Stephan Szász ist der neue Götz bei den Burgfestspielen Jagsthausen

Jagsthausen/Berlin  Vielbeschäftigt: Stephan Szász mag die Magie historischer Spielstätten und ist den Freilichtspielfreunden der Region aus Schwäbisch Hall bekannt. Premiere von Goethes "Götz von Berlichingen" ist am 19. Juni.

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TV-, Kino- und Theaterschauspieler Stephan Szász ist der Götz bei den Burgfestspielen Jagsthausen

"Der Götz ist ein aufrechter Kämpfer, er steht für eine Sache ein": Noch ist die Rolle weit weg für Stephan Szász, den viel beschäftigten Schauspieler, der diesen Sommer die Titelrolle in Goethes Klassiker in Jagsthausen übernimmt.

Foto: Orlowsky

Neues Jahr, neuer Götz: Stephan Szász schlüpft in der 71. Spielzeit der Burgfestspiele Jagsthausen in die Traditionsrolle des unbeugsamen Ritters mit der eisernen Hand.

Für die Titelrolle angefragt wurde der beschäftigte TV-. Kino- und Theaterschauspieler aus Berlin bereits vor über einem halben Jahr im Frühsommer 2019. Jetzt haben die Burgfestspiele bekanntgegeben, mit wem sie punkten wollen, wenn Johann Wolfgang Goethes Sturm- und Drangdrama "Götz von Berlichingen" am 19. Juni Premiere hat.

Mit Regisseur Christoph Biermeier hat Szász schon mehrmals zusammen gearbeitet

Sowohl Götz-Darsteller als auch Regisseur Christoph Biermeier sind den Freilichtspielgängern der Region bekannt: Mit dem ehemaligen Intendanten der Freilichtspiele Schwäbisch Hall Biermeier hat Stephan Szász mehrfach gearbeitet und war als Don Carlos, als Ödipus, Jedermann und als Alfred in Dürrenmatts "Der Besuch der alten Dame" auf der Treppe in Hall zu sehen.

Von Goethes "Götz" war Szász allein das sprichwörtliche Götz-Zitat geläufig. Inzwischen hat er den Text gelesen und sich "emotional" mit der Figur rasch angefreundet: für Szász eine Voraussetzung, eine Rolle anzunehmen. Was macht nun für den Schauspieler den Reiz dieses Götz aus? Eine aus heutiger Sicht leicht verschrobene Figur, ein wackerer Kämpfer und Idealist in einer politischen Umbruchzeit?

"Der Götz begleitet mich, ist aber noch weit weg"

Wie der Regisseur die Inszenierung anlegt und Szász die Rolle, darüber zu sprechen, sei es noch zu früh. "Der Götz begleitet mich und ist eine wichtige Aufgabe in diesem Jahr, er ist aber noch weit weg", sagt der Schauspieler, der demnächst die Hauptrolle in einem TV-Film spielt, der in Hamburg gedreht wird. Und sich dann für ein anderes, erstes Gastspiel in Jagsthausen vorbereitet: Dort ist Szász am 1. Februar mit "Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde" zu erleben.

Natürlich hat er sich mit Christoph Biermeier getroffen und über den Rollentypus gesprochen. "Der Götz ist ein aufrechter Kämpfer, er steht für eine Sache ein. Das ist, was ich mag." Verschroben ist er durchaus auch, räumt Szász ein.

"Ich muss sehen, welchen Zugang ich zu der Rolle finde", bringt er auf den Punkt, was der Schauspieler grundsätzlich an seinem Beruf so schätzt. "Es ist diese Vielfalt, sind die unterschiedlichen Möglichkeiten des Arbeitens." Und: Dass man lernt, "in dem Moment zu sein. Nicht in der Vergangenheit, nicht in der Zukunft".

Stationen einer bemerkenswerten Theaterlaufbahn

"Im Moment sein, ist elementar beim Schauspielberuf", weiß der Mann, dessen Wurzeln im Theater liegen. Schauspielhaus Köln, Nationaltheater Mannheim, Schaubühne Berlin, Schauspielhaus Zürich sind Stationen seiner Theaterkarriere. Seit 2000 steht Stephan Szász vermehrt vor der Kamera. Um heute wieder alle ein, zwei Jahre auf die Bühne zurückzukehren. Szász hält es mit dem Credo des US-Regisseurs Orson Welles, dass, betritt er die Bühne, ein Schauspieler seine Sozialisation in der Garderobe hinter sich lässt.

Anfang Mai beginnen in Jagsthausen die Proben. "Ab Mitte März, wenn die Strichfassung von Biermeier vorliegt, gehe ich an den Text", sagt Stephan Szász. Das letzte Mal intensiv mit Goethes Sprache hat er sich vor gut 15 Jahren beschäftigt, als er in Mannheim im "Urfaust" den Mephisto spielte. Jetzt ist Szász zudem gespannt darauf, an so einer historischen Stätte wie Jagsthausen zu spielen. "Wenn Orte eine Geschichte haben, entwickeln sie ihre eigene Magie."


Zur Person

Stephan Szász, 1966 in Witzenhausen/ Hessen geboren, erhielt nach dem Studium an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover ein erstes Engagement am Stadttheater Bremerhaven. Stationen seiner Bühnenkarriere sind das Schauspiel Köln, die Theater Bremen und Bonn, das Nationaltheater Mannheim, Schauspielhaus Zürich, Deutsche Oper Berlin, Staatstheater Karlsruhe, Schaubühne Berlin, das Theater am Kurfürstendamm und die Freilichtspiele Schwäbisch Hall.

Seit den 2000er Jahren steht Szász vor der Kamera für Kino und TV. Er spielte in "Das Experiment" von Oliver Hirschbiegel, in dem preisgekrönten ZDF-Dreiteiler "Die Wölfe", in "Tatort", "Polizeiruf 110", "Soko Leipzig" und der BBC-Produktion "37 Days". Der zweifache Vater lebt mit seiner Familie in Berlin.


Claudia Ihlefeld

Claudia Ihlefeld

Autorin

Seit ihrem Volontariat bei der Heilbronner Stimme 1991 schreibt Claudia Ihlefeld überwiegend über regionale Kultur und Kulturpolitik, aber auch über nationale und internationale Kulturereignisse.

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