Vor Konzert in Heilbronn: Es gibt keine Kelly-Hasser mehr

Heilbronn  Am Sonntag, 16. Juni, kommt die Kelly Familiy für ein Konzert in den Heilbronner Wertwiesenpark. Im Interview spricht Gitarrist Joey über den Erfolg der Kellys und über Veränderungen auf Tour.

Von Ranjo Doering
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Vor Kelly-Family-Konzert in Heilbronn: Joey Kelly im Interview

Foto: dpa

Mitte der 90er Jahre feierte die Kelly Family in Deutschland große Chart-Erfolge, löste vielerorts eine Fanhysterie aus. 2017 feierte die Familienband ihr Bühnen-Comeback, am 16. Juni, 19.30 Uhr, kommen die Kellys für ein Konzert in den Heilbronner Wertwiesenpark. Im Interview spricht Gitarrist Joey Kelly über die Anfänge als Straßenmusiker und die Veränderungen auf Tournee.

 

Herr Kelly, 2017 gab die Kelly Family ihr erfolgreiches Comeback. Kam die Reunion für Sie überraschend?

Joey Kelly: Ich hätte nicht gedacht, dass wir es als Familie schaffen, noch einmal zusammenzukommen und gemeinsam Musik zu machen. Jeder hatte eigene Projekte, doch mein Bruder Angelo hat die Familie wieder zusammengetrommelt. Dass das Comeback dann so erfolgreich wird, damit habe ich nicht gerechnet.

 

Auch in den 90er Jahren waren Sie erfolgreich, haben rund 20 Millionen Tonträger verkauft. Da blieb auch der Spott nicht aus mit Bezeichnungen wie "singende Altkleidersammlung" oder "Hippie-Sekte". Wie gingen Sie als Familie damit um?

Kelly: Ich kann nur für mich sprechen: Ich kam sehr gut damit klar, mir war es egal. Ich bin stolz, ein Kelly zu sein. Dieser Spott ist inzwischen vorbei, trotz der heutigen Möglichkeiten mit sozialen Medien. Es gibt keine Kelly-Hasser mehr. Wahrscheinlich haben alle Kelly-Hasser inzwischen Kelly-Fans geheiratet (lacht).

 

Wie schafft man es, im Haifischbecken der Musikindustrie zurechtzukommen, aber gleichzeitig als Familie integer zu bleiben?

Kelly: Wir haben dieses Problem nie wirklich gehabt. Wir arbeiten nicht in diesem Haifischgeschäft, wir sind ja keine Kunstfiguren. Wir managen uns selbst, haben eine unglaublich treue und loyale Fanbase und müssen uns nicht mehr mit irgendjemand messen lassen oder in Konkurrenz treten.

 

Die Anfänge der Band liegen auf der Straße, Ihre Familie war musikalisch überall in Europa unterwegs.

Kelly: Es war eine schöne, aber auch harte Zeit. Wir haben bei Wind und Wetter in vielen Städten gespielt, haben übrigens auch Straßenkonzerte in Heilbronn und Stuttgart gegeben. Wir waren fast immer pleite. Die Familie hat seit den 70ern hart gekämpft, acht Jahre waren wir auf der Straße, bis uns in den 90ern der kommerzielle Durchbruch gelang. Es hat sich ausgezahlt, dass wir diesen Weg genommen haben und dass wir diese Ausdauer hatten.

 

Was denken Sie, macht den Erfolg der Kelly Family aus?

Kelly: Es ist ungewöhnlich, dass eine Familie solange zusammenhält und gemeinsam Musik macht. Wir sind unter ganz besonderen Umständen aufgewachsen, waren viel auf Reisen. Es ist einfach alles sehr authentisch.

 

Besonders war auch die Erziehung: Sie wurden von Ihren Eltern zu Hause unterrichtet, haben nie eine konventionelle Schule besucht. Wie hat Sie dieser Umstand geprägt?

Kelly: Ich denke, ich habe diese Learning-by-doing-Mentalität mitgenommen. Die Straße war die Schule. Ich habe gelernt, wie ich Herausforderungen annehme und mit Niederlagen umgehe.

 

Früher waren Sie viel auf Tournee, lebten auf einem Hausboot. Inzwischen leben Sie mit Ihrer eigenen Familie in der Nähe von Bonn. Hat sich das am Anfang befremdlich angefühlt, nur an einem Ort zu leben?

Kelly: Nein. Das war eine bewusste Entscheidung, ich mag dieses Leben. Vielleicht ist das aber der Grund, warum ich Ausdauer- und Extremsport mache. Das Ungewöhnliche und Abenteuerliche − das ist wahrscheinlich noch von damals hängengeblieben.

 

Sie haben vier Kinder. Treten die in Ihre musikalischen Fußstapfen?

Kelly: Ich rede über meine Kinder nicht in der Öffentlichkeit. Sie sollen ihren eigenen Weg finden. Nur soviel: Mein ältester Sohn Luke ist volljährig und macht schon länger Musik, er spielt Klavier.

 

Zurück zur Bühne: Was hat sich auf Tour seit den 90ern verändert?

Kelly: Jede Menge. Fast alle von uns haben inzwischen Familie, die dann auch auf Tour dabei ist. Jeder hat sich natürlich weiterentwickelt, ist erwachsen geworden. Geprägt ist unser Umgang aber nach wie vor von gegenseitigem Respekt und Dankbarkeit, dass wir immer noch auf Tour gehen dürfen. Die Fans sind nicht mehr so wild wie früher, wir haben auf der ganzen Tour keine persönlichen Securitys.

 

Das war zu den Hochzeiten in den 90ern sicher anders.

Kelly: Damals, zu den "Bravo"-Zeiten, waren unsere Fans im Teeniealter, und man musste uns regelrecht abschotten. Mich hat das damals nicht so direkt betroffen, ich stand nicht so im Fokus wie meine beiden Brüder Patrick und Angelo.


Konzert im Wertwiesenpark

Sonntag, 16. Juni, 19.30 Uhr, Tickets ab 61,90 Euro in den Geschäftsstellen unserer Zeitung und www.eventim.de.


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