Unterschiedliche Vorstellungen über die Zukunft des WKO Heilbronn

Heilbronn  Warum sich das Württembergische Kammerorchester Heilbronn von seiner Intendantin Madeleine Landlinger trennt, darüber darf spekuliert werden. Der Stiftungsrat und die Betroffenen möchten sich nicht äußern.

Von Claudia Ihlefeld
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Unterschiedliche Vorstellungen über die Zukunft des WKO Heilbronn

Als die Welt noch in Ordnung war: Stiftungsratsvorsitzender Ralf Peter Beitner (links), WKO-Chefdirigent Case Scaglione, Intendantin Madeleine Landlinger.

Foto: Archiv/Veigel

Für Musiker des Württembergischen Kammerorchesters Heilbronn kommt die Nachricht "sehr, sehr überraschend". Mitten in der Sommerpause ging am Mittwoch "ohne Vorlauf" an alle WKO-Mitarbeiter die Pressemitteilung, dass sich das WKO und seine geschäftsführende Intendantin Madeleine Landlinger zum 1. Januar 2020 trennen (wir berichteten).

Auch wenn Insider sagen, "das Ganze geht schon länger": Die Personalie überrascht. Zumal Landlingers Vertrag 2018 für vier weitere Jahre verlängert wurde. Der Wortlaut der Pressemitteilung macht neugierig: "Wie der Vorsitzende des WKO-Stiftungsrats Ralf Peter Beitner mitteilt, wird Madeleine Landlinger das Orchester (...) verlassen, da Stiftungsrat und Stiftungsvorstand unterschiedliche Vorstellungen über die zukünftige strategische Ausrichtung des internationalen Klangkörpers haben."

"Wir werden die Angelegenheit zunächst nur intern besprechen"

Worin die unterschiedlichen Vorstellungen bestehen, darauf wollte Beitner am Mittwoch auf Anfrage der Heilbronner Stimme nichts sagen. "Wir werden die Angelegenheit zunächst nur intern besprechen." Auch gestern wollte er sich nicht zur weiteren Entwicklung äußern.

Generell gibt man sich zugeknöpft in der Causa Landlinger. "Ich bitte um Verständnis, dass auch ich mich über die Pressemitteilung nicht öffentlich äußern werde", so Heilbronns Kulturbürgermeisterin Agnes Christner. Intendantin Landlinger, WKO-Chefdirigent Case Sacaglione sowie Presse- und Öffentlichkeitsarbeiterin Heike Denscheilmann waren ebenfalls nicht für ein Statement zu haben.

"Bitte beachten Sie, dass das Orchesterbüro bis 26. 8. 2019 geschlossen ist", schließt die Pressemitteilung mit dem Betreff "Neuausrichtung", die Denscheilmann am Mittwoch den Medien versandt hatte. "Bitte haben Sie Verständnis, dass ich der PM nichts hinzufügen kann", schreibt Madeleine Landlinger gestern auf unsere E-Mail-Anfrage, warum sie das WKO vor Vertragsende verlässt.

Es ist mit einer Interimslösung zu rechnen

Großer Erfolg für das Württembergische Kammerorchester Heilbronn auf der Bundesgartenschau mit Mozarts Oper „La finta giardiniera“ in Kooperation mit dem Heilbronner Theater. Foto: Thomas Braun

Dass der WKO-Stiftungsrat nun schleunigst die Intendantenstelle ausschreiben muss, liegt auf der Hand. Stiftungsratsvorsitzender Ralf Peter Beitner geht davon aus, dass die Stelle nicht vor Mitte 2020 neu besetzt wird. Auf die Schnelle eine solch kardinale Stelle wie die eines geschäftsführenden Intendanten zu besetzen, dürfte schwierig werden. Ab 1. Januar 2020 ist mit einer Interimslösung zu rechnen.

Wo sich keiner der führenden Köpfe äußern darf, kann oder will, da schießen die Gerüchte ins Kraut. Warum hat der Stiftungsrat die Reißleine gezogen? Wurden zu wenige Konzerte verkauft, wurde das WKO an B-Orte geschickt, statt die Beziehungen zu renommierten Tourneespielorten zu pflegen? Waren die Musiker unzufrieden mit ihrer Intendantin?

Aus dem Stiftungsrat war wiederholt zu hören, dass Kritik seitens der Musiker keine Rolle spiele für Entscheidungen bezüglich der Zusammenarbeit. Von Case Scaglione ist bekannt, dass er zu seinem Orchester steht, dessen musikalische Qualitäten er äußerst schätzt.

Die Findungskommission für die Nachfolge steht

Bereits am Dienstag hat der Stiftungsrat die Findungskommission für die Nachfolge Landlinger gebildet, der unter Vorsitz von Ralf Peter Beitner Heilbronns Kulturbürgermeisterin Agnes Christner für die Stadt, Ministerialrätin Astrid Schäffner für das Land, WKO-Musikerin Konstanze Felber-Faur angehören - und als Berater Christoph Becher, der Vorgänger von Madeleine Landlinger. Becher, inzwischen Intendant des ORF Radio Symphonie Orchesters Wien, und sein Netzwerk, so hofft der Stiftungsrat, "werden für uns sehr nützlich sein".

WKO-Stiftung

Unternehmer und Privatleute sind 2012 die 21 Gründungsstifter der Stiftung, die seither Träger des Württembergischen Kammerorchesters ist. Organe der Stiftung sind Stiftungsrat und Stiftungsvorstand. Stiftungsratsvorsitzender ist Ralf Peter Beitner, Vorstandsvorsitzender der KSK Heilbronn, Vorsitzende des Stiftungsvorstands ist die noch geschäftsführende Intendantin des WKO, Madeleine Landlinger. In der Saison 2017/18 betrug das Stiftungskapital 136 300 Euro. Der Zuschuss der Stadt Heilbronn beträgt 833 947 Euro im Jahr 2019 und 853 545 Euro im Jahr 2020. Das Land fördert in ähnlicher Höhe.

 

 


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