"Tagesthemen"-Moderator Ingo Zamperoni im Carmen-Würth-Forum

Künzelsau  In der Gesprächsreihe "Treffpunkt Forum" gab der Journalist am Dienstagabend Einblicke in seinen beruflichen Werdegang und die tägliche Arbeit in den Medien. Dem Publikum in Künzelsau verrät er am Ende auch, dass er an einem besonderen Tag Geburtstag hat.

Journalist Ingo Zamperoni sprach im Würth-Forum über seinen Werdegang und US-Präsident Donald Trump.

Foto: Matthias Heibel

Der Einstieg in den Journalismus war für Ingo Zamperoni nicht leicht. "Mein erster Tag im Volontariat beim Norddeutschen Rundfunk war der 11. September 2001", erzählt der 45-Jährige mit Blick auf die Terroranschläge in den USA. Doch: "Für Journalisten sind Katastrophen, so schlimm sie auch sind, Bewährungsproben."

Seit den schwierigen journalistischen Anfängen ist in Zamperonis Leben einiges passiert: Von 2012 bis 2014 war er Moderator der "Tagesthemen", arbeitete bis 2016 als Korrespondent für das ARD-Auslandsstudio in Washington. Anschließend wurde er in der Nachfolge von Thomas Roth erneut "Tagesthemen"-Moderator.

Am Mittwochabend war Zamperoni Gast bei der Gesprächsreihe "Treffpunkt Forum" im Carmen-Würth-Forum in Künzelsau. Im Interview mit Moderatorin Bernadette Schoog gab er Einblicke in seinen Werdegang und die tägliche Arbeit in den Medien.

Geprägt hat Ingo Zamperoni seine Zeit in den USA

Besonders geprägt hat Zamperoni seine Zeit als Auslandskorrespondent in den USA, die 2015 mitten in den Wahlkampf von Donald Trump und Hillary Clinton fiel. "Verrückt", sagt Zamperoni rückblickend. 2018 hat er das Buch "Anderland: Die USA unter Trump - ein Schadensbericht" veröffentlicht.

"Alles, was Trump tut, macht er nicht ohne Motive. Er ist effektiv, weil er weiß, dass alles medial aufgegriffen wird." Für Zamperoni ist der US-Präsident "nicht auf der intellektuellen Flughöhe von Barack Obama", ihn als "Dorftrottel" abzustempeln, greife jedoch zu kurz. "Er hat politisches Talent und spricht die Leute direkt an. Es ist eine Show."

Zamperoni, Sohn einer Deutschen und eines Italieners, wurde in Wiesbaden geboren. Verheiratet ist er mit einer US-Amerikanerin - und bezeichnet sich als "Italo-Hesse". Sein erneutes Engagement bei den "Tagesthemen" 2016? Eine Herausforderung. "Es ist ein Schreibtischjob", sagt Zamperoni. Dazu gehören Themenplanung, Manöverkritik, Recherche, Vorbereitung und das Schreiben von eigenen Texten - ein "Tagesthemen"-Sprecher bringt immer eine persönliche Note in seine Moderation mit ein. Eine Gratwanderung für einen Journalisten.

"Man muss die Glaubwürdigkeit behalten. Es ist schwer, sich zu positionieren, denn vieles wird als eigene Meinung gedeutet. Man muss eine Thematik aber von allen Seiten beleuchten", sagt Zamperoni, dem manche Themen auch nach Sendungsende noch nachgehen: "Ich fahre deshalb immer mit dem Fahrrad zur Arbeit. Das ist eine Auszeit und ein guter Ausgleich."

Sein Geburtstag am 3. Mai ist ein besonderes Datum

"Die besten Erklärer des Tages" sein oder "der Fels in der Nachrichtenwelle", so bezeichnet Zamperoni das Aufgabenfeld eines Journalisten - ganz besonders in Zeiten von Internet und Smartphones: "Wir müssen den Menschen umso mehr die Zusammenhänge und Auswirkungen für die Gesellschaft erklären."

Nach 80 Minuten endet der Gesprächsabend mit einer netten Anekdote. Zamperonis Bruder, der als Gynäkologe arbeitet, wurde am Internationalen Frauentag am 8. März geboren, der Moderator selbst am 3. Mai, dem Tag der Pressefreiheit. "Vielleicht eine Art Vorsehung", sagt er augenzwinkernd.

 


Ranjo Döring

Ranjo Doering

Autor

Ranjo Doering arbeitet seit 2015 bei der Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als Redakteur bei der Hohenloher Zeitung, ist er seit 2018 im Kulturressort tätig. Seine Schwerpunkte sind Musik, Theater und Kabarett.

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