Til Schweiger stellt neuen Film in Ludwigsburg vor

Ludwigsburg  Til Schweiger hat seinen wenig gelungenen Film „Die Hochzeit“ bei einem Screening im Scala-Kino in Ludwigsburg vorgestellt. Der Streifen folgt der Schablone S wie Schweiger.

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Glückliches Paar: Thomas (Til Schweiger, Mitte) will seiner Freundin Linda (Stefanie Stappenbeck) das Ja-Wort geben. Doch auf dem Weg zur Hochzeit kommt es zu einigen Turbulenzen. Foto: Warner Bros. Deutschland

Seit Jahren schon werden die Filme von Til Schweiger der Presse nicht vorab gezeigt. Deshalb ist es schon etwas Besonderes, dass die Komödie „Die Hochzeit“, bei der der 56-Jährige nicht nur Regie führt, sondern auch produziert und die Hauptrolle übernimmt, knapp eine Woche vor Kinostart zu sehen ist – bei einem exklusiven Screening im Scala-Kino in Ludwigsburg.

Der Abend ist für Mitarbeiter der Walheimer Schuhmarke Sioux und deren Partner, mit denen Til Schweiger aufgrund einer Schuhkollektion zusammenarbeitet. Schweiger, leger mit Jeans, blauem Pulli und Sneakern gekleidet, ist persönlich anwesend, plaudert entspannt mit den Gästen, für manchen Pressevertreter ist da nur flüchtig Zeit.

Im Film trifft man auf bekannte Protagonisten

„Die Hochzeit“ ist die Fortsetzung von Schweigers „Klassentreffen 1.0 – Die unglaubliche Reise der Silberrücken“ – beide basieren auf der dänischen Komödien-Trilogie „Klassenfesten“, die zuvor auch schon in Finnland und Estland neu aufgelegt wurde.

Und so trifft man auch in Teil zwei auf die schon bekannten Protagonisten: Andreas (Milan Peschel), der nach langer Beziehung vergeblich versucht, sein Single-Dasein wieder zu genießen, Nils (Samuel Finzi), den die Affäre seiner Frau Jette (Katharina Schüttler) in eine Existenzkrise stürzt, und den erfolgreichen DJ Thomas (Til Schweiger), dessen neues Album von den Kritikern in der Luft zerrissen wird, und der kurz vor der Hochzeit mit seiner großen Liebe Linda (Stefanie Stappenbeck) steht. Die Vorbereitungen für die minutiös geplante Hochzeit werden jedoch von einem überraschenden Todesfall über den Haufen geworfen. So viel zur Ausgangslage.

Die Figuren wirken wie Karikaturen

Sioux Geschäftsführer Lewin Berner neben Til Schweiger. Foto: Sioux

Was folgt, ist ein Film nach Schema S wie Schweiger, gestanzt aus der Erfolgsschablone des Filmemachers. „Klassentreffen 1.0“ war 2018 mit 1,1 Millionen Zuschauer einer der meistbesuchten Filme des Jahres. Auch der Nachfolger ist eine Aneinanderreihung abgestandener Gags: Schafe auf der Landstraße, eine Kuchenschlacht auf der Hochzeit, peinliche Flirtversuche am Speeddating-Abend, Slapstick-Einlagen auf einer Beerdigung.

Hölzern und selbstverliebt gibt Schweiger den Protagonisten, der das Problem des Films auf den Punkt bringt: Die Figuren wirken wie Karikaturen und arbeiten sich an den Themen Freundschaft, Liebe und Älterwerden ohne jeden Tiefgang ab. Milan Peschel („Halt auf freier Strecke“) und Samuel Finzi („Der Hauptmann“), die in Schweiger-Filmen abonniert sind, sind von ihren One-Liner-Figuren schlichtweg unterfordert. Selbst platte Sprüche wie „Suche Mann mit Pferdeschwanz. Frisur egal“ finden hier wie selbstverständlich ihren Platz. Auch Schweigers Tochter Lilli, die in einem Nebenstrang mit ihren eigenen Liebes- und Freundschaftsproblemen kämpft, bleibt blass.

Ein fader Beigeschmack 

Ein häufiges Grundmotiv in Schweiger-Filmen ist die Selbstversicherung der Manneskraft, in „Die Hochzeit“ mit Fremdschäm-Momenten auf die Spitze getrieben: Andreas, der sich vor einem Schäferstündchen eine Packung Potenzmittel einwirft und anschließend mit den lange nachwirkenden Konsequenzen zu kämpfen hat. Knapp zwei Stunden mühen sich die platten Figuren durch sterile Hochglanzwelten, die eher aus dem Ikea-Katalog oder dem Instagram-Kanal eines Influencers stammen könnten, als aus dem realen Leben. Anstrengend auf Dauer ist auch der aggressive Einsatz von Produktplatzierungen.

Klar, bei Kinoblockbustern ist es inzwischen gang und gäbe, dass bekannte Automarken durchs Bild rollen oder Produkte von namhaften Elektronikanbietern genutzt werden. Schweiger bringt in „Die Hochzeit“ nicht nur seine eigene Biermarke unter, sondern entlockt Peschel auch noch ein „Schmeckt das gut“. Ein fader Beigeschmack bleibt.

 

„Ich mache im Sommer einen Film, in dem ich den Vater eines bipolaren Kindes spiele“

Til Schweiger

 

Wer sich ohne großen Anspruch berieseln lassen will, wird von Schweigers neuestem Streifen sicherlich gut bedient. Doch nur in wenigen Momenten gelingt es dem hochkarätig besetzten Cast, im schon früh vorhersehbaren Plot zu überraschen.

Dass er es filmisch deutlich besser kann, hat Til Schweiger schon bewiesen: mit dem von Dieter Hallervorden getragenen einfühlsamen „Honig im Kopf“ (2014) und dem charmanten „Keinohrhasen“ (2007). Was er als nächstes plant? „Ich mache im Sommer einen Film, in dem ich den Vater eines bipolaren Kindes spiele“, verrät Schweiger beim Interview vor dem Screening. Bleibt zu hoffen, dass ihm das wieder besser gelingt.


Ranjo Döring

Ranjo Doering

Autor

Ranjo Doering arbeitet seit 2015 bei der Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als Redakteur bei der Hohenloher Zeitung ist er seit 2018 im Kulturressort tätig. Seine Schwerpunkte sind Musik, Film, Theater und Kabarett.

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