaters.

Von Claudia Ihlefeld

Beim Festival Science & Theatre treffen sich in Heilbronn Wissenschaft und Theater
Mit „Kafka in Wonderland“ vom deutsch-israelischen Duo Half past selber schuld wird das Festival eröffnet. Foto: Krischan Ahlborn

Dass sich Theater mit Zukunftsfragen beschäftigt, ist nicht neu. Auch nicht, dass Wissenschaft zur Vermittlung auch theatrale Formen nutzt. Neu ist, dass eine private Institution wie die Experimenta Heilbronn und das Stadttheater sich zusammentun, um Fragen nach dem gesellschaftlichen Wandel und der Zukunft zu stellen.

Wissenschaft trifft Theater heißt es beim Festival Science & Theater - dem ersten Festival dieser Art -, wenn vom 6. bis 9. November sechs internationale Gastspiele in elf Vorstellungen präsentiert werden in der Experimenta und in der Boxx des Theaters. Sowohl Thematik als auch Formate der eingeladenen Inszenierungen sind breit gefasst: Schauspiel, Performance, Robotik, Tanz, Animation und Figurentheater für Kinder und Erwachsene.

Dieter-Schwarz-Stiftung finanziert das Festival

Das Festival wird mit einem Betrag im oberen fünfstelligen Bereich von der Dieter-Schwarz-Stiftung finanziert. Eine exakte Zahl wollte Experimenta-Geschäftsführer Wolfgang Hansch am Dienstag nicht nennen bei der Präsentation gemeinsam mit Theaterintendant Axel Vornam und Chefdramaturg Andreas Frane, der das Festivalprogramm kuratiert. Begleitende Vorträge und Diskussionen hat Christian Sichau von der Experimenta zusammengestellt.

Ein Dramenwettbewerb für noch nicht ur- oder im deutschsprachigen Raum erstaufgeführte Theatertexte ist ein weiterer Teil des Festivals: Generalthema der Stücke: der optimierte Mensch. Durch 27 Texte, überwiegend aus dem deutschsprachigen Raum, aus Großbritannien, den USA und Frankreich, hat sich eine fünfköpfige Jury gearbeitet. Die drei besten werden in szenischen Lesungen vom Ensemble des Heilbronner Theaters vorgestellt.

Beim Festival Science & Theatre treffen sich in Heilbronn Wissenschaft und Theater

Festivalkurator Andreas Frane (l.), Theaterintendant Axel Vornam, Experimenta-Geschäftsführer Wolfgang Hansch, Kenan Bromann (Technik, Science Dome).

Foto: Berger

Der Science Dome könnte zur vierten Spielstätte des Theaters werden

Das mit 5000 Euro dotierte Gewinner-Drama wird nächstes Jahr als Inszenierung des Theaters im Science Dome aufgeführt. Denn die Kooperation ist keine Eintagsfliege, sondern längerfristig geplant. So dass sich der Science Dome als eine Art vierte Spielstätte des Stadttheaters etablieren könnte. Seit 2015 stehen Experimenta und Theater im Kontakt.

"Was uns fehlt", sagt Wolfgang Hansch aus der Sicht des "nüchternen Wissenschaftlers", sei zu fragen, wie Naturwissenschaften und Technik die Gesellschaft verändern. Hier tritt die Schauspielkunst auf den Plan, "weil Theater sehr viel mehr emotionalisieren kann".

Neue Spielweisen und Ästhetiken ausprobieren

Andererseits sieht Axel Vornam, der sich als Verfechter eines Theaters versteht, das sich mit Gegenwartsfragen beschäftigt, die Kooperation als Chance, neue Spielweisen, Formen und Ästhetiken auszuprobieren, "die im alltäglichen Theaterbetrieb nicht möglich sind". Welche Stücke das Theater für das erste Festival ausgewählt hat?

"Kafka in Wonderland", eine Produktion des deutsch-israelischen Künstlerduos Half past selber schuld, eröffnet im Science Dome der Experimenta und blickt in die Zukunft: Im Jahr 2053 verkauft die Firma Wonderland endloses Leben durch den Upload des Bewusstseins in die Wonderland Cloud: ein Bühnencomic mit Musik, Tanz, Trickfilm und Puppenspiel mit philosophischer Dimension.

Das Junge Staatstheater Berlin, Theater an der Parkaue, kommt mit dem preisgekrönten Stück "In dir schläft ein Tier" von Oliver Schmaering in die Boxx und ist den beiden Wissenschaftlern Paul Ehrlich und Emil von Behring auf der Spur und deren Erforschung eines Mittels gegen Diphterie.

Eine begehbare Performance mit dem Théâtre Nouvelle Génération

Ganz ohne Menschen, dafür als Dialog zwischen Maschinen kombiniert das Théâtre Nouvelle Génération aus Lyon in "Artefact" Theater mit 3D-Druck-Technoloige und Robotik. Das charmante Thema dieser begehbaren Performance in der Experimenta: Eine von Menschenhand geschaffene künstliche Intelligenz verspürt das Bedürfnis, sich durch Schauspiel ausdrücken.

In "Dr. Wahn - die allumfassende Theorie der Welt" verquickt Paul Kaiser aus München Relativitätstheorie, Quantenphysik, Religion, Mystik, Frau und Mann zur physikalisch-philosophischen Show.

Das Brachland Ensemble aus Nürnberg, Hamburg und Brüssel führt in "The Curiosity of Brain" theatrale Hirnforschung vor als eine Mischung aus Physical Theatre und Animationsfilm: in einer Variante für Kinder und einer für Erwachsene im Science Dome. Am selben Tag in der Boxx übertragen Meinhardt & Krauss aus Stuttgart den Pygmalion-Stoff - also, wie man einen Menschen/ein Wesen nach seinen Wünschen schaffen kann - in die Welt der Künstlichen Intelligenz. "Eliza uncanny love" wird erst kurz davor, am 1. November, uraufgeführt.


Kartenvorverkauf: Besucherservice des Theaters unter Telefon 07131 563001 und 563050, per Mail an kasse@theater-hn.de oder online unter www.theater-heilbronn.de

Festivalprogramm: Sechs Inszenierungen, ein Dramenwettbewerb und begleitende Vorträge sind drei Säulen des Festivals Science & Theatre. "Geht es auch ohne Helden", fragen Axel C. Hüntelmann von der Charité Berlin und Falk Rieß von der Uni Oldenburg und sprechen über Wissenschaftsgeschichte und Irrtümer. Simone Kimpeler vom Fraunhofer-Institut Karlsruhe und Sabine Maasen von der TU München sind Gesprächspartnerinnen beim Vortrag "Müssen wir vor der Zukunft Angst haben?".

 

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