Was die Corona-Krise für die Kinos in der Region bedeutet

Region  Die Kinos sind derzeit geschlossen, Filmstarts großer Blockbuster sind auf Herbst und Winter verschoben. Für kleinere Häuser hat dies massive Folgen. Welche Auswirkungen die Corona-Krise auf die Kinos in der Region hat, erzählen zwei Betreiber im Gespräch.

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Der Vorhang bleibt zu: Die Corona-Krise trifft die Filmwirtschaft mit voller Wucht, Kinos sind derzeit geschlossen. Mit staatlichen Hilfen soll die schwierige Zeit für Kinobetreiber überbrückt werden.

Foto: dpa

Die Corona-Krise lähmt den Filmbetrieb: Die Kinos sind derzeit geschlossen, Dreharbeiten gestoppt, die Premieren großer Blockbuster wie dem neuen James Bond oder der Fortsetzung von "Top Gun" mit Tom Cruise wurden auf Herbst oder Winter verschoben. Was bedeutet diese Situation für Kinobetreiber?

"So eine Lage gab es seit Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr", sagt Michael Rösch, Geschäftsführer von Kinostar, die unter anderem das Arthaus-Kino in Heilbronn und das Scala in Neckarsulm betreiben. "Es ist einschneidend und es wird Verluste geben. Aber wir sind guter Dinge, dass es in einigen Wochen vorbei sein wird. Finanziell haben wir einige Rücklagen, so dass wir nicht in Schieflage geraten", sagt Rösch. Für kleinere Kinos könne es jedoch schwer werden. "Ich denke, dass es eine Pleitewelle mit einigen Schließungen geben wird", mutmaßt Rösch.

"Die Folgen dieser Krise kann man noch nicht abschätzen. Wir haben derzeit keine Umsätze und die Zeit nach der Schließung ist relativ unsicher", sagt Nenad Tomasinjak, Betreiber des Prestige Filmtheaters in Künzelsau. Am 16. März musste der 47-Jährige sein Kino mit vier festangestellten Mitarbeitern und acht Aushilfskräften schließen.

Gutscheine kaufen und Kinos über eine Online-Plattform unterstützen 

Wie kann man die Kinos in der schwierigen Corona-Lage unterstützen? "Am besten, in dem man Gutscheine kauft. Die kann man nach der Krise dann ganz normal einlösen", sagen Michael Rösch und Nenad Tomasinjak. Darüber hinaus kann man sein Lieblings-Kino auf der Plattform www.hilfdeinemkino.de unterstützen. "Dort kann man sich die Werbefilme, die normalerweise vor dem Film laufen, anschauen und dann geht ein kleiner Betrag an das jeweilige Kino."

Die Kinos haben ihre Betriebskosten heruntergefahren und Soforthilfen beantragt

Beide Kinobetreiber haben sich sofort für staatliche Soforthilfen angemeldet, die festen Mitarbeiter sind übergangsweise in Kurzarbeit. Um seine Mini-Jobber zu unterstützen, setzt Tomasinjak auch auf ein besonderes Projekt. "Es gibt Geistervorstellungen, die eigentlich nicht stattfinden. Die Kunden können ein Ticket kaufen und das Geld geht dann direkt an die Mini-Jobber", so der Kinobetreiber (unter www.prestige-filmtheater.de).

Die Betriebskosten haben die beiden Kinos so gut es denn geht heruntergefahren. "Sollte diese Krise länger als drei Monate dauern, vielleicht sogar bis tief in den Sommer, dann muss man mit staatlichen Hilfen nachlegen", sagt Tomasinjak. "Wenn man sich Nachbarländer wie Frankreich anschaut, wird die Kinolandschaft in Deutschland zu wenig gefördert. Wir werden aber gerade auch nicht hängengelassen", betont der 47-Jährige mit Blick auf die staatlichen Krisenhilfen.

Dass die Menschen während der Corona-Krise mehr Zuhause sind, spielt Streamingplattformen in die Karten. Ein Punktsieg also für Netflix, Amazon Prime und Co? "Vielleicht kurzfristig. Sie generieren jetzt mehr Abos und Umsatz", sagt Michael Rösch.

"Ich glaube aber, die Leute werden dessen auch müde. Wenn im September oder Oktober ein starker Film im Kino läuft, dann kommen die Leute auch wieder. Es wird sich hoffentlich wieder normalisieren", sagt Tomasinjak, der seit 2004 als Kinobetreiber tätig ist, und die Höhen und Tiefen des Geschäfts kennt. "Wir hatten 2018 ein katastrophales Kinojahr mit Fußball-WM, sieben Monaten Sommer und keinen großen Blockbustern. Als Kino-Mann ist man leidensfähig, unsere Branche ist ein schwankendes Geschäft." Irgendwie gehe es immer weiter. Denn: "Kino ist ein wichtiges Kulturgut", sagt Tomasinjak.

Gibt es nach der Corona-Krise ein Über- oder Unterangebot an Filmen?

Auf die Zeit nach der Corona-Krise blicken die beiden Kinobetreiber mit Spannung. Gibt es einen Filmstau? "Es wird erstmal ein Unterangebot geben, die ersten Monate werden schwierig" mutmaßt Tomasinjak. "Ich glaube, erst mit James Bond im November kommt wieder Schwung ins Kino." Und das Arthaus-Kino? "Wir bleiben natürlich auch nach der Krise unserem Konzept treu und zeigen auch Filme abseits des Mainstreams", sagt Rösch.


Ranjo Döring

Ranjo Doering

Autor

Ranjo Doering arbeitet seit 2015 bei der Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als Redakteur bei der Hohenloher Zeitung ist er seit 2018 im Kulturressort tätig. Seine Schwerpunkte sind Musik, Film, Theater und Kabarett.

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